Eule: überraschend gut!

Während die meisten Linzer wohl auf den gegenüberliegenden Bubble Days waren, läutete die aus „Berlin – Tag und Nacht“ bekannte Jazzy Gudd alias EULE den Beginn der Posthof-Sommerpause ein. Am Samstag machte sie nämlich im Rahmen der „Lauter“-Tour halt im mittleren Saal. Die Erwartungen unsererseits waren jetzt nicht gerade die höchsten, umso mehr waren wir positiv überrascht. Die Musik an sich ist zwar unserer Meinung nach weiterhin ein seelenloser 08/15 Deutsch-Pop, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten und objektiv kann man am samstäglichen Konzert nicht wirklich etwas aussetzen.

Claimer gleich voraus: ich kannte im Vorfeld keinen einzigen Song von EULE, hab die Musikerin nie zuvor gesehen und hätte mir wohl auch nie ein Ticket gekauft. Dass die Dame aus der bereits genannten Fernsehserie bekannt ist, war mir auch ein Rätsel. Aufgrund meines vor allem im Vergleich zu den Konzertbesuchern doch schon etwas höheren Alters ist mir diese kein Begriff. Ich gehöre noch zu der Generation, die auf RTL2 Samstags Vormittags noch gute Serien wie die allerersten Pokemon und Digimon-Staffeln gesehen und zu alten Disney Filmen auf VHS Kassetten geweint hat. Also die Zeit, wo Fernsehen noch gut war und nicht Dummheit und Fremdschämen im Mittelpunkt einer Serie standen. Aber back to the topic.

Etwa 150 Personen fanden sich im mittleren Saal des Posthofes ein – und waren möglicherweise wie wir überrascht. Denn laut Posthof-Homepage und Facebook-Event sollte es mit As Far as Low eine Vorband geben, die fand sich aber nicht wie gedacht um 20:00 auf der Bühne ein. Wieso? Wissen wir auch nicht. Den Fans war das aber offensichtlich egal, waren sie doch für EULE hier, entsprechend laut wurde es, als die junge Berlinerin die Bühne betrat. Was dann folgte waren knapp 1:20 Stunden gute Unterhaltung, zu meinem Erstaunen. Ja, die Texte sind meiner Meinung nach nicht gerade überragend und einen Pullitzer-Preis gibt es dafür nicht, aber das muss jeder für sich entscheiden, ob er die ewig gleichen Zeilen über „Herzschmerz“ und „Man Selbst Sein“ noch gut findet. Meines ist es nicht. Überlässt man das dem Einzelnen, bleibt ein richtig guter Konzertabend. Die Band spielte einwandfrei die instrumental sehr gut abwechslungsreichen Nummern, leistete sich keine Fehler und wirkte stets souverän. Auch gesanglich war Eule absolut auf der Höhe. Klar, hie und da konnte sie den Ton nicht über die komplette Dauer halten und fiel ab, aber am Beginn der Karriere als Musikerin lässt sich das noch verschmerzen. Halb so wild. Bezüglich der Setlist, wie gesagt keine Ahnung, darum lässt sich für den nicht informierten und taufrischen Besucher eines EULE Konzertes und ihrer Musik auch nicht sagen, ob die jetzt gut oder schlecht zusammengestellt war. Jedoch gab es mit „Gegen Unendlich“ sogar einen neuen Song inklusive kleinem Teaser in Richtung eines zweiten Albums. Großartig war die ganze Stimmung auf der Bühne, die Art wie sie sich gab. Stets wirkte sie sehr entspannt auf der Bühne, sprach immer wieder mit dem Publikum, und reagierte mit Witz und viel Charme spontan auf Zwischenrufe aus dem Publikum. Sehr sympathisch und eine Art, die man sich bei manchem großen Künstler wünscht. Hut ab. Vor allem war das gefühlt auch ehrlich und keine vorher einstudierte Angelegenheit. Auch positiv anzumerken: die nachher erfolgte Autogrammstunde und das Dankeschön an die Posthof-Crew. Macht auch nicht jeder Künstler. Wenn dann auch noch die Bitte ans Publikum kommt, diese vermaledeiten Smartphones endlich mal wegzustecken und ein Konzert so zu genießen, wie man es soll, geht mir bei den Plus-Punkten die A4-Seite langsam aus. Die Mittelfinger-„Performance“ hätte man sich aber sparen können.

Zusammenfassend lässt sich also ein sehr positives Fazit ziehen. Das war ein sehr gutes Konzert. Von der Live-Performance über die instrumental sehr hohe Qualität und dem über weite Strecken technisch einwandfreien Gesang und die sympathische Art von Eule gibt es nichts auszusetzen. Muss ich in diesem Fall meine vor dem Konzert vorhandenen Vorurteile und meine Meinung wohl doch ändern.

Fotos: Andreas Wörister (Slih’s Photography), Christoph Thorwartl

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geschrieben von

Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber

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