TURBOBIER: Irokesentango

TURBOBIER: Irokesentango

Nachdem sie mit ihren ersten Videos im letzten Jahr schon zu so etwas wie DEN österreichischen Youtube-Stars aufgestiegen sind, hat das bierselige Wiener Punk-Quartett Mitte Juni endlich ihr heiß erwartetes Debütalbum auf den Markt geworfen. Irokesentango hat aber nicht nur das Potenzial zum Soundtrack für durchzechte Nächte und den Morgen danach zu werden.

Man darf ja von Helene Fischer halten was man will, aber immerhin dürfte ihre Plattenfirma Sinn für Humor haben, sodass der Satire-Hit „Arbeitslos“ auch auf dem Erstlingswerk der Bierpartei-Gründer erscheinen durfte. Der rasante Aufstieg von Turbobier (in kürzester Zeit vom Geheimtipp auf die großen Festivalbühnen) ist schnell erklärt. Ironie, Politikverdrossenheit, Fußball und vor allem Alkohol haben nun mal ihren angestammten Platz im Herzen der ÖsterreicherInnen. Umso verwunderlicher eigentlich dass sich nicht schon viel früher eine Band in die gesamte Bandbreite dieser Klischees gestürzt hat. Aber so treffsicher wie Dr. Marco Pogo und seine Hawara Doci Doppler, Fredi Füzpappn und Baz Promüü einen Schuss nacheinander auf unsere Lachmuskeln abfeuern, könnte ihnen auf diesem Gebiet momentan wohl sowieso niemand das Wasser reichen.

Die Songs erinnern allesamt stark an den Punk der 90er und frühen 2000er Jahre. Einfach gestrickte Strukturen, kontinuierlich hoher Energielevel und ganz viel Mitgrölpotenzial. In den 12 Songs grantelt und sudert man sich in feinstem Wiener Dialekt (passend dazu die Mundl Einspielungen) durch ein abwechslungsreiches Themenspektrum. Polizisten und Schaffner („O.K.S.O.“, „Kiwara geh scheiß’n“ bzw. „Blaue Kappe, Grüne Kappe“) bekommen ordentlich ihr Fett weg, der gelobte Gerstensaft und seine Wirkung wird mit großer Leidenschaft besungen („Floschnpfand“, „Kontrollverlust“). Dann gibt es noch Hymnen auf den Fußball („Fuaßboiplotz“) und die berüchtigte Wiener Grantler-Mentalität („Pech“, „I hoss olle Leit“). Zum Helene Fischer Cover gesellt sich noch der Anti-AMS Kracher „Notstandshüfe“ und „Die Bierpartei“ sorgt dafür dass im Land endlich ein frischer Wind weht. Einzig „Hand in Hand“ reiht sich überhaupt nicht ins Gesamtkonzept ein. So ist der Song an sich zwar stark, verschluckt sich aber textlich eher am Pathos als am Bier.

Ansonsten suhlen sich Turbobier gekonnt im Proletentum und lassen dabei kein Auge (und keine Kehle) trocken bleiben. So plump und überzeichnet manche Phrasen auf den ersten Blick vielleicht auf einige wirken mögen, desto mehr Wahrheit verbirgt sich dahinter. Turbobier sind so etwas wie das ironische Spiegelbild des durchschnittlichen Fußballproleten und Nova Rock Besuchers. Also genau jene die bei den Konzerten allesamt lautstark mitsingen werden. Auch das macht Turbobier so unfassbar genial und lustig.
Dicht in die Zukunft – wählt BPÖ!

 

irokesentango

Tracklist:
01. Fuaßboiplotz
02. Die Bierpartei
03. Hand in Hand
04. Pech
05. O.K.S.O.
06. Floschnpfand
07. I hoss olle Leit
08. Blaue Kappe, Grüne Kappe
09. Kontrollverlust
10. Notstandshüfe
11. Kiwara, gehen scheiß’n!
12. Arbeitslos

Irokesentango, VÖ: 12.06.2015 (via Warner Music)

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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