Milow: „Silver Linings“

Milow: „Silver Linings“

„The same procedure as every year“ – was im Silvester-Kult „Dinner for One“ in die Geschichte einging, könnte man genauso gut auf Milow-Alben umlegen. „The same procedure as every record“ – so könnte man die neueste Platte des Belgiers Johathan Vandenbroeck beschreiben. Oder: wo Milow draufsteht, ist Milow drinnen!

„Silver Linings“ nennt sich die neue Platte, mit der Milow nach „North and South“ an vergangene Erfolge anknüpfen möchte. Die Vorgehensweise ist wieder etwas anders geworden: gab Milow sich in „North and South“ betont lockerer – was vor allem in der Singlei-Hit-Auskopplung „Ayo Technology“ deutlich wurde, ist „Silver Linings“ eher wieder in Milows ursprünglichen Gefilden angesiedelt.

Wirkten frühere Werke noch überproduziert, geht „Silver Linings“ gleich bei Song eins in die angesprochene, melancholischere (und damit eher dem Zeitgeist entsprechende?) Richtung. „Learning how to disappear“ kommt im Vergleich zu anderen Milow-Songs fast schon reduziert daher. Danach folgt mit „Echoes in the Dark“ samt dem Feature mit der Seattler Sängerin Courtney Marie Andrews auch schon das Highlight der Platte. Hier als Duettpartnerin mit Milow, überzeugt sie durch die eingängige Stimme. Tracks wie „Mustaken“ und „We must be Crazy“ fügen sich nahtlos in die Struktur ein, die schon am Anfang eingeleitet wurde.

„Blue Skies“ zeigt danach einmal mehr Milows Singer/Songwriter-Fähigkeiten – mit Akustikgitarre und Mundharmonika bewaffnet singt er sich durch diese astreine Pop-Nummer. „Against the Tide“ bedient dann all jene, die auch mal ihre Meinung sagen wollen, während „Wind me Up“ den Herzschmerz musikalisch verbrät. Nichts unbedingt Neues, aber auch nichts unbedingt Schlechtes. „You’re still alive in my head“: der Name ist Programm – ein etwas „dunkleres Stück“ Musik, und angesichts der vergangenen Milow-Platten fast schon überraschend.  Zum Abschluss bringt „The Golden Hour“ nochmals etwas Tempo ins Spiel ,bevor Milow mit „My Mother’s House“ den Hörer entlässt.

Milow hat sich mit „Silver Linings“ definintiv nicht neu erfunden. Muss er auch nicht. Ein guter Singer/Songwriter war er ja immer schon. Mehr wird er auf dieser Platte auch nicht sein. Wer sich an etwas glattgebügeltem Pop mit soliden technischen Grundlagen einlassen kann, macht hier nichts falsch. Experimentierfreudigkeit sieht jedoch anders aus.

Links und Webtipps:

Artikel teilen
geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen