Konzerte, gibt es das wirklich? Der Nino aus Wien und Ernst Molden

Nur sagenumwoben kannten wir die Geschichten älterer Generationen, dass man die Artisten diverser Musikstreaminganbieter auch Live begutachten kann. Wir folgten diesen Sagen und – landeten Freitagabend im Posthof bei einem Konzert vom Nino aus Wien und Ernst Molden. 

Spaß beiseite. Eigentlich im Nachhinein surreal wirkende 204 Tage lagen zwischen dem letzten Konzert des Posthofs mit “Hikee Bikini”, bis es zwei Tage nach den “Lockerungen” wieder soweit war. Es war ein Tag vieler erster Male, nachdem die hoffentlich schlimmste Phase der Pandemie überwunden ist. Wir gingen sogar vor dem Konzert noch der englischen Krankheit, landläufig auch als „Fußball“ bekannt, nach und genossen unserer erstes Mahl im Posthofbeisl. Natürlich ausgezeichnet wie immer. Nebenbei diskutierten wir über die aktuellen Regelungen  – Maskenpflicht bei Openair-Konzerten, aber demnächst wollen sie eben diese im Handel aufheben?

Das Konzert findet, wie alle diesen Sommer, auf dem Parkplatz neben dem Posthof unter dem Namen “Frischluft Openair” statt. Der erste Eindruck fiel extrem positiv aus – und warf fragende Blicke auf, warum eine Bühne unter freiem Himmel im Sommer von den Veranstaltern nicht schon viel früher in Betracht gezogen wurde. Ohne Vorband betraten Der Nino aus Wien und Ernst Molden die Bühne. Obwohl es schon mein fünftes Konzert des Nino ist, ist erst mein Erstes von Ernst Molden. Um ehrlich zu sein war ich, im Gegensatz zu ihrem ersten Album “Unser Österreich”, von ihrem neuen Album “Zirkus” bisher kein besonders großer Fan. Das Konzert belehrte mich erstmal,  warum diese Platte überhaupt existiert: nämlich für einen Film über Bernhard Paul, dem Gründer von “Circus Roncalli”. 

Was ich bereits aus Nino Mandls, wie der Herr im bürgerlichen Namen heißt, letztem Album “Ocker Mond” lernen durfte, war, dass man sich von ersten Eindrücken nicht täuschen darf. Künstler wie er leben bei vielen Songs von Liveperformances. Vor allem beim mir von Live-Auftritten bisher unbekannten Ernst Molden war ich positiv überrascht. Bis dato war mir unbekannt, wie viele amerikanische Songs vor allem von Bob Dylan er bereits interpretiert hat und wie er sie fast perfekt passend für die Beiden ins Deutsche und ins Wienerische übersetzt hat. 

Die Setlist ist ein optimaler Ausgleich aus den zwei Alben, die die Beiden gemeinsam aufgenommen haben- ergänzt mit einzelnen Liedern vom „Der Nino aus Wien“. Was man den Beiden auf jeden Fall nicht vorwerfen kann, ist fehlender Schmäh. Dass die Schlagfertigkeit, die die Beiden besitzen, nicht nur einstudiert ist, merkt man spätestens bei Zwischenrufen von Zuschauern. Hängen geblieben ist mir vorallem die Aussage Moldens, Nino hätte mit dem Song “Praterlied“ das Stuwerviertel über Nacht quasi gentrifiziert. Worauf mit “Bin eh nach Favoriten gezogen” geantwortet wurde. Ein Konzert der Beiden zu sehen kann man jedem nur nahelegen – und das nicht nur, weil ich ein ganz großer Fan des Nino aus Wien bin. Demnächst sind sie übrigens am 5. Juni im “Theater im Park” in Wien zu sehen!

Fotos: Christoph Leeb

 

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geschrieben von

Chemiewerker in der Stoistodt. Gesellschaft, Musik und Fußball

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