Hearts Hearts: tanzbare Soundtüfteleien

Hearts Hearts – frisch für den FM4-Amadeus-Award nominiert, mit „Love Club Members“ haben sie Ende März ihr drittes Album veröffentlicht. Ein Album, das sehr anders klingt, als man es von ihnen gewohnt war. Ein Album, das aber sicher zu den Highlights der österreichischen Musiklandschaft 2021 zählen wird. Aber auch ein Album, das gekommen ist, um die schmalen Grenzen des Landes  zu überwinden. 

David Österle, Daniel Hämmerle, Johannes Mandorfer und Peter Paul Aufreiter bilden gemeinsam eine Band, die sich unweigerlich wie ein Ohrwurm in den Gehörgängen festsetzt: Hearts Hearts. Hätte man das Quartett vor mehr als einem Jahrzehnt, als sie sich gegründet hatten, gefragt, ob sie je ein Album wie „Love Club Members“ veröffentlichen werden – sie hätten mit „Nein geantwortet“. Die Band mit Mittelpunkt in Wien zählt nämlich seit mehr als einem Jahrzehnt zum mit Spannendsten, das man hierzulande zu hören kriegt. Sie selbst sehen den Anspruch auch: natürlich soll es Spaß machen, natürlich sind sie Soundtüftler – aber Freiheiten lassen sie sich schon, wie sie uns im Gespräch zu ihrem neuen Album mitteilen. „Love Club Members“ heißt das Werk, und ist das Ergebnis von einiger Tüftelei. Andere Bands veröffentlichen Singles am laufenden Band, dazwischen hie und da eine EP – Hearts Hearts sind gewissermaßen die Antithese dazu. Eine „Album-Band“ sozusagen – immerhin hat es auch drei Jahre lang gedauert, bis der Nachfolger von „Goods / Gods“ erschienen ist.

Ein Teil von „Love Club Members“ war schon vor der unsäglichen Corona-Pandemie fertig – bis ein Virus die Welt als Ganzes und die Kreativbranche noch viel mehr lahmlegte. Hearts Hearts nutzten die Zeit – auch, um Manches am Album neu zu denken, das eigentlich schon fertig war, und sich Zeit zu nehmen, die man vielleicht vorher nicht gehabt hätte. Herausgekommen ist ein musikalischer Trip in die Vergangenheit – in die Welt, als viele von uns, inklusive der Band selbst noch gar nicht geboren waren. Nicht zu überhören sind die Ausflüge in die heile Gefühlswelt der 1970er Jahre, in eine Welt, als Musik noch analog produziert wurde. Natürlich war „früher nicht alles besser“, wie oft suggeriert wird – aber alleine die Gefühls- und Klangwelt ist es bereits, die Hearts Hearts gekonnt vermitteln können. Thematisch befinden wir uns hier in bekannten Gefilden – dem Thema Liebe, Beziehungen und alles, was drumherum dazugehört. Es sei unheimlich schwer, das thematische Rad hier neu zu erfinden – solange es allerdings so klingt wie die Singleauskopplung „The Fan“ (mit der unglaublich guten, gerade zurecht durch die Decke gehenden OSKA) oder „Easy“, verzeihen wir auch, dass es sich bei „Love Club Members“ um keine dezidiert politische Platte handelt. Dass Hearts Hearts nämlich auch politisch sein können, haben sie im Jahr 2019 mit „Ikarus“ eindrucksvoll bewiesen. Eine politische Band werden sie aber bleiben, versprechen sie. Gut so. Auch Tracks wie „Wild at Heart“ (bitte wieder in verschwitzten Konzertsälen wie der Linzer KAPU, oder so!) und „Look at the Stars“ gehen sofort ins Ohr.

Natürlich stellt sich die Frage, wie sich die ausgefeilten Soundtüfteleien in Corona-Zeiten in ein angemessenes Live-Set ummünzen lassen. Gerade im Hinblick darauf, dass Hearts Hearts für eines ungeeignet sind: sitzendes, andächtiges, sich nicht bewegendes und damit wenig aerosolproduzierendes Publikum. Hier darf, soll und muss getanzt werden. Gepaart mit verminderter Kapazität, damit auch finanziell knapperen Polstern und noch unbekannten Einschränkungen herrscht hier noch Ungewissheit. Was man allerdings verprechen kann: sobald man wieder ausgelassen feiern kann, wird hier auch ausgelassen gefeiert. Ein Album, das international klingt – im besten aller gemeinten Sinne. Ein Album, wo man merkt, dass ausgefeilte Gedankengänge dahinterstehen. Ein Album einer Band, die zu unrecht noch viel zu unbekannt ist. Mit „Love Club Members“ haben Hearts Hearts allerdings das laute Aufbegehren hin zu größerer Bekanntheit eindrucksvoll hinbekommen. Für Indie-Fans und 70er-Fans: Pflichtkauf!

Hearts Hearts: Love Club Members
VÖ: Vinyl, Digital, 26.3.2021
Parramatta

Tracklist
1. Truth
2. Rub My Eyes
3. Halo
4. Some Oceans Away – A Different Season Version
5. The Fan feat. OSKA
6. Naked
7. Infinite Pool
8. Wild at Heart
9. Easy
10. Look at the Stars
11. Stop Eating Me
Mehr Infos: Homepage / Bandcamp

Titelfoto: Tim Cavadini

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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