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Kimbra: Ein goldenes Echo?

Kimbra: Ein goldenes Echo?

Mitte August erschien mit „The Golden Echo“ die neue Platte von Kimbra. Kimbra? Ja, das war genau die Sängerin, die mit Gotye bei „Somebody I Used To Know“ um die Wette tränzte. Mit „The Golden Echo“ hat sie ihr zweites komplettes Album am Start – und die Floskel, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, trifft hier doch wieder einmal zu.

Fangen wir gleich mal beim Opener an. „Teen Heat“ kann sich nicht entscheiden. Will es ein klassischer Popsong sein? Mit fast schon ohrenbetäubenden Tempowechseln, wo man sich nicht nur fragt, ob Lady Gaga wieder mal ans Mikro durfte, macht es diese anfänglichen Hoffnungen schnell zunichte. Fast schon kreischend gibt sich noch dazu die an sich gute Stimme von Kimbra. Was ist da bitte falsch gelaufen?

Aber setzen wir fort. „90s Music“ hat ansichts nichts mit diesem Jahrzehnt zu tun. Girl-Group meets zeitgenössischen Mainstream-Pop, oder so. Nicht ganz so schlimm wie der Opener – zumindest hat man hier nicht völlig in das stilistische Klo gegriffen. Gut finden muss man das aber auch nicht. Zumindest würde man sich bei diesem Wert die 90er zurückwünschen – da würden solche Nummern heutzutage zumindest als Trash durchgehen. Weiter gehts mit „Carolina“. Was man in Pressetexten wohl als „gelungene Arrangements“ und „eingängige Melodie“ bezeichnen würde, entpuppt sich beim Anhören als akustische Vergewaltigung. Seicht würde es noch zu milde ausdrücken – ich hab ja nix gegen seichten Pop an sich, aber Spaß scheint die Neuseeländerin bei dieser Nummer nicht gehabt zu haben.

„Goldmine“ bildet Track vier. Versuchen wirs mal mit R’n’B. Warum auch nicht. Zumindest die Stimme ist hier nicht so grauenhaft überschwänglich und erinnert an das, was Kimbra bei ihrem Debutalbum „Vows“ so gut gemacht hatte: eben diese soulige, ins Mark gehende Stimme. Ein Ausreißer nach oben. Auch wenn man sicher einen Rekord bei der Verwendung des Wortes „mine“ in einem Popsong aufgestellt hat. Macht aber nix, guter Track. Inspirierend ist aber etwas Anderes.

„Miracle“ – driftet fast noch stärker in den Synthie-Pop ab, und könnte genauso gut in den 80ern gespielt haben. Flashdance lässt grüßen. Nichts Neues, nichts Innovatives – als Easy-Listening-nebenbei-Nummer vielleicht noch ok, aber der musikalische Rausreißer ist auch diese Nummer auf keinen Fall.

„Rescue Him“ markiert die Halbzeit der Platte. Man stellt sich die Frage, ob mit „Him“ der Zuhörer gemeint war, der vor dieser Platte gerettet werden muss. Immerhin dockt diese Nummer bei der R’n’B-Nummer „Goldmine“ an, und ist deswegen nicht ganz so schlimm auszuhalten wie die anderen. Eine willkommene Verschnaufpause, bevor es ins „Madhouse“ geht. Dieser Track ist eine Mischung aus den vergangenen Nummern. Würde also sowohl in einem „Ghostbusters“-Soundtrack als auch in diversen Urlaubs-Diskotheken funktionieren – ob man das wiederum gut findet oder nicht, sollte man dann selbst beurteilen.

Das einzige offizielle Feature der Platte folgt sogleich. „Everlovin‘ ya“ gemeinsam mit Bilal heißt das. Er hebt sich auch vom bisherigen Gesamtbild der Platte ein wenig ab – etwas elektronischer, damit sicher tanzbarer, und durch das Bilal-Feature auch weniger nervtötend. Genauso, wie „As You Are“ als Ballade besser funktioniert als all die anderen Tracks zuvor. Man könnte fast davon sprechen, diese Single als gelungen zu bezeichnen. Warum nicht gleich so? Warum muss man sich durch eine halbe Stunde Schmerzen kämpfen, um dieses Kleinod zu entdecken?

Es scheint zu diesem Zeitpunkt so, als hätte sich Kimbra gefangen. „Love in High Forest“ knüpft danach nämlich genau dort an – ohne überproduzierte Synthie-Pop-Ekstasen. Danke dafür, man hätte es nicht für möglich gehalten. Mit „Nobody but you“ und „Waltz me to the grave“ wird die Platte dann durchschnittlich gut beendet. Das musikalische Grab hat sich Kimbra allerdings schon in der ersten Hälfte der Platte selbst geschaufelt. Eine akustische Wurzelbehandlung, die die zahnärztliche fast wie Urlaub erscheinen lässt. Fürs nächste Mal: weniger opulente, minimalistischere Arragements wären Goldes wert. Live aber definitiv tanztauglich – ein paar Getränke vorher seien aber empfohlen!

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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