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Cannonball Ride: „Wir sind erwachsener geworden“

Cannonball Ride: „Wir sind erwachsener geworden“

Cannonball Ride stehen seit 2009 für eines: brachiale Liveshows, Moshpits, schweißgebadete Zuschauer und das Gefühl, auf einem Konzert wieder mal richtig Spaß gehabt zu haben. 2014 haben sie auch eine neue Platte am Start – und haben gemeinsam mit Hatebreed und Napalm Death den Linzer Posthof gerockt, wo wir sie zum Interview gebeten haben.

Im Rahmen von einigen Getränken kam so ein lockeres Interview mit Leadsänger Sigi und Michael an den Drums zustande, wo über Crowdfunding, Kremser Konzerte und die neue Platte gesplaudert wurde.

subtext.at: Die Frage, die ihr bitte gleich am Anfang hinter euch bringen möchtet…
Michael: Von wo kommt ihr, und was machts ihr?
Siegi: Stimmt, das wär auch meine. Also: wir kommen aus einem eher kleineren Dorf in Oberösterreich, und das, was wir machen, könnte man am ehesten im Hard & Heavy-Bereich einordnen. Weiter in Richtung Metalcore und Hardcore. Hardcore mit einem Rock-Einschlag sozusagen.

subtext.at: Es scheint so, als ob gerade aus „Kaffs“ immer wieder Bands hervorkommen, die in härteren Richtungen unterwegs sind. Zufall, eurer Meinung nach?
Michael: Es ist von Vornherein sicher leichter, wenn man irgendwo am Rande eines Dorfes einen Proberaum hat, wo man auch leichter, länger, lauter und öfter proben kann.
Siegi: Die Richtung hat damit aber glaube ich weniger zu tun – also die Art der Musik, die aus den angesprochenen „Kaffs“ kommt. Wenn ich jetzt im Raum Vöcklabruck sehe – da sind dann auch vom Death Metal über andere Metalcore-Bands viele vertreten.

subtext.at: Stichwort Raum Vöcklabruck – da fällt mir als allererstes eine ganze Reihe an Rockabilly-Sachen ein. Wie bewusst hebt ihr euch davon ab?
Siegi: Abheben vom Musikstil her war da nie unser Zugang – wir wollten einfach das machen, was uns gefällt und was wir auch vorher gehört haben. Aber du hast schon Recht – diese Rockabilly-Sachen sind stark vertreten. Aber starke Berührungspunkte gibt’s da halt nicht – man lässt sich halt auf dem einen oder anderen Event mal blicken.
Michael: Oder es ist so groß, dass die Richtungen stellenweise auch mal gemischt werden. Wir haben sich aber echt nie zusammengesetzt und darüber philosophiert, was wir machen wollen. Das hat sich dann schon recht schnell ergeben.

subtext.at: Bleiben wir mal beim Schlagwort „Melodic Hardcore“. Was ist euer Unterschied zu anderen Varianten?
Siegi: Wir sind gerade auch in dem Prozess, wo wir unseren Stil neu finden wollen. Früher waren wir recht Breakbeat-lastig. Wir sind gerade am Aufnehmen, und versuchen, das auszumerzen. Da kommt dann das Melodische hinein – auch, weil wir mehr gitarrenlastig werden. Da wollen wir uns auch an Songaufbauten orientieren, wo es dann Strophen und Refrains gibt.

subtext.at: Also eher klassisches Songwriting?
Michael: Zumindest in der Hinsicht, dass ein gewisser Wiedererkennungswert vorhanden ist.
Siegi: Früher haben wir Songs gehabt, die haben 20 Teile gehabt, und einmal, oder eineinhalb Mal ist der Refrain vorgekommen. Jetzt schauen wir schon, dass da ein Refrain da ist, der ins Ohr geht und zumindest zweimal wiederholt wird.
Michael: Wir wollen da aber keinem was absprechen, der das anders machen will, ganz im Gegenteil. Wir sind jetzt halt an dem Punkt, wo wir Songs machen wollen, wo ein Konzept dahinter erkennbar ist. Das war uns schon wichtig.

subtext.at: Ihr seid also bis zu einem gewissen Grad straighter geworden?
Siegi: Straigter… (überlegt) ja….
Michael: Eigentlich schon, ja.
Siegi: Wir haben aber schon Teile drinnen, die dann abweichen und technisch auch anspruchsvoller zu spielen sind.

subtext.at: Also keine klassischen Three-Cord-Songs?
Siegi: Nein, auf keinen Fall. Das ist auch wieder alles organisch, also von selbst, entstanden, als wir zusammengesessen sind. Wo dann die verschiedenen Einflüsse reingespielt haben. Wir sind sicher erwachsener geworden, das schon.
Michael: Und natürlich gibt es auch Rückmeldung vom Publikum, welche Songs am besten ankommen. Und wenn das immer dieselben sind, muss man sich natürlich anschauen, warum das so ist. Das sind dann zwei, drei Songs, die sich einprägen.

subtext.at: Eine Frage, die ich im Rahmen solcher Shows nicht vermeiden kann. Wie groß seht ihr die Chance und den Vorteil einer Local-Support-Show für etablierte Headliner?
Siegi: Ich würde sagen, dass bei diesem Lineup überhaupt kein Local Support notwendig wäre. Insofern ist es schon eine Ehre, da spielen zu können. Das sind einfach zwei etablierte Größen.
Michael: Beides ist wichtig. Genauso wie kleine lokale Shows sind solche Supportshows schon auch eine Herausforderung. Und natürlich auch eine Werbung für uns.
Siegi: Wenn man nie solche Shows spielt, also in größeren Locations und mit größeren Bands, lernt man auch nie die Leute kennen, die dann „wirklich was zu sagen“ haben. Ich seh also schon die Vorteile.
Michael: Wir sind also schon dankbar über den Slot – man hätte ihn ja auch leer lassen können, und so können wir diese Chance nutzen.

subtext.at: Ihr habt 2014 ja auch eine neue Platte am Start. Nennt mir bitte einen Grund, diese nicht zu kaufen.
Michael: Wenn man auf Volksmusik steht. Und wenn man die österreichische Auslegung von Schlager verfolgt, dann auch nicht.
Siegi: Man muss sich schon zumindest ein bisschen mit Rockmusik auseinandersetzen, das schon. Und sich damit identifizieren können.
Michael: Da sei aber auch mal dazugesagt, dass die CD schon eine Überraschung wird. Auch was das neue Material betrifft. Reinhören lohnt sich sicher.

subtext.at: Bleiben wir kurz mal bei der Vermarktung. Zur Zeit scheint es ja in Mode zu sein, neue Platten via Crowdfunding zu finanzieren. Ist das für euch je in Frage gekommen?
Siegi: Das war für uns niemals ein Thema, nein. Wenn das Produkt ansprechend ist, dann kauft sich der Hörer auch die CD oder Merch. Das ist auch das wichtigere – rein von CDs ginge das auch gar nicht mehr. Ich überlasse das aber dem Zuhörer. Ohne die Crowdfunding-Idee an sich aber schlecht zu finden.

subtext.at: Warum ist das eurer Meinung dann so en vogue?
Siegi: Ich glaube, weil es relativ neu ist und in den letzten paar Jahren verstärkt auftritt, ganz einfach. Mir gefällt aber die Reihung nicht – ich zahle zuerst für etwas, von dem ich noch nicht weiß, ob ich es nachher gut finde. Den Support kriege ich dann von Leuten, denen ich als Band wichtig bin. Ich sehe da eher das Problem, dass das Produkt am Ende etwas Anderes ist, als die Leute zu Beginn unterstützen wollten.

subtext.at: Zurück zu euch. Cannonball Rides beschissenstes Konzert ever?
Michael:
Mit Cannonball Ride…… (überlegt)
Siegi: Ah ja, in Krems.
Michael: Da waren drei Bands inklusive uns, wo die zwei vor uns bis halb Vier in der Früh gespielt haben, bis wir an der Reihe gewesen wären.
Siegi: Leute waren halt keine mehr da.
Michael: Wenn der Tontechniker auch heim geht, ist es traurig.
Siegi: Die Leute waren halt die Freunde der anderen beiden Bands – so 60-70 Leute wärens also schon gewesen. Die sind halt gegangen.
Michael: Was ich nach sechs Stunden Live-Musik auch verstehe.

subtext.at: Bands haben sehr oft Besetzungswechsel hinter sich – wie zukunftsorientiert denkt ihr gerade, gerade im Hinblick auf die neue Platte?
Siegi: Ich verfolge ja das Credo, dass Bands zusammenbleiben müssen. Wenn die zusammenbleiben, haben sie die Chance, dass sie sich ein größeres Publikum erspielen. Natürlich gibt es Wechsel, und mir tut das persönlich schon weh – wir haben ja auch schon Besetzungswechsel hinter uns. Ich möchte die Band vertreten und das auch nach außen tragen, und nicht als zwei Leute, die mit immer wechselnden Statisten spielen, enden. Ich glaube, dass das zur Zeit auch unser oberstes Gebot ist – dieses Commitment.
Michael: Mittlerweile ist es auch schwierig – wir haben ja auch viele Auftritte und Proben und Aufnahmen, das geht ja auch in die Zeit und natürlich auch ins Geld. Da ist ein Besetzungswechsel noch schwerer.
Siegi: Ein „Neuer“ muss deswegen auch menschlich in die Band passen – da geht’s nicht nur um die Klasse, ein Stück runterzuspielen.

subtext.at: Ihr arbeitet ja auch alle – wie schafft ihr das dann noch, alles unter einen Hut zu bringen? Oder müsst ihr auch Gigs absagen, weil es einfach nicht mehr geht?
Michael: Ja, es gibt schon sowas – familiäre Verpflichtungen zum Beispiel. Die sind aber auch schon weit vorher bekannt und werden schon wenn möglich im Jänner bekanntgegeben.
Siegi: Und wenn dann ein Termin noch frei ist, dann spielen wir auch. Da fährt der Zug drüber – und die Band hat dann schon Priorität. Und wenn wir eine Show absagen müssen, muss es einen mehr als triftigen Grund geben. Und da lege ich auch für die ganze Band die Hand ins Feuer.

subtext.at: Meine finale Frage: auf eurem Grabstein soll geschrieben stehen, dass?
Siegi: Dass ich ein Mensch war, der einigen Leuten wichtig war und Leute im postitiven Sinne geprägt hat.
Michael: (überlegt) Michael Breitwieser – also der Name wär wichtig (lacht). Satz weiß ich aber keinen.
Siegi: Wenn wir die Band zu Grabe tragen würden, würde aber sicher eine Message draufstehen (lacht).

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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