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KICK-ASS: Arschtritt gefällig?

KICK-ASS: Arschtritt gefällig?

 

Was tun, wenn einem langweilig ist? Bestimmt fallen jedem zig Dinge und Aktivitäten gegen die Eintönigkeit ein. Comicheld Dave Lizewksi kommt auf ganz andere Ideen. „Kick-Ass“ von Autor Mark Millar und Zeichner John Romita, Jr. erzählt die Geschichte eines Jungen, der schmerzhaft feststellen muss, dass der Schockfaktor des Realen umso höher ausfällt, wenn man mit Fiktionalem herumspielt.A dirty job, but someone’s gotta do itDave Lizewski schlägt sich als cleverer, doch stets im Abseits stehender Außenseiter durchs Leben. Er isoliert sich vom bunten Treiben an seiner Schule, verliert sich in wilden Tagträumereien, gehört keiner der Cliquen an und lebt im Grunde ganz gut damit. Was ihm fehlt: Die Aufregung, der Spaß, das kleine bisschen Nervenkitzel nach dem Matheunterricht.
Dann hat er die Idee: Er bestellt sich über eBay ein Kostüm, nimmt sich zwei Stahlrohre, und geht anschließend nachts hinaus auf die Straßen, um das Böse zu bekämpfen und gegen kleine Ungerechtigkeiten in der Nachbarschaft anzugehen. Lizweski ist jetzt Kick-Ass, der jedem Verbrecher einen kräftigen Tritt in den Arsch verpasst. Mithilfe von MySpace, YouTube und Co. wird Kick-Ass bald zur neuen Sensation im Viertel hochstilisiert.Normalmensch vs. Extremsituation

Gewalt ist ein dominanter Faktor in „Kick-Ass“ – und ein bestimmender Teil unseres menschlichen Zusammenlebens. Wo und wie die Grenzen überschritten werden, zeigen Miller und Romita, Jr. nur allzu deutlich (in drastischen Panels). Der „American Way Of Life“ wird hier in seine Einzelteile zerlegt. Der Comic veranschaulicht, dass in der heutigen Welt eine Maske und ein buntes Kostüm noch lange nicht ausreichen, um nicht vermöbelt oder zusammengeschlagen zu werden.

Eigentlich geht es nicht um Superhelden, sondern um Menschen wie du und ich, die etwas Waghalsiges oder Risikohaftes unternehmen, um mehr Spannung in ihr Leben zu bringen. Vorurteile, mangelnde Anerkennung und die Last durch verbotene Obsessionen sorgen dafür, dass nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Mark Millar nimmt jegliche Romantisierung des Superheldendaseins ab, um stattdessen die Realität so abzubilden, wie sie ist: Hart, schmerzhaft und voller schwerer Rückschläge. Es gibt brutale Bilder (etwa wenn das unbekannte Hit-Girl eine ganze Bande Ganoven mit ihren Schwertern in Stücke schneidet) und massenhaft Blut, doch sind diese Dinge längst zum Teil unserer Popkultur geworden. Abgeschnittene Gliedmaßen? Gespaltene Schädeldecken? Gibt es in jedem x-beliebigen Horrorstreifen zu bewundern.

„Kick-Ass“ steht für eine Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, mit einem klaren Ziel vor Augen. Dave Lizewski steht dabei als Symbol für dieses idealisierte Ziel, das – je näher es rückt – an Reiz gewinnt, weil es die Aura des Unbesiegbaren ausstrahlt. Schade nur, dass der Preis dafür nicht allzu niedrig ausfällt

„Kick-Ass“ ist ein hürdenreicher Trip in die Seele unserer von digitalen Welten bestimmten Gesellschaft – aufschlussreich und mit bösem Erwachen.

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Foto: Panini

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