“Die Dunkle Seite Des Mundes” ist das Resultat eines mehrjährigen Prozesses von Kravali. Das Warten auf die Platte hat sich gelohnt, es präsentiert sich ein außerordentlich feines Hip-Hop Album, das wohl nur noch darauf wartet live gespielt zu werden. Mittwochabend in der Kapu wäre eine Chance. 

Kravali gibt mit seiner neuen und doch sehr langersehnten Platte einen Einblick in das aufregende Leben einer Generation X. Party, Social Life, Vergänglichkeit sind die Themen, die sich auf dem Album wieder finden.

Den Beginn macht der Song „Beginn“. Jazzig, soulig bereitet einen das Lied auf mehr als eine halbe Stunde feinsten Hip-Hop vor. Schon das erste Lied klingt sehr vielversprechend und die Beats von Abby Lee Tee laden schon beim Intro zum Tanzen ein.

Weiter geht es mit einem etwas depressiven Song „Leaving“. Der Straßenlärm als Einspieler ist schon ein Indiz, dass es sich hier um keinen Partyhit handelt. Die Textzeile „Wiederbelebungsversuch, vergeudete Fleißarbeit“ ein weiterer Indiz. Die melancholischen Texte sind aber kein Grund das Lied nicht zu mögen. Die smoothen Raps und auch der Beats erinnern etwas an die deutsche Hip-Hop-Schule des hohen Nordens. Als i-Tüpfelchen obendrauf gibt es noch englische Einspieler – Time to go. Wohl eins der stärksten Lieder auf der neuen Platte.

„Heiss“ – das Intro des Liedes erinnert an eine Schlacht in irgend einem Actionfilm, wo ein Agent auf der Jagd nach einem besonders wertvollen Stück ist -passend zum Lied. Die Jagd nach den heißesten Menschen auf einer Party – oder anders gesagt auf Aufriss gehen. Der Beat ist gerade dafür gemacht, auf der Tanzfläche alles zu geben und mit den Moves die Mädels oder Burschen zu beeindrucken. Somit auf jeden Fall tanzbar.

Für das nächste Lied holte sich Kravali Verstärkung von Abby Lee Tee und Hef. „Dreckig“, ein Lied über die Grausamkeiten und die ekeligen Dinge, die Menschen machen. Somit passt der Songtitel wie die Faust aufs Auge. Das hier Abby Lee Tee seine Finger im Spiel hatte lässt sich nicht bestreiten – der smoothe Sound führt einen durch die doch sehr garstigen Texte.

Die ersten Melodien erinnern an das Format „Geekcheste“ des Neo Magazin Royal. Mit dem Unterschied, dass der nerdige Sound hier perfekt zum Track „Social Nazi“ passt. Die schrägen Computergeräusche leiten einen Song über Facebook, virtuelle Welt und die Bessessheit nach Likes ein. Inhaltlich geht es um Menschen, die sich in die virtuelle Welt der Social Media flüchten, und die reale Welt vergessen, wo Erfolg auf den „Gefällt mir“ basiert und Facebook das neue Rauschgift ist. Kritische Auseinandersetzung mit dem doch problematischen Medienkonsum unserer Gesellschaft – gefällt mir.

Meine neue Montagshymme habe ich auch gefunden, „Grant“, mit Features von Helahoop. Inhaltlich jetzt nicht unbedingt ein Meisterwerk, aber dafür ein Lied, das so manche Montagsmood auf den Punkt bringt. „Ich bin heute grantig, leck mich am Arsch“ eine simple Aussage – und gerade in ihrer Einfachheit großartig. Live freu ich mich schon besonders drauf – ein Lied, wo man einfach mitsingen kann und auch muss.

Für Sexgeräusche gepaart mit Liftmusik bin ich wohl zu bieder – der Track „Party“ ist der einzige, der mich nicht komplett überzeugt. Die Gier nach Party, der Hangover, der nächste Morgen – der Songs lässt nichts aus, was für partybesessene Menschen wichtig ist. Zugegeben, die Hook „Party, Party zu zweit“ ist aber durchaus eingängig.

Ist es nicht jedem schon mal passierT: man quatscht ewig mit einem Typen, einem Mädel oder verbringt die Nacht gemeinsam, und bei fortgeschrittenen Abend und steigenden Alkoholpegel wird es immer schwerer, sich die Gesichter und vor allem die dazu passenden Namen zu merken. So ist es nur menschlich sich am nächsten Tag nicht mehr an den Namen zu erinnern. Endlich gibt es dafür auch ein Lied: „Vergesslichkeit“ handelt genau von diesem Phänomen. Mit 1:40 Minuten leider nur ein sehr kurzes Vergnügen.

„Weit weg“ hebt sich schon alleine durch den schnelleren Beat von dem Rest der Platte ab – würde man mich fragen, ist dies der Song, auf den ich mich schon am meisten freue, ihn live zu erleben -mit ein zwei Bierchen dazu die Hüfte zu schwingen. Weil dazu nicht zu tanzen ist fast unmöglich. Auch wenn das Lied im Grunde ja traurig ist und der Text sich um das „Verlassenwerden“ handelt.

Textlich am stärksten ist ohne Frage das Lied „Ghetto“. Hier werden alle bekannten Klischees des Ghettos genannt, von Polizei, Drogen, Dealen, Prostitution, Waffen bis hin zur Armut in den Vierteln. Aus der Sicht des verzweifelten Vaters mit hungernden Kindern zuhause erzählt Kravali mit dem Song die Geschichte eines ausweglosen Teufelskreis zwischen Armut, dem Fehlen von Perspektiven und der Sorge um die eigenen Familie.

Gemeinsam mit Remo produziert Kravali mit dem Track „Modus“ eine Hymne an das „Feiern bis zum Untergang“. Superhelden-Modus an und Party bis Sonntagmorgen. Rock’n’Roll oder so. Ein Track zum fett Party machen und abfeiern eben.

„Ich sauf weiter“ ein passender Abschlusssong für die doch sehr „partylastige“ Platte. Etwas zynisch wird die Thematik Alkoholismus bearbeitet. Lallend wird über den nächsten Drink und über das nicht heimgehen wollen gebrabbelt. Das Album und auch das Lied wird mit einem glanzvollen Speibsound beendet.

Zum Kotzen ist das Album aber dennoch nicht. Eher im Gegenteil, Kravali hat sehr lange an den Einzelheiten gefeilt und das kann man auch hören – saubere Beats und Raps. Zu so einem Meisterwerk kann man nur Gratulieren.

Klar von Hip Hop geprägt, varriert das Spektrum von Jazz und Soul bis hin zu elektronischen Einflüssen und falkoesken Partykrachern. Die Schattenseiten Kravalis bisheriger Existenz gebannt auf ein Audiosignal.

Die dunkle Seite des Mundes von Kravali

Tracks:

  1. Beginn
  2. Leaving
  3. Heiss
  4. Dreckig
  5. Social Nazi
  6. Grant
  7. Party
  8. Vergesslich
  9. Weit weg
  10. Ghetto
  11. Modus
  12. Ich sauf weiter

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