Die Zeiten werden härter

Die Zeiten werden härter

 

Die Spinnerei Traun ist weit über die Grenzen der ober- österreichischen Kleinstadt hinweg bekannt für ihren alternativen Zugang zu Musik und Kultur. Seit Ende 2009 hat Andreas Nutz die Zügel in der Hand und macht sein Hobby zum Beruf – als Booker sorgt er für den musikalischen Schlagabtausch. Ein Interview mit dem Mann, der die Spinnerei seit ihren Anfängen 1996 mitgestaltete.subtext.at: Man kennt dich als Booker der Spinnerei Traun. Was genau ist deine Aufgabe?
Andreas Nutz: Meine Berufsbezeichnung ist „Projektleiter Musik“. Das heißt, ich organisiere das Musikprogramm der Spinnerei in Traun und dem Fr.i.Z. (Freitag im Zentrum), das sind acht Abende im Sommer am Hauptplatz in Traun. Außerdem bin ich Projektleiter vom Stadtfest in Traun, das ist heuer am 3. Juli. Ich habe im Endeffekt die Aufgabe, von der Idee des Konzerts über die Buchung der Bands bis zur Organisation der Zimmer alles in die Wege zu leiten. Ich begleite das Projekt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist in gewisser Weise sicher ein Traumjob, weil ich das tue, was mir am meisten Spaß macht.

subtext.at: Du bist für die Künstler da?
Andreas Nutz: Ich bin im Grunde der einzige oder zumindest der Hauptansprechpartner für die Künstler. Das ist der Luxus in der Spinnerei und in der Vest (GmbH, welche die Spinnerei betreibt, Anm. d. R.), dass ich von Anfang an die Ansprechperson für den Künstler bin. Das ist der große Unterschied zu größeren Häusern, in denen einer bucht und dann gibt es vielleicht noch einen Abendspielleiter. Hier ist immer alles in einer Person. Ich behaupte einfach, dass die Spinnerei einen Tick persönlicher und das Ambiente freundlicher ist, als bei vielen anderen Auftrittslocations. Ich habe lange genug in Bands gespielt, dass ich weiß, wie es in anderen Lokalitäten aussieht – und da ist das hier einfach ein sehr angenehmer Platz. Super Bühne, super Anlage, …

subtext.at: …und teilweise auch dein persönliches Equipment.
Andreas Nutz: (lacht) Ja, wir haben jetzt eine wirklich sehr gute Hausanlage und sehr gute Möglichkeiten. Mit dem, was wir an PA-Anlage (PublicAddress-Anlage = Beschallungsanlage, Anmk. d. R.) haben, können wir alle Sachen, die wir selber buchen, inklusive Fr.i.Z. und Stadtfest, selbst beschallen. Wir brauchen also nichts auszuleihen, was sich natürlich auch positiv auf die Kosten auswirkt, zumal Zumietungen sehr teuer sind. Die Zeiten werden härter. Man muss mehr aus einem Euro machen als früher.

subtext.at: Inwieweit hast du freie Hand über die Bands, die du buchst?
Andreas Nutz: Vollkommen frei. Und es gibt Sachen, die ich sowieso nicht tue.

subtext.at: Zum Beispiel?

Andreas Nutz: Sachen, die man eigentlich in jedem Bierzelt oder wo auch immer machen kann. Ein Kulturhaus hat immer einen Auftrag. Das heißt, bei mir gibt’s handgemachte Musik und ich versuche, dass ich verschiedenste Geschmäcker bediene. Es gibt bei mir Metal, Blues, Folk-Rock – sogar sehr guten Anfang Mai – und auch österreichische Künstler. Ich gebe lokalen Bands immer Möglichkeiten, sich im Rahmen von Support zu präsentieren. Wir haben Hoamsuachn mit Attwenger, die Unfassbaren und Dalenz am 5. März. Drei Bands mit völlig unterschiedlicher Herangehensweise an Mundartmusik. Ich sehe das schon als meinen Auftrag, dass man sich sehr wohl um junge Künstler bemüht, solange sie Qualität haben. Das, gepaart mit internationalen Acts wie Agnostic Front am 7. April, soll das nötige Bewusstsein schaffen, damit mehr Publikum wieder automatisch schaut, was sich in der Spinnerei tut.

subtext.at: Die wildesten Geschichten die du mit Künstlern erlebt hast?
Andreas Nutz: Es gibt eher mehr denkwürdige Momente. Mit Adam Duce von Machine Head war ich 1996 bei der Post in Traun eine Telefonwertkarte kaufen, was recht lustig war. Das Bild wie Robb Flynn, Sänger der Band, beim Trauner Bauernmarkt auf der Bank eine Falsche Wodka gekippt hat und die „Mütterchen“ vorbei gegangen sind und total verdutzt geschaut haben, werde ich nie vergessen (lacht). Der Alkbottle-Sänger, Roman Gregory, hat eine Zahn bei uns verloren, als ihn ein Zuschauer mit einem Schuh beschossen hat. Rainhard Fendrich war extrem sympathisch, ganz das Gegenteil von seinem Ruf. Ebenso Josef Hader, der der unkomplizierteste und sympathischste Mensch auf Erden war.1998 zum Beispiel haben Stuck Mojo gespielt und die Bühnenelemente sind teilweise 20cm auseinander gestanden, weil die Band so dermaßen gerockt hat – mittlerweile haben wir Verschraubungen an den Elementen (lacht). Mit Rich Ward, dem Gitarristen der Band Stuck Mojo, verbindet mich seit über 12 Jahren eine super Freundschaft. Ich war sogar auf Tour mit einer anderen Band von ihm in Deutschland. Das ist für mich einer der besten Gitarristen überhaupt. Von ihm habe ich sehr viel gelernt. Sogar Fred Durst war bei allen Shows im Norden von Florida dabei und ist der totale „Die Hard“-Fan.

subtext.at: Rich Ward ist in unseren Breiten aber relativ unbekannt…
Andreas Nutz: In Amerika hat er schon einen großen Namen. Bei den Szenekennern ist er eine Legende. Einer seiner besten Freunde ist Zakk Wylde, Ozzy Osbourne´s ehemaliger Gitarrist und Sänger sowie Gitarrist der Band Black Label Society. Früher war er auch mit Dimebag Darrell, mittlerweile verstorbener Gitarrist der Band Pantera, sehr gut befreundet. Mit Stuck Mojo habe wir bei uns im Proberaum eine Jam-Session gemacht. Das sind sehr schöne Erlebnisse und viele Geschichten sind auch abseits der Legalität (lacht). Die Spinnerei wurde von vielen Menschen geprägt.

subtext.at: Du spielst mit „Stereoslap“ ebenfalls in einer Band. Was gibt es von dieser momentan zu hören?
Andreas Nutz: (zögert) Es ist jetzt ziemlich schwierig, weil ich es ehrlicherweise selbst nicht weiß. Aus verschieden Gründen sind Musiker ausgestiegen oder ich habe sie eliminiert. Wir sind momentan zu dritt und eigentlich in einer Neugründung. Wir wissen noch nicht, wo die Reise musikalisch hingeht. Es ist sicher mehr Metal als je zuvor, aber wir befinden uns immer noch in der Stilfindungsphase. Wir haben aber überhaupt keinen Stress. Ich habe schon so viel durchschnittliche Musik gehört und auch selber gemacht. Jetzt bin ich an einem Punkt, wo ich nur mehr sehr gute Musik machen will oder ich lasse es einfach bleiben. Deshalb ich es derzeit sehr ruhig um die Band. Ich möchte den perfekten Sound für mich finden und ich nehme mir jetzt einfach die Zeit dafür. Dadurch, dass es im Grunde meine Band ist, weil ich singe, Gitarre spiele und komponiere, trägt sie einfach eine sehr große Handschrift von mir. Ich nehme mir Zeit für meine Stimme, Zeit für meine Kompositionen. Ich mache, soweit das im Leben möglich ist, nur das, wozu ich Lust habe.

subtext.at: Ein Abschlusswort?
Andreas Nutz: Leute, kommt in die Spinnerei!

subtext.at: Etwas persönlicheres?
Andreas Nutz: Das ist sehr persönlich! Das Programm ist das Persönlichste, was ich bieten kann. Eines meiner Highlights ist am 20. März, Irmie Vesselsky, eine Sängerin die eine Platte herausgebracht hat, die laut renommierten Fachzeitschriften die beste Tori Amos Scheibe überhaupt ist – nur halt ohne Tori Amos (lacht). Am 30. Mai kommt aus Nashville eine ganz tolle Sängerin bzw. Songwriterin, Kelly Zullo. Grantig werden kommen. Ein weiteres Highlight sind In Slumber, eine Band aus Linz, die eine der besten Deathmetal-Platten den Jahren herausgebracht und dafür wirklich sehr gute Kritiken vom Magazin Rockhard bekommen hat. Die Oysterband, eine tolle Folk-Rock-Band, spielen am 7. Mai. Das Sommer- Highlight am Fr.i.Z. wird Bruendlinger vs. Hendrix, zum 40. Todestag von Hendrix. Wir haben viel zu bieten!

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