Rivers & Tides: Sincere Uncertainty

Rivers & Tides haben am 28. Februar ihr Debütalbum über Midsummer Records veröffentlicht. Die Regensburger Band spielt auf „Sincere Uncertainty“ mit Elementen von Emo, Grunge und Shoegaze und verpasst dem zuvor über einige EPs hinweg entwickeltem Sound nun den Diamantschliff.

Am 11. März waren Rivers & Tides für ein Konzert in Linz zu Gast. Nach der Show plauderten wir zu diesem Anlass ein bisschen über die neue Platte. Knapp drei Jahre hat die Band daran gearbeitet – von der ersten Songidee bis hin zum fertigen Gatefold. Dazwischen veröffentlichte man 2018 die 2-Song-EP „The Inbetween“. So wie diese wurde auch „Sincere Uncertainty“ von Kumpel Jan Bärenfänger in den bandeigenen Räumlichkeiten aufgenommen und gemixt. Man kennt und vertraut sich. Das Ergebnis der erneuten Zusammenarbeit klingt sicher auch aus diesem Grund so ausgewogen. Nicht überproduziert, mit den nötigen Ecken und Kanten und einer erhabenen Melancholie ausgestattet.

Mit dem geradlinig dahinrockendem Refrain von „Balance“ geht es aus den Startlöchern. Jahrelange Arbeit und Routine manifestieren sich im Sound einer Band die entschlossen und reif klingt, reif für das erste Album. Die Vorab-Single „Forever“ darf mit ihren schönen Gitarrenläufen die langsamere, melancholische Seite der Band zur Schau stellen. Wie so oft in diesem Genre sind es hauptsächlich einige US-Bands, die als Inspirationsquellen Pate stehen dürfen. Von Basement und Pianos Become The Teeth bis Jimmy Eat World, um nur einige zu nennen. Rivers & Tides bedienen sich ringsum in diesem Alternative-Mikrokosmos aus Emo, Shoegaze und Indie Rock. Die Band wechselt sich oft mit zurückgenommenen Strophen und lauten Refrains wie in „Special Retreat“ und „Comfort“ ab. Mitten in der Tracklist findet sich mit der zum Ende hin immer epischer werdenen Ballade „Progress“ das meiner Meinung nach stärkste Stück der Platte. Das Instumental „Gravity“ und das darauffolgende „Crush“ fallen dann etwas ab, die Platte im letzten Drittel noch mal ein paar Highlights hervorbringt. Die Formel der Band bleibt zwar durchgehend ähnlich, liefert aber mit „Getting Better Takes Forever“ und dem abschließenden „Yours To Keep“ zwei rau klingende Emo-Perlen erster Güte.

Rivers & Tides haben es mit „Sincere Uncertainty“ endlich geschafft ihren Sound auf einen Langspieler zu bannen und diese Aufgabe hervorragend gemeistert. Man hört die obligatorischen Szene-Ikonen, aber (viel wichtiger) auch die bandeigenen Trademarks heraus. Das Songwriting folgt oft ähnlichen Schablonen, fällt aber qualitativ nie ab und vereint genug Genre-Diversität, um auch mit 12 Songs Länge abwechslungsreich zu bleiben. Die liebevolle Gestaltung der Platte, inklusive einem eigenen Zine, welches Texte, detaillierte Beschreibungen zu den Songs und Fotos von den Aufnahmearbeiten beinhaltet, muss zudem extra lobend erwähnt werden – DIY pur! „Sincere Uncertainty“ – sei euch als perfekter musikalischer Begleiter für die Frühlingsquarantäne ans Herz gelegt.

 

TRACKLIST
01. Balance
02. Second Skin
03. Forever
04. Special Retreat
05. Progress
06. Comfort
07. Gravity
08. Crush
09. Displace
10. Getting Better Takes Forever
11. Wash It Away
12. Yours To Keep

VÖ: 28.02.2020 via Midsummer Records
Download // Stream // Vinyl

 

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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