Ahoi! Pop ’13 – Tag 02: Badly Drunk Boy?

Ahoi! Pop ’13 – Tag 02: Badly Drunk Boy?

Setzt die Segel! Das Ahoi!Pop-Festival im Linzer Posthof ging am Donnerstagabend in die zweite Runde. Mighty Oaks, Ghostpoet, Scott Matthew und Badly Drawn Boy standen als Lineup bereit. Wobei „standen“ im Fall von Badly Drawn Boy fast schon eine Übertreibung war.

Der Abend begann mit den in hiesigen Gefilden noch relativ unbekannten Mighty Oaks. Die amerikanisch-deutsch-italienisch-englische Koproduktion überraschte jedoch. Im positiven Sinne. Stilistisch in der Nähe von Of Monsters and Men gemischt mit Dry the River einzordnen, überzeugte das Quartett mit Publikumsnähe und Sympathie. Ein Opener, wie er noch nicht oft im Linzer Posthof zu sehen war, und der sich definitiv eine größere Fanbase verdient hat!

Ein Act, der diese Fanbase bereits hat, ist Ghostpoet. Der Brite spielte, um es durch die Blume auszudrücken, ein routiniertes Set ab. Der Funke jedoch wollte nicht so ganz auf das im Vergleich zum Eröffnungsabend um einiges zahlreichere Publikum überspringen. Schade – denn die eingängigen Songs, die entfernt trotzdem an Bloc-Party-Remixes erinnern, hätten durchaus Tanzpotenzial gehabt.

Apropos Tanzpotenzial. „I wanna dance with somebody“ ist normalerweise nicht das, was man gemeinhin mit Scott Matthew assoziiert. Mit seiner neuen (Cover-)Platte „Unlearned“ auch nicht. Mit Whitney Houston sowieso nicht. Trotzdem schaffte es der überaus gut gelaunte Scott, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Unverwechselbare Stimme, und eine fast schon gespenstische Stille im Saal, und Fans, die förmlich an den Lippen des Songwriters klebten. Definitiv das Highlight des Abends, der nur ein Problem hatte – es sollte noch ein Act folgen.

Der offizielle „Headliner“ des Abends sollte nämlich noch kommen. Badly Drawn Boy. Oder, wie in der Headline geschrieben, Badly Drunk Boy. Der Musiker war jedenfalls nicht nur, wie eigentlich vereinbart, zur Pop-Diskussion vor dem Konzert ferngeblieben, sondern war, salopp ausgedrückt, „zua wia a Heisltschick“. Sätze wie „I think I upset a bunch of people in Linz, but I don’t care“ tragen halt nicht unbedingt zur Sympathiegewinnung bei. So wankte er fast schon über die Bühne, spielte ein Stunden-Pflicht-Set ab, und flüchtete danach. Gut, dass es auf der Bühne keine Promillegrenze gibt – der musikalische Führerschein wäre ihm entzogen worden. So offenbarte er doch nur das Image eines Pop-„Stars“, der sich ob seines Verhaltens selbst demontierte.

Fotos: Christoph Thorwartl, Ella Kronberger, earlier.at
Text: Christoph Thorwartl





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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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