TROYE SIVAN: Boy wonder

In Südafrika geborenen, in Down Under beheimatet, von Millionen von YouTubern weltweit umgarnt: Seit Monaten wird Troye Sivan im Internet bereits als eine der großen Neuentdeckungen der Musikwelt angepriesen und kosmopolitisch mit höchster Sorgfalt beäugt. „Blue Neighbourhood“, so lautet sein Debüt, beinhaltet beathaltigen Adoleszenz-Pop, der vor allem einer gewissen Lorde aus Neuseeland große Konkurrenz macht.

Gewisse Gemeinsamkeiten zu der „Royals“-Sängerin sind nicht von der Hand zu weisen. Beide verfügen über Talent und beide beackern musikalisch ein ähnliches Feld. Oder: Die Akademiker-Variante von Justin Bieber.

„I can be the subject of your dreams, your sickening desire“

 

Australiens wundersamster Jungkomponist kreuzt seinen Pop mit allem, was in den vergangen Jahren in dem Sektor Freunde fand: Zerbröckelnde Beats aus dem Laptop, dynamische R’n’B-Sounds, eine knackige Produktion, Kinderchöre oder auch mal ein Streicherarrangement. Dieses Debüt ist außerdem vor allem eines: Entschlossen. Mit Nachdruck wird hier der Zenit markiert.

I see swimming pools and living rooms and aeroplanes
 I see a little house on the hill and children’s names
 I see quiet nights poured over ice and Tanqueray
 But everything is shattering and it’s my mistake

Obwohl textlich mit Unsicherheiten gehadert wird, gibt sich Sivan keine Blöße. Ungewöhnlich selbstvertrauend werden die Stücke präsentiert und mit Eloquenz vorgetragen. „Never knew loving could hurt this good, oh, and it drives me wild“ – bittersüße Augenblicke, in denen die Liebe zum Schlachtfeld wird, Techtelmechtel aus dem LGBT-Umfeld, das jüdische Leben, Geschichten aus dem Vorstadt-Milieu und keine Angst vor Herz und Schmerz, eingebettet in Electronica, Dream Pop und Electropop.

Sweet life livin‘
Pools and swimming
Drinks in bars and
Boys in cars and
Rooftop sinning
Skinny dipping
Shooting stars
 With fat cigars

cover

„Blue Neighbourhood“ klingt wie aus einem Guss, was vor allem an der überragenden Qualität des Songwritings liegt. Ungestümes sucht man hier vergebens, stattdessen macht sich abgeklärte Reflektiertheit breit. Ein Hit reiht sich dabei an den anderen und allen Songs gemein ist ihre außergewöhnliche Raffinesse. Sivan hat mit gerade mal 20 Jahren Songs in petto, die trotz ihrer Eingängigkeit genug Entdeckenswertes zu bieten haben. Schlauer Pop für den modern-moderaten Musikliebhaber ohne Scheuklappen. In Australien kocht man auch nur mit Wasser, aber da unten blubbert es derzeit heftiger.

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