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GHOUL: Blutgericht in Creepsylvania / Viper Room Wien

GHOUL: Blutgericht in Creepsylvania / Viper Room Wien

Ja bist du deppat, manchmal weiß man nicht worauf man sich einlässt und dann ist es zu spät. Wenn man’s danach trotzdem grenzgenial findet, kann es sich fast nur um eine GHOUL-Show handeln! Beim 30er von EWIG FROSTs Niitro geigten neben dem Geburtstagskind und den blutgetränkten Untoten auch noch Wiens neue Rock ’n‘ Roll-Formation #1 auf: BOOGIE HAMMER.

Zugegeben, selten habe ich mich vorab so wenig mit einem Line-Up auseinander gesetzt wie gestern, denn die Mission war klar: die Neo-Rock ’n‘ Roll-Hoffnung Wiens, BOOGIE HAMMER, laden zum Tanz und EWIG FROSTs Niitro hat Geburtstag. Also ist man vor Ort und feiert g’scheid mit! Überraschungen sollte es eigentlich wenige geben: EWIG FROST sind sowieso bunte – naja, stilecht natürlich nur schwarz-weiße – Hunde in der Wiener Szene und BOOGIE HAMMER besteht auch aus allem, was im Dunstkreis der Arena Rang und Namen hat: da vermischen sich aktuelle und ehemalige Mitglieder von ANSTALT/THE ACCIDENTS/GENOCIDE SUPERSTARS und den BOOZEHOUNDS FROM HELL, kleiden sich in Fes und feinsten Zwirn und knüppeln mit äußerst straightem Hochdruck-In-die-Gosch ’n‘ Roll auf die Zuschauerschaft ein. Hauptmann Dan Danne Wall überzeugt wie gewohnt mit seiner schrulligen deutsch-schwedisch-englischen Ansagenmischung und komplettiert den Gig mit der Personifizierung des „Süpürgesi“. Kracht verdammt g’schmeidig in den Ohrwaschln und überbrückt gut die Zeit bis sich die auf Eis gelegten BOOZEHOUNDS wieder zusammenreißen und/oder ANSTALT endlich wieder Fahrt aufnimmt. Gerne wieder, gerne mehr.

BOOGIE HAMMER - 30 & Still Dirty / Viper Room, Vienna © Markus Wetzlmayr / @wetphoto / www.wet-photo.at NO USE WITHOUT PRIOR WRITTEN PERMISSION // KEINE VERWENDUNG OHNE VORHERIGE SCHRIFTLICHE ERLAUBNIS.

BOOGIE HAMMER: The Return of the Süpürgesi!

EWIG FROSTs „Blackened Doom Punk Country“ kennt man als geneigter Connoisseur des heimischen Untergrunds selbstverständlich auch, den Bandenchef Nino/Niitro sowieso. Und eigentlich war man ja hauptsächlich wegen Niitro und seinem Abschied aus dem sorglosen Leben eines Ewig-Jungspunds da. 30 wird man zwar nur einmal, aber es darf kaum erwarten werden, dass die zündkräftige Benzinmischung in Niitros Venen nachlässt, oder der werte Herr gar kürzer tritt. Denn immerhin steht er gestern Abend zum ersten Mal mit zwei neuen Mitkämpfern auf der Bühne, von Altersweisheit und -ruhe keine Spur! Die Bourbon-Benzinmischung im Tank der vereisten Lokomotive auf der „Railroad To Hell“ brennt heißer denn je. Jetzt muss nur noch diese Energie, die Jürgen Sub Sonic (Bass) und Thomas Raze (Drums) beisteuern, richtig geeicht und kanalisiert werden. Die Weichen sind gestellt, volle Kraft voraus!

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EWIG FROST: Ois Guade Niitro!

Im Anschluss folgte mit GHOUL dann noch eine Offenbarung und Blutprozession, die man als unkitschige Version der Schlaz-Spielereien von GWAR sehen kann. Die vier Wiedergänger aus dem fernen Oakland, Kalifornien liefern feinsten Krach, der irgendwo zwischen Thrash- und Death Metal einzuordnen wäre, gepaart mit einer deftigen Portion Grindcorementalität und herzhafter Punkattitüde. Stilsicher und -stiftend mit Leinensäcken verhüllt wird im Viper Room gleich zu beginn der Show ein xenophober, fetter „Besorgter Bürger™“ (vulgo: Neonazi) mit Macheten ausgeweidet und seine Gedärme unter das Volk geworfen. Kunstblutregen #1: check!

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GHOUL: Willkommen im blutgetränkten Horror!

Dass GHOUL also keine Gefangenen machen ist klar. Dass die Mama morgen wieder mal eine Extraladung für die Waschmaschine haben wird ebenso. Nach dem ersten erfolgreichen Einsiffen mit roter Pampe geht es eigentlich in exakt dem gleichen Tempo weiter: Bühnenshow mit dem Diktator von Creepsylvanien, dem von den Toten auferstandenen „Spirit of Punk Rock“, einem eingeweidemampfenden Ghul und dem fistbumpenden Kogar dem Zerstörer – dazu eine geballte Ladung dreckig-harten Death Thrash Punk. Der Kitsch wurde bedient, die Meute ersäuft im Kunstblut, der Ghul hat sich seinen Eingeweidekübel aufgesetzt und grunzt von Dannen… Herz was willst Du mehr?!

Ghoul Setlist Viper Room, Vienna, Austria 2017

Niitro hat sich mit diesem Gig eine der wohl besten Geburtstagsparties in der Geschichte der Geburtstagsparties geleistet. Wir bedanken uns ganz, ganz herzlich für diesen Wahnsinnsabend und wünschen dem Jubilar einen schönen Start in den langsamen Verfall. Alles Gute Nino, ab 30 geht’s bergab!

Fotos: © Markus Wetzlmayr

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Markus liefert als Teil der Wiener Fraktion von Subtext Konzertfotos aller möglichen Genres. Egal ob Hip Hop oder Black Metal - Hauptsache die Musik geht unter die Haut und drückt in den Ohren.

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