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ROTTERDAM: Das Manhattan der Niederlande

ROTTERDAM: Das Manhattan der Niederlande

Denkt man über einen Städtetrip in die Niederlande nach, ist Rotterdam wohl kaum die erste Stadt, die einem hierfür in den Sinn kommt. Dass die zweitgrößte Stadt des Landes und somit kleine Schwester von Amsterdam sowohl kulturell, als auch architektonisch und in puncto Unterhaltung einiges zu bieten hat, darf man nicht außer Acht lassen. Hier also ein kleiner Einblick meiner Reise sowie eine Liebeserklärung an die Stadt. 

Dass Rotterdam im Gegensatz zu Amsterdam keine typische Touristenstadt ist, merkte ich bereits bei der Ankunft am wirklich winzigen und überschaubaren Flughafen. Der erste Eindruck war nicht allzu einladend, eine Nebeldecke hing über der Stadt und ich begab mich in den Bus, der mich hoffentlich zum Hauptbahnhof bringen sollte. Bereits dort kam ich mit der angenehmen holländischen Freundlichkeit in Berührung, welche mir in den nächsten drei Tagen noch oft sehr positiv auffallen würde.

Am Hauptbahnhof angekommen, wollte ich mich erstmals um ein vernünftiges Öffi-Ticket für die nächsten drei Tage kümmern. Auch hier hatte Rotterdam eine positive Überraschung für seine Besucher parat. Für 20 Euro erhielt ich mein Kernzonen-Ticket, zusammen mit Stadtplan und einem Gutschein-Heft, welches gefühlt alles Sehenswerte der Stadt beinhaltete, von Museen über Bars bis hin zu Restaurants war wirklich alles vertreten. Später angekommen in der Witte de Withstraat,  bekannt als „Kunst- und Partymeile“ Rotterdams, checkte ich ins King-Kong Hostel ein und verschaffte mir einen kurzen Überblick in der Straße voller Restaurants und Lokale.

Nicht umsonst ist die Witte de Withstraat als Schnittstelle der Rotterdamer Kunst und Kulturszene bekannt. Direkt neben dem Museumpark gelegen, hat man nur wenige Minuten zu Fuß zum Museum Boijman Van Beuningen, dem Naturhistorischen Museum oder der Kunsthal. Mein Weg hat mich ins Het Nieuwe Institut verschlagen, ein Museum für „Design, Architektur und Digitale Kultur“. Nach einem leckeren Mittagessen im dortigen Restaurant besuchte ich die vier Ausstellungen, die unterschiedlicher nicht sein hätten können: Bekam man im Erdgeschoss eine Ausstellung zum Thema Materialien in der Architektur zu sehen, so fand dann man im Keller „The Transylvanian Archive“, wo die Künstler Marta Volkova und Slava Shevelenko mit einer Sammlung russischer Aufzeichnungen zum Thema Yeti mit Mythos und Realität spielten. Im ersten Stock gab es zur Abrundung noch eine Ausstellung zum Thema Bildschirmschoner. Mein Fazit: sehr schräg, aber definitiv den Besuch wert.

Rotterdam gilt aufgrund seiner modernen Gebäude als das Manhattan der Niederlande. Die Stadt zeigt sich aber auch zunehmend von ihrer grünen Seite: zahlreiche Parks schmücken das Stadtbild und machen Lust auf ausgedehnte Spaziergänge in der Natur. Auf dem Weg zum Euromast, Rotterdams Aussichtsturm, genoss ich die letzten Sonnenstrahlen des Tages und war fasziniert von dem Stadtbild, welches der Spaziergang durch Het Park bot. Der Euromast selbst entpuppte sich eher als kleine Touristenfalle, zwar ist die Aussicht von da oben recht beeindruckend, neun Euro sind aber meiner Meinung nach doch zu viel, für einen schönen Ausblick, zumal Rotterdam noch einige andere schöne Ecken zu bieten hat.

Nachdem ich den Abend im Hostel sowie in einigen Bars entlang der Witte de Withstaat habe ausklingen lassen, begann der zweite Tag meiner Reise wieder ganz im Zeichen der Kunst. Direkt neben dem King-Kong Hostel befand sich das Museum of Contemporary Art, dessen Besuch die zwei Euro Eintritt allemal Wert war. Vorwiegend holländische Künstler stellten hier überwiegend abstrakte Werke aus und boten verschiedenste Impressionen aus Malerei, Audio, Film, aber auch Architektur, Handwerk und Theater.

Danach ging es weiter Richtung Markthalle zu den Kubushäusern, ein Wohnkomplex, welcher aus Häusern in Form eines schräg gestellten Würfels bestanden, die auf sechseckigen Stämmen gehalten wurden. Im Innenhof unter den Kubushäusern fanden sich zahlreiche Geschäfte und Cafés, die Stämme dienten als Aufgänge zu den Wohnbereichen. Eines der Häuser ist als Schauraum gestaltet, und so machte ich mich auf den Weg in das dreistöckige Würfelhaus. Rund 100 Quadratmeter auf drei Stockwerken umfasst das Haus, in welchem zwei bis drei Personen wohnen können. Für große Leute wie mich sind die engen Treppen und Aufgänge relativ unvorteilhaft, die einzelnen Stockwerke aber praktisch aufgeteilt und kreativ gestaltet, hier zu leben könnte man sich durchaus einreden lassen.

Die Markthalle ist ein Paradies für Feinschmecker, zahlreiche Restaurants tun sich hier mit Marktständen die frische Waren verkaufen zusammen. Preislich liegen die kulinarischen Erlebnisse in Rotterdam zirka auf österreichischem Niveau, was sehr angenehm ist. Die Suche nach einem traditionell niederländischen Restaurant blieb leider erfolglos. Als Musikliebhaberin verschlug es mich am Abend ins Rotown, wohl der Club für Konzerte in Rotterdam. Klein aber fein erinnerte es an die Linzer Stadtwerkstatt mit etwas größerem Ambiente. The Mysterones, eine Garage-Band aus Amsterdam, lieferte eine groovigen Auftritt und sorgte für einen interessanten Abend.

Mein letzter Reisetag zog mich in die ländliche Gegend der Niederlande. 40 Minuten mit dem Waterbus – einem Schiff, das als Linienbus entlang der Maas geführt wird – von Rotterdam entfernt liegt Kinderdijk, ein kleines Dorf. Vom Hafen brachte mich ein Bus zu den 19 Windmühlen, welche zum UNESCO Weltkulturerbe zählten. Das Wetter war an diesem Tag leider nicht ganz auf meiner Seite, aber schon allein für den Einblick in die ländlichen Teile der Niederlande sowie die Windmühlen in der Nebellandschaft hat sich die Reise gelohnt. Zwei Mühlen wurden als Museum umfunktioniert und man erhielt einen Einblick in das Müller-Leben vor einigen Jahrhunderten und der kleine Touristenladen am Beginn des Feldes spendierte jedem Besucher, der sich in dieser Kälte zu den Windmühlen wagte, einen gratis Kaffee.

In diesen drei Tagen hatte ich Rotterdam ins Herz geschlossen und werde sicher nicht das letzte Mal in dieser Stadt gewesen sein. Zwar bekommt man vom typischen Touristenprogramm nicht so viel geboten wie beispielsweise in Amsterdam, aber ich finde genau das macht unter anderem den Charme dieser Stadt aus. Rotterdam hat viele Ecken, die es zu entdecken gibt, und das ganz ohne den typischen Touristen-Wahnsinn, den man von anderen Metropolen gewohnt ist. Man lernt die Stadt und auch die Menschen dort ganz unverfälscht und unverblümt kennen, und das Bild welches einem dort entsteht, bleibt ein besonders einzigartiges.

Fotos: © Jasmin Schachner

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Musikliebhaberin | Konzert- und Festivaljunkie | Mediendesigner | Catlady

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