Stream Festival 2021: The Future is female

Eigentlich stand der zweite Tag des Stream Fesitvals 2021 unter keinem guten Stern – immerhin hatte der eigentliche Headliner Kamaal Williams aus dem Süden Londons coronabedingt (?) abgesagt. Macht ja nix – auch der Rest der Konzerte im Linzer Posthofs konnte sich sehen und vor allem hören lassen. My Ugly Clementine, Soia, Miss BunPun und Inner sorgten für einen Konzerttag, der noch dazu eine Message verbreitete, die wir nur erwidern können: „The Future is Female“!

Den Beginn machten auch an diesem Freitag die Talks im Ars Eletronica Center.  Im ersten Talk besprachen coronabedingt mit Zoom zugeschaltete KünstlerInnen aus Beirut, Bogotá und Berlin über die Auswirkungen von Corona auf Quer und Transsexuelle Menschen für die Club Szene. Sehr spannende Eindrücke in verschiedene Welten, kann man nur empfehlen, sich das nachzuhören. Final im AEC folgte dann der Producer-Talk und eine Producer Talk mit dem Linzer Künstler Phentix. Für Genreinterresierte ein sehr spannender Talk. der auch wirklich als Trainig dient und sehr spannende Eindrücke in die Arbeitsweise dieses Genres bietet.

Musikalisch machte den Anfang an diesem Freitag eine alte Bekannte. Lea Föger hat uns gemeinsam mit ihrem Produzenten und Live-Musiker Niklas Pichler schon länger, auch in anderen Formationen wie Loving.The.Alien begleitet – als Inner beschreiten die Beiden neue Pfade. Tracks wie „K.O.“ und „Pulling White Rabbits“ lassen Zuhörer*innen tief in die Indie-Pop-Blase eintauchen – und selten wird man hierzulande ähnlich ausgefeilte Arrangements finden. Eine sehr intensive halbe Stunde, die nach Einem schreit: einem Full Set ohne Corona-Einschränkungen!

„Miss BunPun“ stand danach auf der Bühne des Stream Festivals 2021. Hier in Linz nicht nur durch ihren DJ Def Ill bekannt, ist Ursi Wögerer, alias Misses U, alias Miss BunPun in dieser Stadt doch schon bekannt. Macht ja nix – denn mit ihrem neuesten Projekt „Miss BunPun“ schlägt sie bekannte Töne ein, die aber spätestens in kompletter Bandbesetzung einzigartig werden. Texte, die Empowerment  und Equality mit jazzigen Rhythmen verbinden – das ist das, was Miss BunPun mit ihrer Musik verbreiten möchte. Eine Message, die wir hier nur unterstützen möchten!

 

Die Musikerin SOIA ist vor allem für ihre kraftvolle Stimme bekannt. Musikalisch ist sie mindestens so bunt unterwegs wie sie ihre stylische Kleidung auswählt. Von Soul über Jazz bis hin zu Hip-Hop scheint die Wienerin in jedem Genre zu Hause zu sein. Am Stream konnte sie uns besonders mit Songs wie „Fractal Spirits“, „My Tiny“ oder  „Run with wolves“ aus dem letzten Album „Where Magnolia Grows“ überzeugen. Neben neuen Songs wie „Renegade“ waren auch alte Songs am Start. Daneben gab es auch ältere Tracks zu hören, wie zum Beispiel „Mood Swings“, ein Song, der, wie sie selbst erwähnt, perfekt zu ihrer rauchigen Stimme passt. Live bekam die junge Musikerin Unterstützung an den Keys bzw. Synthies von Lukas Lackner und an den Drums von Raphael Vorauer. Aber im Ernst:  wir feiern die Frau, die ihre Songs á la DIY-Grundgedanken teilweise selbst produziert und sich da richtig rein tigert, und im Lockdown soziale Musikprojekte in Altersheimen macht, schon sehr.

 

Ganz klar: der Preis für die hübscheste und süßeste Setlist des Landes geht an “My Ugly Clementine”! Aber die Band ist in erster Linie für ihre ausgezeichnete Musik national und auch international bekannt. Erst seit 2019 stehen die vier Bandmitglieder gemeinsam als Band auf der Bühne. Und die Geschichte, dass es ausschließlich ein Foto des Quartetts benötigt hat, um das Rhiz in Wien innerhalb eines Tages auszuverkaufen, ist treuen Fans nicht neu. Falls wer die Band noch nicht kennt: sie besteht aus Sophie Lindinger, bekannt durch Leyya, Mira Lu Kovacs (sie kennt man vielleicht durch 5KHD), Kathrin Kolleritsch alias Kerosin95 und Barbara Jungreithmeier.

Nicht nur wir finden die vier Musiker*innen großartig: 2020 bekam die Band den Amadeus-Musik-Award in der Kategorie “Alternative”. Im selben Jahr wurden sie zur „Band des Jahres“ von Radio FM4 und 2021 wurde ihr neues Album “Vitamin C” vom Dachverband der europäischen Indie-Labels Impala zum „European Independent Album Of The Year“ ausgezeichnet. Heute waren sie seit langem wieder mal “live” on Stage – und aus unserer Sicht voll motiviert. ÜBer eine Stunde begeisterten sie uns mit Songs wie “Never be yours”, “I´m boring” oder “The Good, The Bad, The Ugly”.

Fazit: ein Abend, der trotz der Absage von Kamaal Williams unter dem Attribut „Leiwand“ verbucht werden kann. Ein Abend, der vor allem von weiblichen Artists gestaltet wurde. Angesichts dessen, wie cool dieses Land vor allem weibliche Artists vor den Vorhang holen kann, umso unterstützenswerter – und ja, Gender sollt endlich wurscht sein, wenn es um Musik geht, wenn es um uns geht. Wir freuen uns schon auf den Abschluss morgen mit Anger, Thees Uhlmann und vielen Artists mehr!

Fotos: Lisa Leeb, Christoph Leeb, Andreas Wörister

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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