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APOLOGIES, I HAVE NONE: keine guten Vorzeichen

APOLOGIES, I HAVE NONE: keine guten Vorzeichen

Die britischen Indie-Punker Apologies, I Have None gastierten am Donnerstag im Dreiraum der Arena Wien. Die Erwartungshaltung war ob ihrer großartigen, zweiten Platte „Pharmacie“ groß. Am Ende trübten Stimmprobleme und ein verpfuschter Sound leider den Gesamteindruck. Dafür lieferten die Supports Blackout Problems aus München und die heimische Punk Supergroup Barrier Reef/The Great gehörig ab.

Um ca. 20:30 Uhr startete der Konzertabend. Eine eher unbekannte Grazer Punkband names Barrier Reef/The Great, mit einigen bekannten Gesichtern betrat die Bühne. Das Publikum hielt zu diesem Zeitpunkt noch Respektabstand zum Geschehen auf eben dieser, lauschte aber interessiert. Zu Recht! Denn die Band bot eine charismatische Show, die gespickt war mit vielen skurrilen musikalischen Einfällen, die man so von einer Punk Rock Band nicht unbedingt erwarten würde. Beispiele gefällig? Vierstimmiger A Capella Gesang, viel Geklatsche, ein Theremin (der heimliche Star des Konzerts), herumwirbelnde Plastikschläuche und ein zum Mikrofon umfunktionierter Telefonhörer. Klingt seltsam? Ist es auch! Macht live aber wahnsinnig viel Spaß!

BARRIER REEF/THE GREAT mit vollem Körpereinsatz im Arena Dreiraum.© Markus Wetzlmayr / @wetphoto / www.wet-photo.at NO USE WITHOUT PRIOR WRITTEN PERMISSION // KEINE VERWENDUNG OHNE VORHERIGE SCHRIFTLICHE ERLAUBNIS.

BARRIER REEF/THE GREAT mit vollem Körpereinsatz im Arena Dreiraum.

Danach kam Bewegung in den Konzertsaal. Der Abstand zur Bühne wurde geringer. In den ersten Reihen stieg die Quote an Mädchen im Teenager Alter deutlich an. Sie sollten von Blackout Problems nicht nur optisch, sondern auch musikalisch einiges geboten bekommen. Die vier Münchner legten ihren Fokus an diesem Abend sehr stark auf die, Anfang des Jahres erschienene Platte „Holy“, welche zu etwa zwei Dritteln gespielt wurde. Dazu kamen mit „How Should I Know“ und „The City Won’t Sleep Tonight“ zwei ältere Songs von der EP „Gods“, die sich in ein enorm dichtes Programm drängten, welches praktische keine Sekunde zum Verschnaufen übrig ließ. Wenn man Blackout Problems jemals live gesehen hat, weiß man genau was einen erwartet. Viel Mitspringen und Mitsingen, der eine oder andere Publikumsausflug von Sänger Mario und Non-Stop Spektakel. Eine Band, die die große Geste nicht scheut, sondern zelebriert und bei jedem Konzert gefühlte 110% Prozent gibt. Dafür verlangen sie im Gegenzug nur eines. Ein Publikum das auch ordentlich mitgeht – Und das bekamen sie an diesem Abend auch.

Hochseilakrobatik von BLACKOUT PROBLEMS.© Markus Wetzlmayr / @wetphoto / www.wet-photo.at NO USE WITHOUT PRIOR WRITTEN PERMISSION // KEINE VERWENDUNG OHNE VORHERIGE SCHRIFTLICHE ERLAUBNIS.

Hochseilakrobatik von BLACKOUT PROBLEMS.

Unter keinem guten Vorzeichen stand dann der Auftritt von Apologies, I Have None, die zum ersten Mal seit 2013 auf einen Sprung in Wien vorbeischauten. Die ersten sieben Konzerte der Tour hatten offenbar ihre Spuren an den Stimmbändern von Frontmann Josh McKenzie hinterlassen. So mühte er sich in weiterer Folge mit Hilfe von Hustensaft und der stimmkräftigen Unterstützung der restlichen Band und des Publikums durch das Set. Leider ließ auch der Sound, der bei Blackout Problems noch recht gut war, sehr zu Wünschen übrig. Das manifestierte sich schon im ungewöhnlich langem Linecheck und dem abrupten Start des Sets mit „The 26“ mit der Ansage „Let’s see how it sounds then…“. So litten in weiterer Folge vor allem die neuen Songs von „Pharmacie“, die so ihre dichte, dunkel gefärbte Athmosphäre kaum entfalten konnten. Abgesehen davon boten Apologies, I Have None aber eine sehr sympathische Show, bei der auch die alten Hits wie „Sat In Vicky Park“ oder „Long Gone“ vom 2012er Album „London“ nicht fehlen durften. Ersteres wurde als Zugabe sogar noch ein zweites Mal zum Besten gegeben. Kein Wunder, so hat der Song unbestritten großartige Sing-along-Qualitäten. In den obligatorischen Stimmpausen zwischen den Songs gab es gewohnt kühle, britische Schmähs von Josh McKenzie zu hören. Die größten Lacher gab es aber, als das Fußpedal des Schlagzeugers nicht mehr so ganz wollte und plötzlich Blackout Problems Roadie und Mercher Paul eine Bass Drum über dem Kopf tragend auf der Bühne auftauchte und fragte „you need a bass drum?“, darauf „No mate, just the pedal!“ als Antwort bekam und in windeseile wieder verschwand. Züruck zum Konzert: Es war ein undankbarer Abend für Apologies, I Have None, die bemüht und motiviert wirkten, aber leider unter diesen Bedingungen nicht so überzeugend konnten, wie sie das in der Vergangenheit schon getan haben. Hoffentlich lässt die Chance auf Wiedergutmachung nicht zu lange auf sich warten.

APOLOGIES, I HAVE NONE - es geht bergauf. © Markus Wetzlmayr / @wetphoto / www.wet-photo.at NO USE WITHOUT PRIOR WRITTEN PERMISSION // KEINE VERWENDUNG OHNE VORHERIGE SCHRIFTLICHE ERLAUBNIS.

APOLOGIES, I HAVE NONE – es geht bergauf.

Übrigens hattten wir kurz vor Konzertbeginn die Gelegenheit, um mit Apologies, I Have None Sänger Josh McKenzie ein kurzes Interview zu führen, welches ihr in Kürze ebenfalls hier auf subtext.at nachlesen könnt!

Fotos: Markus Wetzmayr / WET-photo

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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