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THE BLACK KEYS: Ein Duo beißt sich durch

THE BLACK KEYS: Ein Duo beißt sich durch

Für den Garagenrock war 2011 kein besonders ereignisreiches Jahr. Die Kills veröffentlichten mit „Blood Pressures“ eine solide wie konsequente Fortführung des bewährten Erfolgezeptes und die einstigen Wegbereiter eines Revivals, die White Stripes, gaben überraschend ihre Trennung bekannt. Ansonsten kam aus diesem Genre nicht wirklich viel, was Aufsehen erregte. Ausnahme: Die Black Keys, die mit „El Camino“ großspurig durch die Decke gingen.

Eigentlich ist es ein alter Hut: Mangelnde Kommunikation führt zu Problemen. Psychologen raten uns deswegen unser Schweigen zu brechen. Es ist ja doch keine Lösung. Wie sollen die Unstimmigkeiten verschwinden, wenn sie nicht angesprochen werden? Am besten einen Plausch mit Dan Auerbach und Patrick Carney ausmachen. Die wissen, wie man Schwierigkeiten aus dem Weg räumt: Mit jeder Menge guter Laune. Das haben mittlerweile schon einige Leute bemerkt. Das ungleiche Duo hat jetzt viel zu tun. Schon mit „Brothers“ fing es an, da gab es Lorbeeren ohne Ende, Grammy-Nominierungen und Auszeichnungen. Mittlerweile können sie es sich auch erlauben, auf dem Cover des amerikanischen Rolling Stone zu sein.

Bestimmt mussten sie dafür niemanden bestehen, denn „El Camino“ ist einfach unwiderstehlich. Songs voller Unmittelbarkeit, mit viel Charme und großer Lässigkeit, werden einfach aus den Ärmeln geschüttet. Die Black Keys gehen die Sache erzählerisch an, witzig und mit feiner Ironie. Less is more lautet das Motto. Da reiht sich Hit an Hit und der größte ist gleich am Anfang. „Oh oh oh oh, I got a love that keeps me waiting, I’m a lonely boy, I’m a lonely boy…“ Superfantastisch, zackig und mit viel Verve gespielt zeigt sich dieser einsame Prachtbursche. Die Ecken und Kanten sind da, wo sie sein sollten, auch wenn die Melodien so eingängig verpackt sind wie noch nie zuvor. Apropos Melodien: „El Camino“ hat so viele zu bieten, dass man sie tagelang nicht mehr aus dem Kopf bekommt. „Sister“, „Money Maker“, „Dead And Gone“, „Nova Baby“, „Hell Of A Season“, gut, gut, ich höre schon auf…

Motown-Soul ist hier genau so fest verankert wie eine gewisse Punk-Attitüde. Ein bisschen rau und kernig hat noch keinem geschadet. Wegen ihrer Energie versinkt das Team Carney/Auerbach nie im plumpen Retro-Schick. Dieses Album schleicht sich ohne Handbremse anteilsgleich in Beine, Kopf und Herz. Es fühlt sich an, als wärst du auf dem besten Abschlussball deines Lebens gewesen – auch wenn dieser nie stattgefunden hat.
Raus aus dem kalifornischen Nischendasein und hinein in das pralle Pop-Leben. So. Geht. Das.

Facts:
The Black Keys – El Camino
Gesamtspiekzeit: ca. 39 Minuten
Warner Music (Nonesuch)

Links & Webtips:
theblackkeys.com
facebook.com/TheBlackKeys
twitter.com/theblackkeys

Foto:
Warner Music

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