Langsam raus aus dem Lockdown: Catastrophe & Cure live in Vöcklabruck

Langsam, sehr langsam, aber allmählich erwacht der Kulturbereich aus dem Lockdown. Erste zaghafte Versuche werden wieder unternommen, um der kulturellen Tristesse langsam wieder zu entfliehen. Auch die lieben Leute im OKH in Vöcklabruck starten wieder mit Veranstaltungen – zum Start war am vergangenen Wochenende mit Catastrophe & Cure mehr als nur ein „local“ Hero zu Gast. 

Irgendwie ironisch war es schon, dass sich der Kreis des Kulturlockdowns an diesem Abend schloss, war doch das Gastspiel von Hikee Bikini im Linzer Posthof am 29.10. des vergangenen Jahres unser letztes Konzert vor der großen kulturellen Leere. Im OKH gaben sie den Support für Catastrophe & Cure, und sperrstundenbedingt wurde das Konzert auf eine halbe Stunde zusammengepresst. Apropos Konzert: die geltenden Regeln wurden rigoros eingehalten. Ausschank gabs keine, dafür Dosenbier mit Abstand vor dem OKH, Sitzplatz- und Maskenpflicht ebenso wie ein Personenlimit. Somit ist ein Konzert mit 40 Leuten heute schon als „Sold Out“ zu bezeichnen. Absurd eigentlich, aber noch nicht anders möglich. Hikee Bikini waren während der Pause allerdings nicht untätig – neben bekannten Tracks aus ihrer EP „Stutti Bonboni“ gabs auch neue Musik samt toskanischen Träumen zu hören. Stimmlich sowieso auf der Höhe, Ernst nehmen sie sich on stage immer noch nicht – immer noch ein Geheimtipp hierzulande. Wobei wir das „Geheim“ hier gerne streichen!

Headlinen durften an diesem Abend Catastrophe & Cure, deren neues Album „Somewhere Down The Line“ (hier im Review) eigentlich auch schon im Vorjahr erschienen ist. „Fantastisch, gar zeitlos“ klingt sie, wie unser Redakteur Daniel dazu gemeint hat. „Fantastisch“ könnte man auch den Auftritt bezeichnen. Samt Aushilfs-Bassisten am Start (mit Dominik Pandelidis dennoch ein bekanntes Gesicht), haben sich Catastrophe & Cure heimlich zu einer der Größen im heimischen Indie-Bereich entwickelt. Nach einem Heimspiel im Steyrer Röda war das Gastspiel im OKH das zweite Konzert post Corona. Neben alten Tracks wie dem bekannten „Debbie Debris“ sind es hier vor allem die neuen Nummern, die dauerhaft im Ohr bleiben. „Another Wave“ läuft dementsprechend auch auf der anschließenden Fahrt nach Hause in der Playlist, der Titeltrack des Albums verdient daneben sowieso die Bezeichnung „Ohrwurm“ . Beeindruckend ebenso: die hörbare Weiterentwicklung seit „Like Crazy Doves“ aus dem Jahr 2012 über „Undeniable / Irresistible“ (live immer noch ein Brett) sowie das abschließende „Bones“, das sich vor internationalen Szenegrößen auch nicht verstecken muss. Ein mehr als gutes Set, das aber in einer skurrilen Konzertatmosphäre stattfand. Ein bisserl Applaus zwischendurch, ein bisschen Mitwippen am Sitzplatz, dabei immer ein kleines Grinsen unter der Maske – so könnte man das Erlebnis im Publikum beschreiben. Nach einer kurzen Pause – muss man eigentlich am Ende eines Konzertes applaudieren? – gibts dann natürlich auch nach der Corona-Pause die obligatorische Zugabe, die dann sperrstundengerecht auch kurz vor 22 Uhr das Konzert beschließt. Fazit: nein, normal ist das noch nicht, ohne Bier, mit Masken, im Sitzen und mit Abstand ein derartiges Konzert zu besuchen. Angesichts der Umstände: grandios! Hoffentlich ändern sich diese auch bald wieder zum Besseren!

Fotos: Christoph Leeb

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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