SILVERSUN PICKUPS: Kein Gefühl von Routine

SILVERSUN PICKUPS: Kein Gefühl von Routine

Es gibt nicht wenige Leute, die sagen, die Silversun Pickups aus Los Angeles seien die legitimen Nachfolger der Smashing Pumpkins. Das ist wohl nicht ganz falsch. Sie haben den Sound der 90er ohne Identitätsverlust in die Jetztzeit transportiert – verwinkelter Alternative-Rock, facettenreich, eigenwillig und von Meisterhand gespielt. „Neck Of The Woods“, die dritte Veröffentlichung von SSPU, ist allerdings auch ein Album, für dass man zunächst einen Kompass benötigt.

„Neck Of The Woods“ vereint genug herausragende Ideen, um die Band nicht als Zweckentfremder abzustempeln. Da, wo den Pumpkins die Puste ausgeht, haben sie den Drive. Nach dem ersten Lebenszeichen, dem absolut gelungenen Debüt „Carnavas“, durfte man auf etwas Großes hoffen. Mit dem Nachfolger „Swoon“ wurden die Fans auch alles andere als enttäuscht. Selbst Supermodel Heidi Klum zeigte sich begeistert und lud die Band ins Staffel-Finale von „GNTM“ ein. Dürften einige nicht schlecht gestaunt haben. Silversun Pickups, die neuen Lieblinge der Reichen und Schönen? Was soll ich sagen? Manche Dinge sind eben schwer nachzuvollziehen.

Songs über Haut, Bienen, Sonnenlicht und Atemlosigkeit – jetzt lässt die vierköpfige Formation die Paranoia in den eigenen vier Wänden hochleben. Anfangs ist man ein wenig ratlos, da der Glanz der Lieder sich nicht auf den ersten Blicken offenbaren möchte. Das Material wirkt unangenehm verkrampft und hat es schwer, auf Anhieb hängenzubleiben. Eine fiebrige Unruhe, dunkel und aufwühlend, geht von dem Album aus. Bedrohliche Risse in den Wänden zeichnen sich ab. Unterkühlter Hypnoserock dringt zu einem vor. Da hat man dran zu rütteln. Hitsingles scheint es auch keine zu geben, ein zweites „Panic Switch“ sucht man vergebens. Na super.

Gitarrenlärm und wohlige Melodien? Silversun Pickups wollen beides und lassen ihre Songs kontinuierlich wachsen. Kernige Fuzz-Gitarren, viele Effekt-Schichten, große Breaks, kleine Hooks – wenige Durchläufe reichen hier definitiv nicht aus. Eine Platte, an die man sich wirklich erst gewönnen muss, die aber eines sicher nicht ist: Langweilig.

„Neck Of The Woods“ verfeinert, führt fort und bringt weiter. Motto: Die Stärken bewahren, aber sich auf keinen Fall wiederholen. Vom Aufbau mal mehr, mal minder abstrakt. Der Opener „Skin Graph“ lässt die Alarmglocken läuten, während eine Art R’n’B „The Pit“ beherrscht. Die Stimme von Brian Aubert quengelt und nölt, sorgt für die nötigen Kontraste.

Himmelsstürmischer Eskapismus und Ohrwürmer ohne echte Refrains: „Neck Of The Woods“ ist ein interessantes Album, das zunächst mit Startschwierigkeiten zu kämpfen hat. Zu sperrig, zu spröde sind die Urteile, die ich anfangs falle. Doch nach und nach keimt da was auf. Nach und nach schütteln sie Idee um Idee aus dem Ärmel, als hätten sie genug davon hinterm Haus. Es ist spannend zu verfolgen, wie die Melodien sich entwickeln, sich winden, verbinden, zerstreuen und wieder zu einen gemeinsamen Nenner finden.

Die Band wildert in sämtlichen Bereichen, die auch nur im Entferntesten mit Alternative-Rock zu tun haben. Man hat eigentlich nicht den blassesten Schimmer, wo die Reise hingeht. Denn alles zwischen Indie, Shoegaze, Noise, Rock, Electro und Pop scheint irgendwie in jedem Song möglich zu sein.
Spannend, nicht?

Facts:
Silversun Pickups – Neck Of The Woods
Gesamtspielzeit: ca. 59 Minuten
Dangerbird (Warner Music)

Links & Webtips:
silversunpickups.com
facebook.com/silversunpickups
twitter.com/SSPU

Foto: Warner Music

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