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Crossing Europe 2014: 1,7

Crossing Europe 2014: 1,7

15 Jahre. So lange war die Pause, die die Hamburger Punklegenden von Slime machten, bevor sie 2010 wieder auf Tour gingen. Mit zum Tourtross gehört auch der Roadie und Kindheitsfreund der Band, Erich „Bully“ Berger. Und auf ihm liegt der Fokus der Dokumentation „1,7“ von Mathis Menneking und Timo Schierhorn. Sie zeigt die Höhen und Tiefen einer Tour, die durch den gesamten deutschsprachigen Raum führte.

Und sie lässt Bully über die Frühzeit der Band sinnieren, unterlegt sind diese Abschweifungen mit Fotos, die ein stimmiges Bild des gutbürgerlichen (oder auch spießigen) Deutschlands der 1970er zeichnen, in dem die Bandmitglieder aufwuchsen. Etwas, wogegen sie aber von Beginn an rebellierten.

Gegründet 1979, erspielten sich Slime schnell Bekanntheit in der Szene, aber auch darüber hinaus waren sie rasch berüchtigt. Vor allem durch die radikalen Texte, die mehrfach zu Indizierungen führten. Aber hey, there ain’t no bad publicity! Straßenschlachten zwischen Polizei und Fans nach Konzerten taten ihr übriges, um den Ruf der gesellschaftlichen Außenseiter zu verfestigen.

Zeitsprung Herbst 2010: Das Treibsand in Tübing, der erste Tourstopp nach 15 Jahren Pause. Nichts funktioniert so wie es soll, die Crew steht sich im Weg und insgesamt ist die Stimmung in der Band vor dem Auftritt sehr skeptisch. Dann raus auf die Bühne, rocken, Spass haben, fix und fertig zurück in den Backstagebereich, feiern, ab ins Hotel und am nächsten Morgen auf die Straße in die nächste Stadt. Oder wie Bully es sagt: „Anfahren, Aufbauen, Show-Abliefern, Abbauen, Weiterfahren.“.

Geschickt gliedern die Regisseure den Film in drei Ebenen: da sind einerseits die bereits erwähnten Ausflüge in die Anfangszeit der Band, ähnlich viel Raum wird Liveaufnahmen und Backstagegeprächen mit den Bandmitgliedern geboten. Und dann sind da noch die gedanklichen „Factsheets“, die Bully einschiebt. Mal mehr mal weniger thematisch gegliederte Aufzählungen, von Dingen die er immer mit auf Tour nimmt, von Geschichten zu den Musikern, oder von seinen Eindrücken der Tour.

1,7 bietet einen ungewohnten Blick hinter die Kulissen, auf das Chaos einer Tournee und regt auch immer wieder mal zum Lachen an. Gut gemacht und authentisch. Ein „Must See“ für Fans, und auch alle anderen Interessierten machen damit nichts falsch.

Die Bewertung der subtext.at-Redaktion:
4/5 Punkte

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