Kontrovers, ironisch, sexistisch – schon viele Adjektive haben es schon versucht, die zwei Girlies von SXTN zu beschreiben . Aber so wirklich verstehen kann man es nur, wenn man sie live erlebt hat. SXTN waren am Dienstag zu Gast im Posthof.

Ich bin über 25 Jahre alt, Feministin und war nüchtern auf einem SXTN Konzert. Ihr werdet nie glauben, was dort passiert ist – so könnte der Artikelanfang zum letzten Dienstagbend im Posthof lauten. Oder: am Konzert von SXTN hab ich einen BH gesehen, der megacool war und den ich jetzt unbedingt haben muss. Gratis Bierduschen gab es auch!

Aber jetzt mal seriously: die Fotzen sind wieder da! Ob sie mal weg waren, ist noch zu klären. Als Vorband haben sie „Fruchtmax“ engagiert. Bewusst unprofessionell präsentiert sich der junge Hip-Hopper. Statt einem DJ hinter den Turntables gibt es nur Musik aus der Dose, bzw. aus dem Aux-Ausgang vom Handy. Seichte Raps, über Party, Tattoos, Drogen, Frauen und Co. und fette Beats sind seine Geheimzutaten für den Erfolg – zumindest bei den Girls unter 20 und auf Youtube. Knapp 650.000 Views kommen ja nicht von ungefähr.

Bevor jedoch SXTN sich auf die Bühne bequemten, wurden wir eine gefühlte Stunde vom DJ mit Musik beschallt. Wo selbst auch die Hardcorefans in der den ersten Reihen schon ungeduldig wurden und zum Maulen anfingen. Man hätte auch einfach früher anfangen können, die Eltern, die auf ihre Kids in der der Aula warteten, hätten sich bestimmt darüber gefreut.

Endlich wurde das Backdrop mit den zwei Köpfen der Bandmitglieder hochgezogen und die zwei Meter hohe Kopfbüsten enthüllt. Dann ging die Party schon los, mit, wie kann es auch anders sein „Die Fotzen sind wieder da“. Schon beim ersten Lied trennte sich die Spreu vom Weizen – in jene, die voll motiviert waren und bis zu menschlichen Schmerzgrenze ihre Freude in Gekreische äußerten, und in jene, die verwirrt bzw. beängstigt ihre*n Freund*in anblickten und sich schleunigst ein Bier holten.

Bei der Musik von SXTN scheiden sich die Geister, die einen verstehen die Texte als Aufforderung, ihre weiblichen Geschlechtsteile der Öffentlichkeit zu präsentieren, Party bis zum Nimmerlandstag zu machen und missachten die leise ironische Botschaft in den Texten. Die anderen freuen sich, dass endlich mal jemand sich traut, das Tabuthema Sexualität auf paradoxe Art und Weis zu diskutieren, und wieder andere können mit den Texten nichts anfangen und finden sie hauptsächlich abstoßend.

Bei mir war es eine Mischung aus allem, auch wenn mein BH dort blieb, wo er hingehörte, merkte ich schon auch, wie die Beats zum Tanzen anregten. Da kann ich mir schon vorstellen, dass in einem Club bei Lieder wie „Von Party zu Party“ es schnell mal eskalieren könnte. Aber gerade so Songs wie „Ich bin schwarz“, welches sämtliche Sterotypen, die wir „Weißen“ gegenüber von Schwarzen haben, durch den Dreck zieht, finde ich großartig. So überzogen, dass es vielleicht auch bei FPÖ und ÖVP-Wähler*innen zum Denken anregen könnten. Ihrer Affinität zum Kiffen, kann ich jedoch nicht wirklich was abgewinnen, gerade dann, wenn sie in einem Nichtrauchersaal die Leute zum Rauchen auffordern. So als Meinung einer notorischen Nichtraucherin.

Die Show selbst hinterließ bei allen im Saal auf jeden Fall einen großen Eindruck – ob betrunken, bekifft oder nüchtern. Neben ihren Talent beim Texten gaben sie auch ein weitere Qualitäten zum Besten – zum Beispiel beim Abfüllen von Kiddys mit Trichtern. Feldforscher*innen hätten bestimmt auch ihren Spaß beim Beobachten gehabt. Schafft man es jedoch, ein bisschen hinter den Inhalten der Texte zu blicken, kann man auch nüchtern bei einem SXTN-Konzert Spaß haben.

Fotos: Christoph Thorwartl

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