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Travis: Everything At Once

Travis: Everything At Once

Drei Jahre nach dem letzten und 19 Jahre nach dem allerersten Album sind Travis nun wieder zurück – in gewohnter Form, immer noch. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darüber kann man genüsslich streiten.

1997 wurde die Welt das erste Mal auf Travis aufmerksam: die vierköpfige Band rund um Fran Healy brachte damals mit „Good Feeling“ ihr erstes (und bis heute wohl rauestes) Album heraus. Den ersten Welterfolg erzielten sie aber schließlich zwei Jahre später mit dem Song Why does it always rain on me? – mehrere gefeierte Alben und viele Jahre später wollen sie plötzlich alles auf einmal: „Everything At Once“ ist ein so durch und durch typisches Travis-Album, dass man sie beinahe darum beneidet, dass sie keinen Hehl daraus machen, nichts in Weiterentwicklung und Veränderung zu investieren. Während sich beispielsweise der Sound von Coldplay bei jedem einzelnen Album deutlich verändert, klingt die Stimme von Healy und die Melodien immer noch wie damals. Aber das Verrückte daran ist: Es hört sich immer noch verdammt gut an.

Dabei wollte man den Hörer ja fast schon auf eine falsche Fährte locken: Denn gerade die erste Singleauskopplung, namensgleich mit dem Album, ist das überraschendste Lied von allen. Und das Video dank einem verrückt anmutenden Daniel Brühl zwar verstörend, aber eindeutig sehenswert:

Aber schon beim Opener, dem Lied What Will Come hat man den gewohnten Travis-Sound wieder im Ohr. Die Travis’sche Melancholie kommt auch wunderbar bei Animals oder Strangers On A Train heraus. Aber auch wenn man sich dabei wohlig an die große Zeit des Britpops zurückerinnert, wirkt das Album insgesamt fast zu zahm. Zwar versucht die Band daraus immer wieder auszubrechen, so richtig gelingen will es ihr aber nicht. Und nach absoluten Ohrwürmern wie das zuvor schon genannte Why Does It Always Rain On Me oder Sing sucht man bei den ersten paar Umdrehungen in der Playlist vergeblich. Aber Achtung: Das heißt keineswegs, dass das Album nur Mittelmaß ist. Es ist auf gewohntem Niveau, nicht mehr und nicht weniger. Dass ihr letzter großer Hit nun aber bereits fünfzehn Jahre zurückliegt, sie sich aber immer noch am Musikmarkt behaupten, zeigt wohl einfach nur, dass auch die Nicht-Hits eine besondere Qualität haben, die viele Bands nur selten so lange erreichen. (Ach ja: Einzig Idlewild, ein Duett mit Josephine Oniyama, könnte es etwas weiter hinauf in die Charts schaffen.)

„In many ways, this Travis record is no better or worse than previous Travis records“, schreibt der Guardian und gibt dem Album nur 2 von 5 Punkten. Der deutsche Rolling Stone hingegen vergibt dreieinhalb von 5 Punkten, eben weil es sich immer noch um die gewohnte Qualität handelt: „Travis reißen heute keine Barrieren mehr ein. Aber sie wissen immer noch, wie man gute Songs schreibt.“ Das wird also von diesem Album bleiben: Es ist ein weiteres Travis-Werk, nicht schlecht, aber auch nicht herausragend gut, aber immer noch besser als Mittelmaß. Ob man damit so richtig glücklich werden kann, das muss wohl jeder für sich herausfinden. Das geht in Österreich auf der laufenden Tour übrigens ausschließlich am 17. Juli in Feldkirch beim Poolbar-Festial.

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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