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Joe Traxler: von Einem, der auszog, um die Welt zu erobern…

Joe Traxler: von Einem, der auszog, um die Welt zu erobern…

Wenn man uns fragt, wo Linzer Künstler ihre Werke releasen, dann haben wir schnell, abhängig von der Musikrichtung, die passende Antwort parat.  Stadtwerkstatt, KAPU, wenns ganz gut läuft der Posthof, das Ann&Pat für den Underground. Hätten wir allerdings „The Bedford“ gesagt, man hätte uns für komplett deppert gehalten. Dass Linz und das Londoner „The Bedford“ kein Widerspruch sein müssen, beweist Joe Traxler, der ebendort seine EP „Forty Four“ releaste.

Joe Traxler dürfte hierzulande kein Unbekannter mehr sein. Früher aktiv in Bands wie „Ladyshare“ und dem „JFT Trio“ wurde er in Linz und Umgebung schnell bekannt. Mit „Die große Chance“ auch dem ORF-Publikum im Hauptabendprogramm. Während andere damit wahrscheinlich schon zufrieden wären, dürfte dies für Joe Traxler erst der Anfang gewesen zu sein. Der Lebensmittelpunkt wurde kurzerhand von Linz nach London verlegt, um der musikalischen Karriere einen Schub zu verpassen. Dort ist man nur „einer unter vielen“, wie uns unter anderem Kelvin Jones vor kurzem erzählt hat. Umso schwerer ist es, aus dem Meer an Künstlern herauszustechen. Joe Traxler versucht dies mit seiner ersten EP „Forty Four“, die eben im eingangs erwähnten „The Bedford“ präsentiert wurde.

joe traxler forty four cover

Die fünf Tracks umfassende EP bietet dabei einen kurzen Querschnitt durch Pop, Jazz, mit ein paar Blues-Elementen. Klassisches Pop-Songwriting wie im Opener „Reason To Change“ sorgt für die Massentauglichkeit. Ein Track, den man wohl braucht, um eben das „Herausstechen“ zu erreichen. Solide Kost, die man im Autoradio sicher auch gut hören könnte. Dass Joe Traxler aber nicht nur auf „massentaugliche Autoradiotracks“ reduziert werden kann, beweist er dann gleich im Anschluss mit „Life is Funny Sometimes“. Blues-ig angehaucht, fast schon in den R’n’B abdriftend, ideal geeignet für lauschige Abende am Kamin. Ein richtig starker Track. „Same Page“ könnte man dann fast als Symbiose der ersten beiden Tracks sehen. Pop, tanzbar, eingängig, aber trotzdem immer ein wenig zurückhaltend und wenig aufdringlich. Gerne mehr davon!

Mit dem zum Nachdenken anregenden „Why Does It Rain Now?“ und dem wieder ruhigeren „Cherry Blossom“, das man getrost in Richtung „Rock-Balladen“ einordnen könnte, gibt Joe Traxler im Rahmen der nur fünf Tracks umfassenden EP eine weitere Facette seines Schaffens preis. Man könnte sogar soweit gehen, „Forty Four“ als Showcase-EP zu bezeichnen. Eine EP, mit der Joe Traxler in viele musikalische Schubladen passt. Eine EP, die ideal vor einem Album steht, wo er sich wohl richtig entscheiden muss, in welche Richtung er gehen möchte. Dass er mutig ist, hat er mit dem Locationwechsel schon bewiesen – es bleibt zu hoffen, dass dieser Mut belohnt wird!

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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