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Seit 1999 ist sie unterwegs – 20 Jahre Musik von Fiva alias Nina Sonnberg. Das ein Stops in der Hip-Hop-Hauptstadt Österreichs bei so einem Jubiläum verpflichtend ist, ist wohl klar. Mit im Gepäck hat Fiva ihr neues Album „Nina“, welches sie mit Mickey als Support im beinahe ausverkauften Posthof präsentierte. 

Hängt ein Mikro von der Decke, so kann man fast davon ausgehen, dass die Band Mickey bald die Bühne betreten wird. Auf speziellen Wunsch von Fiva begleiten die beiden Jungs sie auf ihrer Tour. Hinter dem Projekt Mickey verstecken sich jedoch keine unbekannten Akteure, Alex Konrad und Klemens Wihlidal kennt man unter anderem von der österreichischen Band Gin Ga. Mickey wurde von den beiden 2016 in einer Hütte in der Slowakei gegründet. Abgeschieden von der Zivilisation konfrontierten sich die beiden Wiener mit persönlichen zwischenmenschlichen Schwierigkeiten und psychischen Herausforderungen und verarbeiteten diese Erfahrungen in ihrem Debütalbum „Overtime“. Das Ergebnis kann sich durchaus hören und sehen lassen, Songs wie „Drive“ sind eingängig und haben großes Ohrwurmpotential. Im September erschien ihre neue Single „Future“ in Kooperation mit Beatriz Nunes. Live zeichnet sich die Band vor allem durch die immense Bühnenpräsenz von Alex aus. Ihre Musik beschreiben sie selbst als „Survival Pop“. Lässige Beats, beinahe sloganhafte Passagen, gleichzeitig bleiben die beiden aber immer authentisch und zelebrieren dabei eine gewisse Selbstironie – so hat Niko Gsöllhofer die Musik der beiden beschrieben. Ich kann dem nur zustimmen. Auch wenn das Publikum am Mittwoch damit vielleicht nicht so viel damit anfangen konnte – war es ein großartiger Auftritt.

20 Jahre Fiva heißt 20 Jahre Begeisterung für Kunst, 20 Jahre Inspiration und 20 Jahre großartige Musik. Nach einer Durststrecke von drei Jahren ist sie wieder da und es scheint als wäre sie nie weggewesen. In der Babypause hat sich so einiges in ihrem Leben verändert, Teile dieser Veränderungen spiegeln sich im neuen Album „Nina“, welches letzen Freitag erschienen ist, wieder. Dass Fiva alias Nina Sonnenberg Songs produziert, die direkt ins Herz treffen, hat sie bereits mit Songs wie „Solange du mit mir singst“ oder „Liebe ist Kunst“ bewiesen. Ein ganz spezieller Track am neuen Album ist „Jetzt bist du wieder da“, den Fiva anlässlich des Todes ihrer Mutter geschrieben hat. Live war der Song einer der Momente im Set, wo sich die Gänsehaut am ganzen Körper ausbreitet.

Aber zurück zum Anfang – nach dem Song „Nina“ folgte bereits in den ersten Minuten das erste Highlight des Abends, „Goldfisch“ und „Sowieso ich“. Grüße ginge da auch an Flip (Philipp Kroll) raus, der gemeinsam mit ihr 2009 das Album „Rotwild“ produzierte. „Auf mich“ ist ein Song über Freunde, das wackelige Leben und die Schönheit der Existenz, ist der vierte Track am neuen Album und konnte in Linz so einige Anhänger*innen finden.

Ein persönlicher Höhepunkt war für mich der Song „Solange du mit mir singst“ vom Album „Alles Leuchtet“ – mit diesem Song verbinde ich so schöne Momente. Und dass es nicht nur bei mir so ist konnte man in den Augen des vollen Posthofsaales sehen. Ähnlich war die Stimmung beim Song „Sommer lang nur tanzen“. Das Nina Sonnenberg auch spontan ihre Gedanken und Gefühle ausdrücken kann, bewies sie beim Freestylen. Ein weiterer Song vom neuen Album ,der besondere Erwähnung verdient hat, ist „Popcornmonolog“. Nicht nur ist es ein schönes Wort, sondern besitzt eine gewissen Ironie und nimmt die übertriebenen Emotionen wie etwa auf Instagram ein bisschen auf die Schaufel. Dass es kein Fiva Konzert ohne „Mein Herz tanzt Farben“ und „Das beste ist noch nicht vorbei“ geben wird, war klar.

Mutig könnte man die letzte Performance vor der Zugabe betiteln. Statt die Menschenmenge noch ein „letztes“ Mal richtig anzuheizen wurde der Text von „Drei Ausrufzeichen“ ohne viel Schnickschnak vorgetragen. Klar und direkt wurde über Angst, Krieg und Missstände gesprochen, das Publikum, das zuvor noch wild getanzt hatte, wurde mucksmäuschenstill und lauschte andächtig den Worten.

Bevor Fiva und ihre Band uns nach Hause schickten, gab es noch eine klare Ansage als Zugabe: „Die Stadt gehört wieder mir“. Ja, Linz war immer schon Fan von Fiva und auch nach drei Jahren Pause gehört die Stahlstadt wohl immer noch der Münchnerin. Wer Songs wie „Frühling“ und „Dein Lächeln verdreht Köpfe“ so authentisch und mit so einer Überzeugung präsentiert, hat unserer Meinung die gesamte Begeisterung im Publikum ehrlich verdient. Danke, Fiva, für 20 Jahre großartige Musik.

Foto: Christoph Thorwarlt, Lisa Leeb

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