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Tanita Tikaram: die Frau mit einer Band

Samstagabend, ein ausverkauftes Konzert im Posthof Linz. Ewig lang hat es gedauert, bis die britische Musikerin Tanita Tikaram im Rahmen ihrer „Women In The Band“-Tour es nach Oberösterreich geschafft hat. Ein Konzert, das erstaunlicherweise einen relativ hohen Altersschnitt im Publikum angezogen hat. Ein Konzert, das die Besucher dennoch zufriedenstellte. 

Support an diesem Abend kam aus Mannheim. Luca Sestak, im Trio. Der 24 Jahre alte Pianist kann durchaus als eine kleine Antithese zu Tanita Tikaram gesehen werden – da liegt doch zumindest eine Generation dazwischen. Musikalisch bietet Sestak einen bunten Mix aus Funk, Jazz mit doch starken Einflüssen aus dem Pop. Songs wie „We Do Wrong“ haben aber durchaus Potenzial, um ins Ohr zu gehen. Man darf auf das im kommenden März erscheinende Album gespannt sein.

Die Headlinerin des Abends, Tanita Tikaram, betrat dann pünktlich um 21 Uhr die Bühne des Linzer Posthofes. Für all jene, die sie nicht kennen: am bekanntesten wurde Tikaram 1988 mit ihrem Song „Twist in My Sobriety“. Der Redakteur dieses Artikels war damals noch nicht mal geboren. „Closer To The People“ heißt das letzte, 2016 erschiene Album. Auf der aktuellen Tour bietet sie neben einem Best-Of ihres eigenen Schaffens auch Covers weiblicher Musikerinnen. Bei den Eigenproduktionen stieß neben dem Opener „Cathedral Song“ vor allem „Lovers in the City“ und „I Don’t Wanna Lose At Love“ hevor. Die tiefe, dunkle Stimme Tikarams kommt live ganz gut rüber, auch wenns manchmal holpert. Könnte auch an der musikalisch großartigen Begleitband gelegen haben, die es manchmal mit ein paar Soli und vor allem mit der Lautstärke übertrieben hat.

Bester Song des Abends? Zweifellos „Love Isn’t A Right“, geschrieben von einer, wie es Tikaram ausdrückt, „ordinary housewife“, Molly Drake. Klingt bekannt? Klar, ist sie doch die Mutter von Nick Drake – einem Artist, der ebenso viel zu früh von uns gegangen war. Mit einem wahren Klassiker, „Wild Is The Wind“ (origninal von Johnny Mathis) wird mit einem Marlene-Dietrich-Cover „Falling in Love Again“ und „Maintenant“ ein Konzert beendet, das solide, wenngleich an manchen Stellen etwas gestreckt oder zu laut angesichts der musikalischen Wurzeln war. Dennoch: ein gelungener Abend!

Fotos: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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