Sarah & Julian: „Wir wissen genau was wir wollen!“

Sarah & Julian: „Wir wissen genau was wir wollen!“

Gut Ding braucht Weile. Eines der letzten Interviews vom Ahoi!Pop. Das reizende Geschwisterpaar Julian und Sarah erzählte uns nach einem In-Store-Gig im Linzer Genuine, wie es so ist, mit Tocotronic aut Tour zu sein , wie sie den Draht zur Musik gefunden haben, und was sie in den nächsten Montaten so planen.


subtext.at: Zum Einstieg, wie geht’s euch? Wie war es für euch, in einem Store zu spielen? War es das erste Mal?
Julian:
Gut. Wir haben uns gefreut, dass so viele Leute da waren und so gut zugehört haben. Ich hatte das Gefühl, dass die Atmosphäre sehr schön war in dem Store.
Sarah: Ja vor allem deswegen weil die letzten Auftritte die wir als Vorband mit Tocotronic hatten,  zwar in viel größeren Hallen waren, aber da ist die Aufmerksamkeit bei der Vorband meistens nur mäßig. Das ist bei Wohnzimmerkonzerten oder Storegigs anderes. Wir hatten schon viele solche Wohnzimmerkonzerte und es ist immer sehr angenehm, wenn die Leute da so zuhören.

subtext.at: Apropos live. Touren ist wohl das Wort, das man auf eurer Facebook-Page am meisten liest. Wie ist es so für euch unterwegs zu sein?
Sarah:
Es ist erstaunlich angenehm. Man ist jeden Tag wo anders, man weiß oft nicht wohin man am nächsten Tag fahren soll. Mit den Jungs von Tocotronic verstehen wir uns total super. Die Atmosphäre ist sehr familiär, deswegen fühlt man sich ein Stück weit wie Zuhause.
Julian: Es ist definitiv anstrengend, aber dadurch, dass die Rahmenbedingungen so gut sind, merkt man das nicht wirklich. Und es ist sehr aufregend, weil wer weiß schon, wenn wir das nächste mal zweimal hintereinander die Chance haben, in der Columbiahalle zu spielen. Das ist schon ziemlich cool. Daher ist es auch, wenn es teilweise anstrengend ist, so, dass sich das mit dem Positiven leicht wieder aufwiegen lässt.
Sarah: Wir sind sehr dankbar, dass wir das machen dürfen.

subtext.at: Bzw. explizit mit Tocotronic?
Julian:
Ja, die waren vom Anfang an nett zu uns und wir hängen mit denen ganz normal ab. Da gibt es keine Hierarchien bezüglich Hauptband und Vorband, wir sind mehr so eine kleine Familie. Und das gefällt uns.

subtext.at: Wie seid ihr dazu gekommen mit den Jungs von Tocotronic zu touren?
Sarah
: Das ist über unsere Bookingagentur gegangen, die wussten, dass sie noch jemanden für die Tour brauchten. Wir erfüllten ihre Voraussetzungen, wie unter anderem „Englischsprachig“ und „wenig Equipment“. Sie haben sich dann für uns entschieden.

subtext.at: Weil du es gerade angesprochen hast. Ich frage viele deutschsprachige Bands, warum sie auf Deutsch singen, jetzt dreh ich die Frage mal um – warum singt ihr auf Englisch?
Julian:
Also wir haben uns die Frage so nie gestellt. Wir haben beide irgendwann angefangen Songs zu schreiben, und die waren einfach auf Englisch. Das ist für uns natürlicher, dadurch, dass wir als Kinder ausschließlich englische Musik gehört haben. Die uns unser Vater gezeigt hat, der Amerikaner ist. Die Frage hat sich uns also nie gestellt, es war nie so, dass wir darüber nachgedacht hätten.
Sarah: Songs auf Deutsch zu schreiben und zu singen fühlt sich für uns weniger natürlich an als auf Englisch.

subtext.at: Weil ihr eben euren Vater erwähnt habt. Ist eure gesamte Familie musikalisch?
Sarah:
Die meisten machen Musik oder haben in ihrem Leben schon mal Musik gemacht. Es sind wenige dabei, die es wirklich zu ihrem Beruf gemacht haben, aber auch ein paar können davon leben. Zum Beispiel ist ein Opa Perkussionist und der andere der hat in einem Kirchenchor Geige gespielt. Unser Vater macht ganz viel Musik mit mehreren Instrumenten, unsere Mutter jedoch macht jetzt eher weniger Musik.
Julian: Man darf sich das jetzt aber nicht so vorstellen wie in einer klassischen musizierenden Familie. Wir wurden nicht darauf gedrillt Musik zu machen. Bei uns standen eben immer schon viele Instrumente herum und es war für uns normal Musik zu machen und damit zu spielen.
Sarah: Als wir beide im Kindergarten waren, da gab es bei uns musikalische Früherziehung, das ist ein Programm, wo Kinder mit Orf-Instrumenten und Glockenspiel herumspielen konnten. Da haben wir uns wahrscheinlich nicht selbst angemeldet (lacht), da wurden wir eben von unseren Eltern angemeldet. Aber es hat uns immer Spaß gemacht, deswegen haben wir irgendwann richtige Musikinstrumente gelernt, ich Klarinette und Julian Trompete. Aber die Instrumente, die wir jetzt spielen, die haben wir uns selbst beigebracht – also Klavier und Gitarre.

subtext.at: Gibt es einen Wunschort wo ihr immer schon mal spielen wolltet?
Julian:
Es gibt viele. Wir denken uns eigentlich jeden Abend, dass es cool wäre, mal selbst hier zu spielen, also als Hauptact. Aber die Columbiahalle war schon ziemlich cool. Wo ich auch immer schon mal gerne spielen wollte, ist die Halle in Hamburg, „die große Freiheit“.
Sarah: Ich denk mir das auch jeden Tag. Die Räumlichkeiten die wir jetzt mit Tocotronic bespielen sind 5 mal so groß wie die, die wir normal bespielen würden, und da gibt es natürlich auch den Wunsch, die Halle mit Menschen zu füllen, die wegen uns selbst kommen.

subtext.at: Da ihr aus Hamburg seid, muss ich euch fast die Frage stellen – habt ihr schon mal im Molotow gespielt?
Julian:
Ja haben wir. Im Juli. Als Vorband von „Otherlives“.
Sarah: Was für uns eine sehr große Ehre war, da wir beide die Band schon auf CDs und auf unsere MP3-Player hatten und viel gehört haben. Wir hätten damals nie gedacht, dass wir einmal gemeinsam auf einer Bühne stehen.

subtext.at: Ist es für euch einfacher, als Bruder und Schwester solange unterwegs zu sein ?
Sarah:
Ich kenn ja nur das eine. Aber ich denke schon. Es ist jetzt nicht so, dass man sich weniger streiten würde. Das ist unter Geschwistern einfach so, da ist man direkter zueinander und ehrlicher was Kritik anbelangt. Es gibt eben nichts, was man sich nicht sagen kann. Das beugt Missverständnissen vor, man ist auch nicht so nachtragend. Man klärt das unter Geschwistern und gut ist es.
Julian: Dafür ist man eher schneller mal beleidigender.
Sarah: Ja (lacht). Das ist zwar knallhart, aber auch irgendwie schön. Wir wohnen ja auch zusammen in Hamburg und es funktioniert gut. Es ist zwar um einiges intensiver in beiden Richtungen, aber das ist auch das Schöne daran.

subtext.at: Im Oktober habt ihr eure EP Sarah & Julian veröffentlicht. Warum dieser Name?
Julian:
Eine EP ist immer gut, um sich vorzustellen. Und da lag es einfach nahe, unseren Namen dafür zu verwenden. Unser Album, das am 19. Februar rauskommt, wird einen Titel haben. Aber die EP dient in erster Linie, uns unvoreingenommen vorzustellen.
Sarah: Wir hätten die EP ja auch „Cold Wind“ nennen können, aber es sind ja auch drei Songs auf der EP und wir wollten die Gewichtung nicht nur auf die Single legen. Sondern einfach das sich jeder selbst ein Bild von uns machen kann.

subtext.at: Ihr macht sehr ruhige Musik, war das schon immer so, oder gibt es versteckte Metal-Exzesse?
Julian:
(lacht) Das ist lustig, die Frage kommt irgendwie öfters, und es ist für uns immer ähnlich mit der Frage „Deutsch oder Englisch“. Wir machen uns darüber keine Gedanken und machen einfach Musik – und so etwas kommt dabei raus. Ich hab früher schon mehr E-Gitarre gespielt, aber wenn wir zusammen Songs geschrieben haben sind die immer in Richtung ruhigere Musik gegangen. Aber am kommenden Album sind durchaus auch schnellere Songs drauf. Da fallen zumindest zwei ein, die mehr in Richtung Indie-Pop gehen als Singer-Songwirter.
Sarah: Das Konzert heute war ja auch komplett unverstärkt, wenn wir dann auf Tour sind, sind wir auch zu viert mit Schlagzeug und Bass. Da wird es nicht ganz so ruhig sein.

subtext.at: Euer Album kommt bald. Wie glaubt ihr schaut der/die typische S&J HörerIn aus?
Julian:
Gute Frage. Unser Publikum ist schon auffallend gemischt, und auch die Leute, die nach ein Konzert unsere EP kaufen. Teilweise sehr jung und ein bisschen alternativ – so wie wir, wenn man so sagen kann. So den klassischen Dockville- oder Southside-Gänger, aber auch öfter ältere Leute zwischen 30 und 40. Ich denke nicht, dass es so einen speziellen Typen gibt.

subtext.at: Auf was darf man sich schon besonders freuen ?
Sarah:
Einmal das ganze Album überhaupt, wenn das dann heraußen ist. Die Songs, die auf dem Album sind, sind auf unterschiedlichste Art und Weise entstanden, auch über viele Jahre hinweg.
Julian: Es gibt sicher auch Songs, die schon 2-3 Jahre alt sind.
Sarah: Genau. Dann gibt es auch Songs, die nur Julian alleine geschrieben hat. Eines stammt nur von mir. Und bei der Aufnahme haben wir versucht, aus den Songs selbst  etwas „von uns“ zu machen. Das war ein sehr sehr langer Prozess. Wir sind schon seit September 2013 in Wien ins Studio gegangen. Inzwischen gibt es schon wieder neue Songs, und wir freuen uns einfach darauf, dass es endlich so weit ist. Wir warten dann ja bald schon drei Jahre darauf.
Julian: Jetzt  zu sagen, dass wir uns auf einen Song besonders freuen, so ist es nicht. Wir freuen uns einfach darauf, dass das Album raus kommt und auf die Tour danach. Wirklich so eine eigenene Tour zuspielen, mit Ticketverkauf und so weiter. Vor allem, dass die Leute nur wegen uns kommen, auf das freuen wir uns schon total.
Sarah: Wir arbeiten immer noch am Album. Artwork und der letzte Feinschliff. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Arbeit und glauben auch, dass es sehr rund geworden ist.

subtext.at: Kann man sagen, dass ihr in dieser Hinsicht sehr perfektionistisch seit?
Sarah:
Ich glaube ja. (lacht)
Julian: Ja, was aber aus Produzentensicht gar nicht so schlecht ist. Weil wir immer sehr genau wissen was wir wollen. Aber andererseits ist es gerade momentan so, dass es mehr darum geht, Kleinigkeiten auszubessern – da ein Schlag dort eine Ton. Ich denke, dass das auch nerven kann.
Sarah: Ja. Bei jedem neuen Durchgang, wo dann die überarbeiteten Sachen geschickt werden, finden wir meistens noch eine Kleinigkeit. Ich glaube, es war nicht immer einfach mit uns.
Julian: Das kommt wahrscheinlich von unserem Orchester-Background, weil da muss jeder Ton sitzen.
Sarah: Ja, das kann sein, wir haben ja auch gemeinsam im Orchester gespielt.

subtext.at: Zum Abschluss. Wenn ihr drei Wünsche frei hättet – wie würden die lauten?
Julian:
Da ist dann die einzig wahre Antwort, noch mehr Wünsche. (lacht)
Sarah: Ich glaub auch nicht, dass ich drei Wünsche finde ,die gleich wichtig sind. Mein größter Wunsch ist, dass ich mein Leben lang das machen kann und werde, was ich wirklich will. Und dass es funktioniert. Dass ich es schaffe, damit über die Runden zu kommen und zu leben.
Julian: Ja, das wäre jetzt auch mein erster Wunsch gewesen.
Sarah: Schön (lacht).
Julian: Von dem zu leben was mich sehr zufrieden stellt. Egal was es ist.
Sarah: Wir arbeiten zurzeit sehr hart daran, dass sich dieser Wunsch erfüllt. Irgendwann möchten wir ja auch selber eine Familie haben und die dann auch ernähren können. Das würde momentan leider nicht funktionieren.
Julian: Wir könnten uns nicht mal selbst ernähren. (lacht)
Sarah: Ja, das ist eben mein Wunsch. Wenn das aufgeht, dann bin ich wunschlos glücklich.
Julian:  Ansonsten weiß ich jetzt nichts mehr. Vielleicht irgendwann eine Familie wenn es passt.
Sarah: Ja aber das kommt ja meistens von selber. Ich denke wenn man innen zufrieden ist, dann kommt der Rest von alleine.

 

Mehr Infos über die Band findest du auf Facebook.

 

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