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Die Rettungsgassenfarce

Die Rettungsgassenfarce

Österreicher machen sich wieder einmal dümmer, als sie hoffentlich nicht sind: Nur weil die Rettungsgasse in unserem Land bisher eher nicht so funktioniert hat, fordert man die sofortige Abschaffung derer. Egal, ob man damit vielleicht irgendwann einmal Leben retten könnte. 

Etwas mehr als eine Woche ist dieses Jahr, das so wunderbar verlaufen wird, nun schon alt. Und neben dem deutschen Bundespräsidenten Wulff und dem jungen Pelinka hat in den vergangenen Tagen vor allem eines die Medien beschäftigt: die Rettungsgasse und ihre miserablen ersten Versuche. Dabei ist es doch ganz einfach …

Alle Verkehrsteilnehmer auf der linken Spur müssen sich möglichst weit links zur Fahrbahn einordnen. Verkehrsteilnehmer auf der rechten Spur müssen so weit nach rechts wie notwendig. Dabei soll der Pannenstreifen befahren werden. Bei mehrspurigen Fahrbahnen gilt: Fahrzeuge auf der linken Spur nach links, alle anderen nach rechts. [rettungsgasse.at]

Es war wunderbar, in den ersten Jännertagen Leserbriefe der OÖN zu lesen: Wie konnte man sich so etwas nur ausdenken? Wie dumm ist denn bitteschön ASFINAG und das Verkehrsministerium? Wer hat ehrlich geglaubt, dass das funktionieren wird? Sofort abschaffen! Die Rettungsgasse ist der Teufel für Österreichs Autobahnen. (So oder so ähnlich las man es wirklich. Alleine diese Kommentare hier zeugen von hoher Intelligenz.)

Und beim Nachdenken konnte ich nicht umhin, mir einzubilden, eine solche Reaktion schon woanders mitbekommen zu haben. Vor einem Jahr ungefähr haben Demonstranten in Tunesien und Ägypten ihre Tyrannen verjagt … und nachdem in den ersten Monaten nach einer jahrzehntelangen Diktatur nicht mit einem Wisch die Demokratie im westlichen Sinne eingekehrt ist, maulen die Europäer schon wieder mit so nichtssagenden Worten wie „Die werden es nie schaffen, demokratisch zu werden.“

Vielleicht sind wir Opfer einer zu schnelllebigen Zeit. Dinge entwickeln sich rasant und die Menschen hinken hinterher und entwickeln sich zu konservativen Eigenbrödlern. Veränderungen ist ihnen mehr als zuwider. Dass manche Veränderung aber wirklich sinnvoll und notwendig ist, wird dabei vergessen. Ich bin, seit ich von ihr gehört habe, Fan der Rettungsgasse. Wenn sie funktioniert, kann sie möglicherweise wirklich ein Menschenleben retten. Alleine deshalb ist es sinnvoll, sie weiterhin zu unterstützen. Ich gebe dem ganzen noch ein paar Tage oder Wochen … und schon wird die Rettungsgasse in Österreich eine reine Gewohnheit. Und … früher als wir denken wird uns wohl auch der nordafrikanische Raum mit einem vollkommenen demokratischen Wandel überraschen – davon bin ich überzeugt.

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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