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LAW FOUND GUILT: Linzer Szene-Urgesteine sagen Adé

LAW FOUND GUILT: Linzer Szene-Urgesteine sagen Adé

Nach 17 Jahren als Band standen Law Found Guilt vergangenen Samstag in der Stadtwerkstatt ein letztes Mal gemeinsam auf der Bühne. In ausgelassener Partystimmung, aber ohne großes Tamtam erfüllten sie über eine Stunde lang sämtliche Songwünsche und bewiesen ein letztes Mal, welch herausragende Liveband sie sind. Passenderweise durfte mit Spirit Desire eine aktuell sehr umtriebige Supportband den Abend eröffnen, die vielleicht einmal ähnlich große Fußstapfen hinterlassen wird.

Jedoch Fortschritt braucht Bewegung und wenn man sich gemeinsam die Frage stellt: „Wo wollen wir hin?“ und diese Frage nicht zufriedenstellend beantworten kann, dann sollte man doch den Sinn eines Weiterbestehens evaluieren. Da es von Anbeginn an unser Wesen war nach vorne zu gehen, ist uns diese Entscheidung schlussendlich gar nicht so schwer gefallen wie man vielleicht vermuten könnte. Somit wird aus „This Dance needs Distance (ca. 2007)“ schließlich „Dysdance (2015)“. Der Kreis schließt sich mit den Worten „Let’s call it a Day (2003)“ und alles ergibt letztlich genau so Sinn und ist auch richtig so. Doch dies ist für uns keineswegs Grund zu trauern. Wir hatten immerhin die große Ehre in diesem Zirkus unsere Jugend auszuleben, erwachsen zu werden und schließlich in Würde zu altern (Ja, den Satz haben wir mal gehört auf einem Konzert!). Was wir in all den Jahren an Gutem, Schlechtem, Schrägem, Witzigem, Kuriosem, Herzergreifendem und schlichtweg Menschlichem erleben durften, hat uns geformt und jeder Kilometer, den wir hinter uns gebracht haben, hat uns zu dem gemacht was wir heute sind.

(Auszug aus dem Abschiedsstatement der Band auf Facebook)

Law Found Guilt waren, wie Spirit Desire-Sänger Chrisu in einer Ansage ebenfalls bemerkte, die letzten Vertreter einer goldenen Generation an Linzer Bands aus dem Genre-Schmelztigel aus Hardcore, Punk und Emo. Nun gut, bei einigen weiß niemand so genau ob es sie eigentlich noch gibt (Outsmarted). Andere haben längst einen Schlussstrich gezogen und/oder haben sich neuen Projekten gewidmet (Estate bzw. The Cassidy Scenario). Nicht zu unrecht sind all diese Bands etwa auf Labels in Großbritannien gelandet und haben in der Szene bis heute noch einen guten Namen. Nun war auch für Law Found Guilt der Zeitpunkt gekommen, an dem man den Sinn des Weitermachens hinterfragt hatte und zu dem Entschluss gekommen war, lieber ein paar Abschlusskonzerte zu spielen und noch einmal die Sau rauszulassen, anstatt einfach still und heimlich abzutreten.

Zunächst standen um 22 Uhr aber die „Newcomer“ Spirit Desire auf der Bühne, die wohl doch vielen Anwesenden, die sich schon länger auf kein Konzert mehr verirrt haben, unbekannt waren. Doch die vier Jungs machten ihren Job wieder einmal bravourös, obwohl mir eine objektive Beurteilung aufgrund der vielen Auftritte, die ich in diesem Jahr schon von ihnen gesehen habe, immer schwerer fällt. Der Spagat zwischen Seriosität und verschmitztem Humor gelingt ihnen jedenfalls immer besser und die Setlist bot einen abwechslungsreichen Querschnitt durch den Sound der Band. Außerdem gab es erneut jungfräuliches Material vom nächstes Jahr erscheinenden Album zu hören und wenn dieses hält was es verspricht, dann steht uns da etwas Großes ins Haus.

Dann wurde es ganz schön schnell ganz schön voll im Saal. Klar, die meisten waren nun mal hier um Law Found Guilt ein letztes Mal zu sehen. Und sie sollten voll auf ihre Kosten kommen. Zu hören gab es hauptsächlich allseits bekannte und beliebte Stücke von den beiden Alben Me Decade und Dysdance, wie „Lost In Confrontation“ und „World Of Archetypes“, aber auf expliziten Fan-Wunsch hin auch das eine oder andere ältere Stück, wie „Balance“ von der vor 10 Jahren erschienenen EP „Asphalt And Concrete“. Es wurde gestagedived, getanzt und inbrünstig mitgesungen. Den vier Musikern war in jedem Moment die Freunde über diesen letzten großen Abend anzusehen und ab und zu zündet wieder mal jemand eine Konfettikanone um die ausgelassene Stimmung zu unterstreichen. Mit einem weiteren Band-Klassiker, nämlich „Undo Plasty“, verabschiedeten sich die Herren dann ein letztes Mal von der Bühne und hinterließen ein zufrieden grinsendes Publikum, dass daraufhin gerne noch der Einladung den Merchandise-Stand zu plündern nachkam. Letzten Endes war es ein Abend voll Nostalgie und guter Musik, der mir und allen anderen Anwesenden hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

DANKE, LAW FOUND GUILT!

Fotos: Andreas Wörister // Slih’s Photography

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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