AnnenMayKantereit beehrten zwei Jahren Abstinenz am Samstag wieder den Posthof Linz. Nach dem großen Hype und ein Album später, konnte die Band noch immer überzeugen, begeisterte aber weniger als damals. Ein musikalisch guter Abend, der die hohen Erwartungen aber nicht vollkommen erfüllen konnte. Ungewohnt waren die Sicherheitsvorkehrungen, welche ich so auch noch nie im Posthof erlebt habe.

Angespannt war die Stimmung an diesem Samstag Abend. Personalisierte Tickets, Taschen- und Ausweiskontrollen und sehr strikte Regeln für uns als Presse und Fotografen. Entsprechend wenig locker wirkten die Konzertbesucher, ein seltsames Gefühl lag in der Luft. Von wem diese Regeln kamen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Nachdem ich dies in vielen Jahren an Posthofbesuchen aber noch nie erlebt habe, ist anzunehmen, dass entweder das Management, die Booking-Agentur oder die Band Urheber dieser Anweisungen sind. Ein erdrückendes Gefühl war die Folge. Ich hoffe nicht, dass dies zur Gewohnheit wird.

Musikalisch ging es dann gewohnt um 20:00 mit dem Support los. Gewählt wurde zu meiner Freude eine Stahlstadt-Band. GIN SØNIC, um genau zu sein. Bei aller Freude war ich trotzdem etwas skeptisch darüber, ob diese Band wirklich zu AnnenMayKantereit passt, oder ob nicht eine Indie Band besser geeignet gewesen wäre. Ich wurde vom Publikum eines Besseren belehrt, denn bereits zu dieser Uhrzeit war der Saal gesteckt voll, die Bar im Foyer recht leer. Die Stimmung und Begeisterung stellenweise sogar besser als beim Hauptact, die Besucher fast euphorischer als beim Mainact. Musikalisch trotzdem meiner Meinung nach nicht ganz harmonisch passend zu AMK, aber solange die Menge im Saal glücklich ist, wurde alles richtig gemacht. Souveräne Performance der Band mit einem Mix aus eigenen Songs und Covern, von den Black Keys bis hin zu Britney Spears. Alles fehlerfrei gespielt, trotz leichter technischer Probleme zu Beginn. Wieso es sich aber offiziell um ein Acoustic-Set gehandelt hat, ist mir ein Rätsel. Denn trotz akustischen-Gitarren anstatt ihrer elektronischen Brüder, merkte ich beim Sound kaum einen Unterschied zu der Performance im Zuge des Lautstark!-Contests vor einigen Wochen. Klar, verstärken muss man im Posthof auch so ein Set, wenn der Abend ausverkauft ist. Hätte man aber auch einfach darauf verzichten können, das Ganze als Acoustic Set anzukündigen. Trotzdem: zufriedenstellende Performance, die weder von den Socken haute, noch enttäuschend war. Daumen nach oben. Respekt für die solide und gute Leistung, ist nicht selbstverständlich wenn man zum ersten Mal vor einer so großen Menge spielt. Die Freude darüber war ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben und die ehrliche Dankbarkeit spürbar.

Nach einer kurzen Rauchpause und dem Organisieren von Biernachschub war es dann auch Zeit für den Hauptact. Wohlige Erinnerungen an ihren letzten Besuch im Oktober 2015 drehten sich in meinem Kopf. An eine unglaublich sympathische Performance, diese starke Stimme von Henning May, an traurige und glückliche Momente und ein lautstarkes Publikum. Kurzum: an eines der besten Konzerte der letzten Jahre. Entweder war es der damalige Hype, der mich blendete, oder AnnenMayKantereit ist 2017 wirklich schlechter als 2015. Trotz aller Vorfreude auf diesen Abend eine Enttäuschung. Nicht musikalisch, denn weder gab es technisch, instrumental oder gesanglich etwas auszusetzen. Henning Mays Stimme ist noch immer großartig, durchdringend und klingt noch immer so rau, wie wenn er gerade sechs Stangen Zigaretten geraucht hätte. Die alten Songs haben von ihrer hohen Qualität und Stärke nichts verloren. Sogar die Tonabmischung war einwandfrei – auch keine Selbstverständlichkeit bei einem Tourtechniker. Die Setlist war eine gute Mischung aus den Hits der 2015er-EP wie „21, 22, 23“, „Oft gefragt“ oder „Nicht, Nichts“ und dem 2016er Album. Das äußerst junge und überwiegend weibliche Publikum wurde aber mit den neuen Songs nicht so richtig warm, die Begeisterung war bei den alten Hits bedeutend größer. Generell war die Stimmung schlechter als vor zwei Jahren. Es wurde weniger mitgesungen und weniger getanzt. Von der Einheit, welche die Menge und die Band damals noch gebildet haben, war diesen Samstag wenig zu spüren. Vielleicht hat das mit dem durchaus enttäuschenden Album zu tun, oder damit, dass der große Hype um die Band vorbei ist. Vielleicht aber auch einfach damit, dass die Performance wirklich schlechter war als damals. Der neue Song ohne Titel – ganz im Stil der Band –  aber nicht unbedingt etwas Besonderes, das Begeisterungsstürme auslöst. Die Band dürfte sich auch Jan Böhmermanns Video zum Echo angesehen haben. Der direkte Seitenhieb auf Max Giesingers und Tim Bendzkos fehlende Fähigkeiten, die eigenen Songs selber zu schreiben, sorgte für Lacher im Publikum. Die nachfolgende Anspielung auf Kraftklub fiel dann weniger Besuchern auf.

 

Nach etwas mehr als eineinhalb Stunden war der Abend dann wieder vorbei. Leider im Vergleich zu ihrem ersten Besuch im Posthof vor zwei Jahren eine Enttäuschung. Ein Konzert, das musikalisch und technisch einwandfrei und gut war. Ein Konzert, das große Fans der Band mit Sicherheit zufrieden stellte. Ein Konzert, das sich bei AnnenMayKantereit zu viel nach Arbeit, zu wenig nach Leidenschaft angefühlt hat. Ein Konzert, das auch beim Publikum nur stellenweise richtig zünden konnte. Ein Konzert, das unter den hohen Erwartungen blieb. Keineswegs schlecht, aber nicht so großartig wie man es sich gewünscht hätte, und nicht so umwerfend wie 2015.

Foto: Ella Kronberger (Facebook)

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