Shout Out Louds: „Man muss auch zurückblicken, um vorwärts zu kommen“

Shout Out Louds: „Man muss auch zurückblicken, um vorwärts zu kommen“

Skandinavien hat auch anderes zu bieten als Metalbands. Vertreter der Indie-Fraktion sind die Shout out Louds, die wieder mal auf Europa-Tour sind. subtext.at hat Bassist Ted Malmros zum Interview über die zugehörigen Bassistenwitze, nervige Reviews und die schwedische Donald-Duck-Version getroffen.

subtext.at: Bassisten stehen immer wieder unter Verdacht, als Opfer für die Witze anderer herhalten zu müssen. Siehst du das bei den Shout Out Louds genauso?
Ted: Ja, solche Erfahrungen hab ich oft machen müssen (lacht). Generell ist es aber so, dass ich dabei nicht das einzige Opfer bin – wir kommen ganz gut miteinander aus, trotzdem.

subtext.at: Und wie hast du es dann geschafft, dass du das bislang ohne größere Schäden überstanden hast?
Ted: Noch geht’s, ehrlich gesagt. Dadurch, dass ich nicht nur einstecke, sondern auch austeile, hält sich das dann die Waage (lacht).

subtext.at: In einem älteren Interview habt ihr mal gesagt, dass ihr Reviews mittlerweile nicht mehr ernst nehmt. Wieso?
Ted: Naja, ganz so ist es nicht. Man dann auch immer Sachen, die man sich so nie vorgestellt hat, als man das Album gemacht hat.

subtext.at: Journalisten müssen auch bei jeder neuen Platte etwas „Neues“ finden. Können gute Aspekte eines Albums nicht einfach beibehalten werden?
Ted: Natürlich, die müssen ja auch beibehalten werden. Um die Musik, die du machst, weiterzubringen, musst du auch zurückblicken auf das, was du vorher gemacht hast. Ich glaube aber auch, dass es ok ist, wenn du immer nur Musik machst, die „gut“ ist, also funktioniert hat. Für mich geht’s da eher um das Gefühl, das ein Song auslöst. Das kann auf verschiedenste Weise geschehen – und es ist auch meine Hauptmotivation, die Leute damit zu berühren.

subtext.at: Warum müssen Journalisten dann immer etwas „Neues“ finden?
Ted: Keine Ahnung – ich lese nur wenige unserer Reviews, und noch viel weniger Reviews von Platten anderer Bands. Journalisten suchen immer nach diesen lustigen kleinen Dingen in einem Album, das ist ja fast schon idiotisch, ehrlich gesagt. Ich finde Reviews auf der einen Seite also ganz lustig, auf der anderen Seite jedoch gleichzeitig auch ziemlich dumm.

subtext.at: Ein paar Reviews von Shout Out Louds-Platten hast du aber sicher gelesen – fällt dir ein Satz ein, der dir in Erinnerung geblieben ist, weil er so falsch war?
Ted: Kein einzelner Satz, nein. Ich mach nur immer die gleiche Erfahrung – ich schlage die Zeitung oder das Magazin auf, lese die Review, und denke mir, dass ich das gleiche schon mindestens zehn Mal gelesen habe. Die sind alle gleich – und man erfährt dabei nichts Neues über die Band an sich.

subtext.at: Im Schaffungsprozess eines Albums – gibt es dabei etwas, das dir in dieser Zeit auch auf die Nerven geht?
Ted: Naja, generell gibt es schlimmere Jobs, als Musiker zu sein, auf Tour zu gehen und dabei mit seinen Freunden rumzuhängen. Natürlich gibt es aber Sachen, die dann auch weniger Spaß machen. Die Promo-Touren zum Beispiel, bevor man ein neues Album rausbringt, können sich ziehen. Man läuft da von einer Radiostation zur nächsten und von einem Interview zum anderen. Das kann dann schon mal nerven.

subtext.at: Dein absolut beschissenstes Konzert bislang?
Ted: Von unseren? Da kann ich jetzt böse zu den anderen sein (lacht). Die letzte US-Tour im Mai 2010, wo ich nicht dabei war, weil ich Vater geworden bin. Ich hab gehört, dass die ganze Truppe – außer Carl natürlich, der trinkt ja nie was – in Minneapolis sturzbetrunken war. Der Soundverantwortliche hat dann dummerweise vergessen, die Settings vom Soundcheck auch abzuspeichern. Zusammen mit dem Alkoholspiegel war das dann halt einfach nur scheiße. Das war die schlimmste Show ever – ich war also nicht dabei, also bin ich da ja noch fein raus (lacht).

subtext.at: Wenn du schon Alkohol ansprichst – Bier, Wein oder Wasser on stage?
Ted: Ich würd ja sagen Bier. Zu viel davon ist dann aber auch nicht gut, wenn du dann auf der Bühne herumwankst. In unserer Band würd ich ja Campari bevorzugen. Vor der Show aber höchstens Bier.

subtext.at: Du hast gesagt, dass ihr zur Zeit in der Band ganz gut miteinander auskommt. Wie habt ihr es bislang geschafft, euch nicht gegenseitig aufzureiben?
Ted: Wahrscheinlich durch Explosionen, die es ab und zu gibt. Wir schaffens aber, dass keiner dem anderen längere Zeit böse sein kann. Dann setzt man sich zusammen, trinkt ein Bier miteinander und es ist dann wieder gut – zumindest für einige Zeit (lacht).

subtext.at: Was wären deine letzten Worte, bevor sich die Shout out Louds trennen?
Ted: Ich hoffe ja nicht, dass es soweit kommt. Vielleicht machen wirs einfach mal so, dass wir uns mehr Zeit zwischen Touren und Album produzieren lassen. Wir haben aber schon mal daran gearbeitet, was unsere letzten Worte wären, bevor wir sterben. So wie in den Cartoons.

subtext.at: Was wären deine?
Ted: Meine wären „Goodbye, cruel world“.

subtext.at: Warum gerade die?
Ted: Warum? Weil der schwedische Donald Duck das auch sagt (lacht).

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Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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