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Eine Klangwolke der vergebenen Chance

Eine Klangwolke der vergebenen Chance

Letzten Samstag fand zum 34. Mal die Linzer Klangwolke im Donaupark Linz statt. Bei traumhaften Spätsommer Wetter fanden sich gut 100.000 Besucher zwischen Lentos und Brucknerhaus ein. Die vom deutschen Medienkünstler Salvatore Vanasco unter dem Motto „Fluss des Wissens“ durchgeführte Inszenierung sollte eine Hommage an die Wissenschaft und das 50-jährige Bestehen der Johannes Kepler Universität Linz werden. Betonung auf sollte, denn zu oft wirkte diese Klangwolke konzeptlos und ohne rotem Faden. Dafür mit offensichtlichem Huldigen der Sponsoren.

Die Klangwolke gehört mittlerweile zum jährlichen Fixpunkt im Linzer Kulturprogramm, der traditionelle Start in den Kulturherbst. Guter Zufall, dass sie in diesem Jahr mit den 50 Jahr-Feierlichkeiten der JKU zusammenfällt und gut, dass dies grundsätzlich ein großer Teil des Konzeptes war. Gestartet wurde die Show jedoch vom Ars Electronica, welches 100 Drohnen – immerhin eine Weltpremiere – in den zu diesem Zeitpunkt noch zu hellen Linzer Abendhimmel starten lies. Eine durchaus eindrucksvolle und abwechslungsreiche Erfahrung. Die Uhrzeit war einfach zu früh gewählt und so wurde aus dem angekündigten Spektakel eine nette Show, aber nicht mehr – und die offensichtliche Werbung für den Chiphersteller Intel war zu viel des Guten.

Dann folgte Warten, langes Warten, das nicht nur uns Fotografen auf dem Brucknerhausdach etwas irritierte – auch im Publikum war eine Anspannung zu spüren. Es ist ungewöhnlich, ein derartiges Event ohne Anmoderation zu starten. Wieso drei Männer mit Megafonen das Publikum anheizen, war nur schwer ersichtlich, denn man verstand diese aus der Entfernung kaum. So war es fast unmöglich zu wissen, welche Rudermannschaften gleich die Donau queren sollten.

Es war bezeichnend für die restliche Performance des Abends. Salvatore Vanascos Inszenierung war nicht konzeptlos, sie hatte einen dünnen roten Faden mit den wissenschaftlichen Bezügen, wirkte aber trotzdem zu oft kopflos. Es gab großartige Momente wie die Rede von JKU-Rektor Meinhard Lukas, der der türkischen Schriftstellerin Asli Erdogan ein Sprachrohr gab. Eine eindrucksvolle und bewegende Rede über die Freiheit der Kunst und Wissenschaft, die verdienterweise großen Applaus erntete. Für diese mutigen Worte muss man danke sagen. Auch die alten Fernsehaufnahmen der Schlüsselübergabe an den damaligen JKU-Rektor vor 50 Jahren passten ins Konzept, ebenso wie die von Kindern vorgetragenen Texte über ethische Fragen und die Freiheit und Entwicklung der Wissenschaft, oder die eingespielte Rede John F. Kennedys an der Universität Berlin. Die Lichtshow war über weite Strecken spektakulär und die musikalische Untermalung des deutschen Komponisten FM Einheit atmosphärisch dicht und episch.

Aber, das große Aber – die erwähnten Passagen waren Ausschnitte aus einer Inszenierung, die in ihrer Gesamtheit enttäuschend war. Einzelne Elemente wie die Tänzer oder die im Kreis fahrenden Motorbote passten nicht ins Bild. Es war schlichtweg nicht verständlich präsentiert, welchen künstlerischen Sinn diese hatten. Zusätzlich spielten sich viele Elemente so nahe am Wasser ab, dass sie für Zuschauer, die keinen Platz in der ersten Reihe ergatterten schlichtweg nicht sichtbar waren. Wohl ein Grund, wieso sich bereits nach 15 Minuten Inszenierung die ersten größeren Menschengruppen auf den Weg nach Hause machten. Man hätte so viel mehr aus diesem Thema machen können. Wieso präsentierten sich nicht die Fakultäten? Wieso keine erzählte Geschichte der JKU durch alte Rektoren, Professoren und Absolventen? Wieso nutzt man diese großartige Vorlage so schlecht aus?

Last but not least durfte sich dieses Feuerwerk nicht Feuerwerk nennen. Acht Minuten Pyrotechnik bei einer über einstündigen Klangwolke ist eine Frechheit, vor allem wenn sie überhaupt nicht genutzt wird, um die Inszenierung sinnvoll zu unterstützen. Es fühlte sich einfach so an, wie wenn das Motto und die Inszenierung nicht zu Ende gedacht wurden. Als ob man immer wieder mehrere Minuten nicht wusste, was man eigentlich dem Publikum vermitteln will und darum irgendetwas einbaute um die Lücke zu füllen.

Eines noch am Schluss, lieber Herr Vanasco, eine Klangwolke ist keine Werbeveranstaltung für Sponsoren. Wenn BMW das nächste Mal an sie herantritt und gerne Wagenkolonen haben möchte, die null künstlerischen Mehrwert haben, lehnen Sie ab. Billigere und peinlichere Werbung hab ich in der Kunst noch nie erlebt.

So war die Klangwolke am Ende eine nette Angelegenheit, eine stellenweise spektakuläre Inszenierung mit einzelnen großartigen Momenten, die aber oftmals zur Werbeshow verkam, der ein starker roter Faden fehlte – und die aus einer großartigen Vorlage viel zu wenig machte.

Text: Andreas Wörister
Fotos: Andreas Wörister (Slih’s Photography) und Natascha Rammelmüller (Natascha R. Photography)

 

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Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber

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