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THE BOYS YOU KNOW: Elephant Terrible

THE BOYS YOU KNOW: Elephant Terrible

The Boys You Know unterlegen ihren wohldosierten Alternative Rock neuerdings mit Keyboardflächen und Trompeten, streuen aber immer noch wo es geht liebevolle Referenzen auf musikalische Helden der 1990er-Jahre ein. Die mittlerweile tatsächlich aus sechs Boys (und keinem Girl mehr) bestehende Wiener Band übt sich auf ihrem dritten Album Elephant Terrible in Zurückhaltung und Gelassenheit, offenbart neue stilistische Facetten, verliert jedoch niemals ihren verschrobenen Charme. Das Resultat ist ein äußerst liebenswertes Gitarrenpop-Kleinod, das mit sich selbst und der Welt im Reinen ist.

The Boys You Know schalten behutsam einen Gang runter. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängeralben „Waste Your Time“ (2013) und „Purple Lips“ (2014) hat man sich nicht nur mehr Zeit mit der Produktion des neuen Silberlings gelassen, sondern unterzog sich zugleich einer kleinen Neuausrichtung inklusive Besetzungswechsel. Der vakante Platz von Bassistin Sophie Schmiedauer wurde von Manuel Kurzmann eingenommen, Max Hauer und Stefan Slamanig sind die Verstärkungen an Keyboard und Trompete. Klar, die Klangästhetik erinnert noch immer stark an die Hochphase von Bands wie Dinosaur Jr., Pavement und den Pixies, doch mit Tempo und Verzerrung geht die Band neuerdings sparsamer um.

Songs wie „Indifferent“ und allen voran das melodisch ansteckende „Never Home“ haben etwas irrsinnig tröstendes an sich. Musikalische Kumpel gewissermaßen, die dich wieder aufbauen wenn’s mal nicht so läuft. „Garden“ zieht sich zu sanften Klängen von Akustikgitarre, einer unwiderstehlichen Lead-Melodie und ein paar Blechbläsern in den Liegestuhl hinterm Haus zurück und erinnert dabei in gewissen Momenten an The Smashing Pumpkins. So intim und losgelöst wie  „Rainy Days“ in seiner bluesigen Lounge-Atmosphäre dahinschwebt, klang die Band bisher noch nie. Eine Tugend, die nicht nur dem Songwriting von Band-Kopf Thomas Hangweyrer, sondern auch der Eigenproduktion durch Gitarrist Matthias Kollos geschuldet ist. Man verzichtete bewusst auf ein großes Tonstudio, oder die bisher so fruchtbare Zusammenarbeit mit Produzent und Musikerkollege Wolfgang Möstl (Sex Jams, mile me deaf). Frei nach dem Motto: „weniger ist mehr“.

„Teenager Of The Year“ ist gewissermaßen die unmittelbare Verknüpfung zum bisherigen Schaffen der Band. Das Tempo ist höher, die Gitarre soliert ganz im Stile von J. Mascis vor sich hin und die tiefe, kratzige Stimme schmiegt sich an die Ohren. Es ist die die offensichtliche Wahl für eine erste Single und eine ideale Einstiegsdroge für neue Hörer. Allerdings ist auch hier bereits deutlich diese neue, zurückgelehnte Stimmung spürbar. Ebenfalls tiefenentspannt vor sich hin rockend: der Titeltrack „Elephant Terrible“ mit seinen triumphal im Background tönenden Trompeten und das temperamentvolle „The Change“.

https://www.youtube.com/watch?v=H1bQJDVugcY

Den Abschluss der Platte bilden die beiden balladesken Stücke „Morals“, welches unmittelbar aus einem Filmabspann stammen könnte und „I Should Have“, welches die Band dann wirklich bis auf die Kernbausteine reduziert. Zwei Gitarren, eine Stimme und ein Raum irgendwo fernab des Tonstudios. Hier wird das Album konsequent zu Ende gedacht und klingt auf eine Art und Weise aus, die nicht treffender gewählt sein könnte. Elephant Terrible ist ein locker-lässiges Stück in sich gekehrter Indie Rock, bei dem es letztendlich die kleinen Momente sind, die das Ganze zu etwas großartigem machen. Es drängt sich nicht auf, läuft aber auch nie (auch aufgrund der knappen Tracklist) Gefahr langweilig zu werden, oder in die Belanglosigkeit abzudriften. Musik voll subtiler Eingängigkeit – ideal für den Spätsommer.

TBYK Elephant Terrible

Tracklist

01. Never Home
02. Teenager Of The Year
03. Indifferent
04. Garden
05. Rainy Days
06. Elephant Terrible
07. The Change
08. Morals
09. I Should Have (Live Home Session)

VÖ: 26.08.2016 via Wohnzimmer Records/Hoanzl

 

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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