Wettkampf im Theater: „N20“ vs. „TON“

Wettkampf im Theater: „N20“ vs. „TON“

Unkonventionelles Theater wird derzeit im Rahmen der Landesmeisterschaft der Amateurimprovisationsgruppen in Linz dargeboten. Am 8. Februar 2013 traten N20 (Lachgas) aus Attnang- Puchheim sowie TON (Theater ohne Netz) aus Altenberg im Kulturzentrum Hof an.

Der hierfür verwendete (lizenzierte) Begriff „Theatersport“ wurde von Keith Johnstone geprägt und bezeichnet eine bestimmte Form des Improvisationstheaters. In dieser spielen zwei Teams gegeneinander um die Gunst von SchiedsrichterInnen und/oder Publikum, das kann sowohl eine gemeinsame Darstellung als auch die getrennte Darstellung von Szenen bedeuten. Pro Spielart werden Punkte vergeben. Im Fall dieser Veranstaltung waren das drei durch ExpertInnen und einer durch das Publikum. Abstimmen konnte Jede(r), der/die wollte, anhand vom Hochstrecken färbiger Kärtchen. Einzelnen Schauspielenden konnten für besonders gute Leistungen Rosen zugeworfen werden.

Der Anfang der Veranstaltung gestaltete sich mit Klavierspiel und Aufwärmübungen für das Publikum als etwas langatmig. Humor durch das Herausfinden, welcher Gast welchem Tier ähnle oder eine Abstimmung zwischen Pizza und Schnitzel, zu erzeugen, ist in meinen Augen plump und einfallslos. Die Zusehenden wurden später aber auch durch die Nennung von Szenentiteln, Musikgenres, Orten, Gegenständen oder Berufen in das Geschehen eingebaut. Herausgekommen sind ein ExpertInneninterview, in welchem zusätzlich zur Lautsprache noch in Gebärdensprache über das Paarungsverhalten von Sandwürmern berichtet wird, eine Szene mit Model, Bauer und Ja-Natürlich- Schweinchen am Bauernhof, ein Probe liegen im Sarg beim Bestattungsinstitut, eine Führung mit Verirrter im Kernkraftwerk, zwei Männer, die um eine einsame Wurst werben, die Arbeit in einer Konservenfabrik, welche Besuch von der Lebensmittelpolizei erhält oder ein Mord aufgrund von Nasenbohren mit anschließender Beseitigung der Leichenteile in einer Dose.

Beide Gruppen wurden durch 4 Mitglieder repräsentiert, welche nicht alle zugleich in das Spiel involviert waren. Die eingesetzten Formen waren beispielsweise, dass ein Kollege/eine Kollegin das sprach, was ein(e) andere(r) zeigte oder dass intern Hintergründe einer Tat ausgemacht wurden, die ein(e) SchauspielerIn, welche(r) zuvor hinausgeschickt wurde, anhand von pantomimischen Hinweisen erraten musste. Des Weiteren waren die Erfindung und Bewältigung der Oper „Einsam am Würstlstand“ oder das Einbauen von genannten Anfangs-und Schlusssätzen gefragt. Die Schauspielenden hatten selbst wiederum die Möglichkeit, die Szenen im Geschehen selbst dann zeitlich und örtlich zu verlegen.

Negative Kritik gab es von den Mitgliedern der Jury dafür, dass keine Gruppe eine vorgegebene bedeutsame Pause gut eingehalten hätte oder manche besser miteinander gespielt hätten als andere. Pluspunkte gab es von diesen- worin ich mich anschließen würde- speziell für gesanglichen Einsatz und Körpersprache. TON positionierte sich zwar gleich durch das anfängliche Experteninterview über die Sandwürmer in Führung, musste sich aber- anfangs knapp, später eindeutiger- schlussendlich gegenüber N20 geschlagen geben.

Der Inhalt hatte Seitenhiebe auf die Gesellschaft zu bieten, hergehalten haben dabei die Wertlegung auf Äußerlichkeiten inklusive Magerwahn und Schönheitsindustrie, das Geschäft mit dem Tod, Königshäuser oder Heuchelei, etwa wenn der verirrten Besucherin des Kernkraftwerkes, die im Krankenhaus landet, Gutscheine für weitere Besuche vom Leiter überreicht werden. Aktuelle Geschehnisse und Politisches fanden dabei weniger Eingang.

Begleitet wurden N20 und TON von sich der Situation einfügender Klaviermusik. Abgerundet wurde mit einer Zugabe, in der die wesentlichen Rollen noch einmal unter neuen Bedingungen, auftraten.

Toll ist, dass die unterschiedlichsten Altersgruppen sowohl vor als auch auf der Bühne vertreten waren und Improvisationstheater genauso Publikum anzieht, das anders nicht ins Theater gehen würde. Weniger toll ist, dass Theatersport nicht ausschließlich für komödienhafte Varianten gedacht wäre, aber diese Art doch sehr im Vordergrund steht.

Die Landesmeisterschaften gehen am Freitag, den 15. Februar, mit Überraschungseier und Humorvorsorge in die nächste Runde. Beginn ist um 20 Uhr im Kulturzentrum Hof, eine Karte kostet 7 Euro. Das Finale findet am 1.3. im Eisenhandtheater statt.

Weiterführender Link: www.kulturzentrum-hof.at

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Katharina ist Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen (z.B. frauenpolitischen) und kulturellen (z.B. Film, Theater, Literatur) Themen. Zum Ausgleich schreibt sie in ihrer Freizeit gerne literarische Texte: https://wortfetzereien.wordpress.com/

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