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„Die Zebras paaren sich“: Letzter Frühling im Eisenhandtheater

„Die Zebras paaren sich“: Letzter Frühling im Eisenhandtheater

Am internationalen Tag der Stimme, dem 16. April 2013, widmete sich die Improvisationstheatergruppe „Die Zebras“ der zwischenmenschlichen Kommunikation. Ihr Programm „Die Zebras paaren sich“ fand im Linzer Eisenhandtheater statt.

Begonnen wurde mit sich teils widersprechenden, teils ergänzenden Aussagen zum Thema Beziehungen. Der Eine erklärte, dass man als Single keine Angst haben und Freiheiten ausnutzen solle. Der Anderen fehle eine Beziehung, den Nächsten mache genau diese fertig und so fort. Während hier noch mehr Literatur als Schauspiel geboten wurde, wurden –auch im Dialekt- Gesagtes und Gedachtes im Anschluss durch Mimik, Gestik oder Gesang untermauert. Am Klavier und als Therapeut fungierte David Wagner.

Die Schauspielenden Matthias Schloßgangl, Karin Verdorfer, Daniela Wagner und Markus Zett spielten abwechselnd alle gemeinsam, paarweise beziehungsweise zu dritt an einer Szene oder parallel an zwei verschiedenen Szenen, die zeitgleich abliefen. Das Thema Kennenlernen war dabei das am meist behandelte, es wurde durch eine Geschichte am Arbeitsplatz, an dem sich statistisch die meisten Paare kennenlernen, Speed Dating oder Rückblenden zweier Paare beim Therapeuten abgehackt. Eine eingesetzte Form des Spiels war, dass sich die Schauspielenden in ihren Darbietungen gegenseitig abwechselten, in dem sie ins Geschehen traten und die Köperhaltung des/r jeweils Anderen übernahmen. Herausgekommen ist beispielsweise, dass sich eine Person nicht mehr des Nachdenkens wegen, sondern aufgrund einer bekommenen Ohrfeige die Hand an den Kopf hält. Des Weiteren wurde ein Musical dargeboten, in dem einem Paar eine Reise zum Mond als Forschungsprojekt ermöglicht wurde. Die Lieder handelten passenderweise von Sternen oder funkelnden Augen. Eine andere Variante des Schauspiels war, dass man einander zur Französischen Revolution Briefe schrieb, bei denen das Publikum aufgefordert wurde, Sätze zu ergänzen. Ansonsten gemachte Vorgaben der Zusehenden, auf die die SchauspielerInnen einzugehen hatten, waren die Nennung von Berufen, Geheimnissen, die man einander nicht preisgeben wollte, die Hobbys oder Lebensmottos der Charaktere, wie deren letzte Beziehung ausgesehen habe und so weiter. Immer wieder ergaben sich nette Wortspielereien. Eine Kindergärtnerin, die in ihrer Freizeit gerne bastelt, meinte, dass sie an eigenen Kindern noch basteln würde oder eine sehr genaue, durchgeplante Professorin, dass sie beim Thema Liebe konzeptlos sei, weshalb sie schließlich Rat bei einer Kollegin einholte.

Eingang fanden die Heranziehung von Statistiken oder Vorgaben von Medien und Ratgebern in Bezug auf die Ausgestaltung von Beziehungen. Probleme gebe es vor allem deshalb, weil die meisten Paare nicht der „statistischen Idealform“ entsprechen würden. Diese besagt, dass beide dieselbe Nationalität haben und die Frau 5 Jahre jünger sowie gebildeter als der Mann sein sollte. Dass es wichtig sei, sich zu vertrauen und über alles miteinander sprechen zu können, repräsentierte ein Paar, das lieber gleich vorsorglich zum Therapeuten ging. Sie hätten zwar keinen Sex, aber das sei kein Problem, weil sie ja darüber reden würden. Die Situation endete damit, dass sie ihre Unfähigkeit, miteinander zu schweigen erkannten und feststellten, dass man manche Wörter mit mehr Bedacht wählen sollte. Der Moderator trat schließlich einem Schweigeorden bei und gab seiner Exfreundin den Rat, zukünftige Partner auch mal zu Wort kommen zu lassen.

Das wenige Abgeben von Erklärungen für Improvisationstheaterneulinge störte kaum, da es sich aus dem Geschehen ergab. Auch keine Tragik war, dass gesanglich nicht immer alle Töne getroffen wurden oder die Darstellenden die Charakternamen der anderen vergaßen. Eine Rolle wurde mit „Andrea“ statt „Silvia“ angesprochen, eine Schauspielerin fragte ihren Kollegen einfach, was dem Stück nur zusätzliche Lacher bescherte.

Abgeschlossen wurde mit einer Zugabe, in der nicht vorgekommene Aspekte abgehandelt wurden, das waren Homosexualität, große Altersunterschiede, ein Missbrauchsfall in der katholischen Kirche oder ein One Night Stand.

Auffällig war das relativ junge Zielpublikum, selbst verglichen mit anderen Improvisationstheatergruppen, weniger auffällig die kritischen Seitenhiebe auf die Gesellschaft, wenn es etwa heißt, dass die emanzipierte Frau einen Mann zum Reifen wechseln brauche.

Bezüglich des Themas Statistiken wäre es wohl interessant, anhand einer Umfrage herauszufinden, weshalb ausgerechnet die Berufe PilotIn und BriefträgerIn oder Werbezitate á la „Geiz ist geil“ des Öfteren von dem Publikum gewünscht werden.

„Die Zebras“ wurden 2010 gegründet und haben seither bei der Langen Nacht der Bühnen und vielen anderen Veranstaltungen mitgewirkt. Sie haben es jährlich ins Viertel-oder/und Halbfinale der Österreichischen Theatersportmeisterschaften im Posthof geschafft und können auch als Gastspiel gebucht werden.

Dieser Auftritt war ihr letzter im Eisenhandtheater. Die nächsten Gelegenheiten, die Gruppe zu sehen, sind am 29. Mai 2013 sowie am 4. Juli 2013, jeweils um 20 Uhr in der Blackbox des neuen Linzer Musiktheaters.

Link und Webtipp: http://www.diezebras.at/

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Katharina ist Soziologin und Sozialforscherin (P und P Sozialforschung). Darüber hinaus ist sie regelmäßig journalistisch tätig, z.B. in Form von Praktika (Radio Oberösterreich, Neues Volksblatt,...) oder freier Mitarbeit bei Redaktionen. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen und kulturellen Themen.

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