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TOM LÜNEBURGER: So close to break free?

TOM LÜNEBURGER: So close to break free?

Die wenigsten können sich wahrscheinlich an die deutsche Band Myballon erinnern. Große Erfolge konnte die Formation eigentlich nie verbuchen. Kein Wunder, dass 2006 dann Schluss war. In der Versenkung verschwunden. Frontmann Tom Lüneburger schlägt jetzt ein neues Kapitel auf, gibt nun den Singer/Songwriter und wühlt in amerikanischer Musiktradition, countryeskem Americana und Lo-Fi-Pop.

„Lights“ korrespondiert so gar nicht mit der Musik, die Myballon vor wenigen Jahren ausübten. Der Opener „Let It Go“ klingt so harmonisch, wie man es sich gedanklich ausmalt, ein Stück weit nach Bright Eyes inklusive bedächtigem Springsteen-Flair. Mit den Einflüssen geht Lüneburger sympathisch um, doch der Eigengeschmack fehlt und das Resultat ist nicht wirklich besonders, doch auch kein Totalausfall. Gezügelt geht es zu, die Gitarre wird sachte angeschlagen, spartanisch und weitestgehend unauffällig, gar friedfertig. Für Aggressionen, Wut oder Aufgebrachtheit ist kein Platz. Es geht ums Reflektieren.


„Don’t Lose Heart“ überzeugt mit einer überaus hübsch angeschlagenen Gitarrenmelodie. Der Duft von Kiefern kommt einem in die Nase und das Landhaus inmitten einer winterlichen Landschaft ist auch schon zu sehen. Der Mond scheint, die Kälte ist da, drinnen ist es warm. Besinnlich. „We Are One“ gibt es mit und ohne Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß (als Bonustrack vertreten), der Unterschied ist aber marginal und kaum bezeichnend. „Feather“ öffnet die Tür für Beats und Loops und „Blood“ könnte glatt als flotte Hymne durchgehen, die Oasis nie aufgenommen haben. Überraschende Fröhlichkeit übermannt „Stop The World“. „The Driven Man“ erweicht die Herzregionen und auch die letzte Nummer, das nach Calexico klingende „All The Time“ mit Klavier und Orgel bewegt innerlich.

Dann sind da auch noch die Texte, die großteils zu bemängeln wären und sich auf bekanntem Niveau bewegen, das allzu Typische abbilden. „Tonight, tonight, I feel so right, I could cry, tonight, tonight, I feel so right, I could die“ – genug gesagt? Klare Worte, klar verpackt. Stimmung und Soundbild verändern sich auch kaum. Nichts, was aus den üblichen Hörgewohnheiten ausbrechen würde. „Lights“ ist ein nettes Album aber doch uneinheitlich. „So close to break free“ singt Lüneburger auf der Platte. Der Durchbruch wird bestimmt noch auf sich warten lassen.

Facts:
Tom Lüneburger – Lights
Gesamtspielzeit: ca. 41 Minuten
Silbermond Music Verlag (Rough Trade)

Links & Webtips:
tomlueneburger.com
facebook.com/tomlueneburger
myspace.com/tomlueneburger

Foto: Martin Becker

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