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Zum Internationalen Filmfestival in Innsbruck gehört neben einer bunten und – wie der Name ohnehin verrät – internationalen Auswahl an Filmen auch ein facettenreiches Rahmenprogramm. Darunter das alljährliche „Kino am Dach“ im Hotel Nala. Aufgrund der geringen Anzahl an verfügbaren Plätzen war das kleine Highlight am IFFI auch in diesem Jahr recht schnell ausverkauft.

Hoch über den Dächern Innsbrucks im Boutiquehotel Nala auf einer kleinen Dachterrasse versammelten sich die einigen, wenigen Glücklichen, die eine Karte für das Open-Air-Kino ergattern konnten. Schon eine halbe Stunde vor Beginn waren die besten Plätze besetzt und alle warteten gespannt auf den japanischen Film „Antiporno“. Setzte man sich dann in die hinteren Reihen, wurde nach wenigen Sekunden schon klar „Oje, da werde ich aber nicht wirklich viel vom Film sehen“. Denn leider war die Leinwand ein gutes Stück zu tief platziert, was vermutlich an den technischen Möglichkeiten auf dem Hoteldach gelegen haben mag. Daher konnte man ab der 3. Reihe nur noch sehr schwierig die Untertitel mitlesen und für alle ohne Japanisch-Kenntnisse waren diese doch sehr wichtig.

Antiporno

Das Model/Pornosternchen Kyoko langweilt sich in ihrem Apartment zu Tode und hält wirre Reden über „Huren“ während sie auf einen Redakteur wartet, der sie interviewen will. Sie ist in einem goldenen Käfig (hier nicht nur als Metapher zu verstehen, da die Wände ihres Apartments wirklich golden sind) gefangen und von ihrem Dasein und ihrem Erfolg angeödet. Um sich ein wenig die Zeit zu vertreiben, beginnt sie ein Dominanz-Spielchen mit ihrer Assistentin, das absurde Ausmaße annimmt. Doch dann schreit plötzlich der Regisseur „Cut“, da er mit der Szene nicht zufrieden ist, und man merkt, es handelt sich hier nur um das Intro eines pornografischen Films. Kyoko ist eigentlich zerbrechlich, scheinbar minderjährig, und hat in ihrem Leben schon so einiges mitgemacht. Verschiedene Themen wie der Tod der Schwester, die Sexualität der Eltern, Kyokos sexuelle Erfahrungen und die Frustration werden aufgegriffen und in einem wilden Karrusell aus Bildern behandelt. Manche Szenen werden mehrfach mit vertauschten Rollen bzw. anderem Ausgang gezeigt, dazwischen Traumsequenzen und Gedanken. Inmitten steht die Sexualität der Frau.

Ein verwirrender Strudel aus Bildern, Eindrücken und Szenen entsteht, dem man kaum entrinnen kann. Und am Ende ist man keinen Deut schlauer als am Anfang. Man weiß nicht, was Realität und was Fiktion war. Auch die Blicke in den Reihen der Zuschauer_innen nach dem Ende des Films zeigten Verwirrung und Entsetzen. Denn niemand war sich wirklich klar, was hier gerade passiert ist.

Early Works:
Regisseur: Sion Sono
Land: Japan
Sprache: Japanisch
Länge: 78 Min.
Jahr:  2016

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Musik- und Festivalliebhaberin aus Tirol, studiert gerade an der Uni Innsbruck

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