Call Me Astronaut: im Champagner ertrunken

„Drowning in Champagne“ – so heißt das erste Full-Length-Album von „Call Me Astronaut“, die in Linzer Alternative-Gefilden schon einige Jahre lang unterwegs sind. Gut 100 Leute waren es dann, die dem offiziellen Release im Ann and Pat beiwohnten. 100 Leute, die ihr Kommen wohl nicht bereut haben.

Denn gleich drei Acts gab es an diesem Freitagabend im Linzer Ann and Pat zu bestaunen. Den Anfang machten Tschieka – eine der wohl ungewöhnlichsten Bands, die diese Stadt je gesehen hat. Irgendwo zwischen klassischem Gesang, Poesie und Avantgarde präsentieret Sarah Maria Rockenschaub und ihre drei – selbstbetitelten – „Musiküsse“ ihr Projekt. Man könnte es genauso gut als Kunstprojekt denn als Band sehen. Dazu gesellen sich Walgesang und Pfauenlaute vom Band, Tschieka wandelt stimmlich mühelos zwischen Lou Reed und Beziehungen. Schaut euch das an – sicher mit das Ungewöhnlichste Projekt, das wir seit langem gesehen haben!

Kein Unbekannter dürfte danach auch Act #2 gewesen sein. Michael Gutenbrunners neues Projekt hört auf den klingenden Namen „Alpha Romeo“ – und keine Angst, es geht nicht um Autos (was für ein schlechter Scherz, sorry!). Früher noch mit Indie/Britpop-Nummern unter dem Bandnamen Light Leaks unterwegs, ist das neue Projekt dann doch ein bisserl österreichischer geworden. Sollten Wanda und Voodoo Jürgens sich je gemeinsam bis zur Besinnungslosigkeit betrinken – es könnte so ähnlich klingen wie es Alpha Romeo tun. Morbid, ein bisserl sehr ironisch (Gell, Herr Student!), dabei aber nicht überheblich oder aufdringlich. Darf man so lassen!

Gekommen war ein Großteil der Besucher dann aber doch wegen Call Me Astronaut. Kein Wunder, dauerte es doch mehr als drei Jahre, bis der Erstling „Drowning in Champagne“ erschien. Besetzungswechsel und neue Bandmama später haben Call Me Astronaut dann aber den Silberling bravourös releast, an dem sie seit September gearbeitet haben. Das Resultat? Eine Abrechnugn mit Religion („Dear Priest“), eine ode an den (auch in Realität!!!) zur Drag Queen mutierten Vater („Champagne Drag Queen“) und plötzlichen Ruhm („First Apperance on a TV Show“). Soundtechnisch fühlte ich mich dann aber doch verdammt stark an den „Transangelic Exodus“ von Ezra Furman erinnert. Soll ja auch nix schlechtes sein, meinen wir. Ein gelungenes Konzert in einer schönen Location, die man gerne öfter als Veranstaltungsort solcher Happenings sehen würde!

Foto: Christoph Thorwartl

Artikel teilen
geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen