Now Reading:

THE BASEBALLS: Sex, Klischees & Rock’n’Roll

THE BASEBALLS: Sex, Klischees & Rock’n’Roll

Am Dienstag gastierten The Baseballs im randvollen Posthof in Linz und boten dem Publikum eine Reise in die Vergangenheit, back to Elvis, back to the 50’s. Mit ihren Rock’n’Roll-Covers quer durch die kultigsten (und teils auch trashigsten) Songs der Popgeschichte begeistern die Berliner bereits seit 2007 die Massen und zeigten auch in Linz, dass sie einerseits kein Blatt vor den Mund nehmen und andererseits auch nicht zu scheu sind, um mit der gesamten Menge gehörig das Tanzbein zu schwingen.

Dass uns an jenem Abend eine musikalische Zeitreise bereitstand, war bereits vor dem Auftritt anhand des Publikums schon von weiter Ferne zu erkennen. Wohl kaum waren im Posthof zuvor so viele Petticoats, Polka-Dot- und mit Kirschen bedruckte Kleider sowie kunstvolle Vintage-Frisuren zu bestaunen gewesen als am vergangenen Dienstag, als The Baseballs im Rahmen ihrer „Hit me Baby… „-Tour einen Zwischenstopp in der Stahlstadt machten und ihr gleichnamiges Album vollständig mit allen 16 darauf befindlichen Songs präsentierten. Kaum ertönte der Gong zum Beginn des Konzertes, füllte sich der große Saal bis auf den letzten Platz, und auch auf der Galerie wurde es schön voll, beinahe alle Plätze waren belegt und sämtliche Blicke waren erwartungsvoll auf die Bühne gerichtet.

Die große Show ließ nicht lange auf sich warten. Kurz nach 20:00 Uhr starteten The Baseballs mit ihrer Version von „Daylight in your Eyes“ und zeigten, wie es die No Angles hätten machen sollen: mit imposanten Tanzschritten und einer Menge guter Laune lieferten sie einen glorreichen Auftakt ihrer zweieinhalbstündigen Show. Gleich bei den darauffolgenden Songs wurde gezeigt, dass ihr Auftritt sich nicht auf lediglich eine solide Bühnenperformance beschränkte, sondern die Band auch vom Publikum einiges abverlangt. So wurden im Laufe des Abends dem Publikum Gesangspassagen sowie die passenden Tanzschritte antrainiert, was nicht nur die Stimmung und das Gelächter im Saal hob, sondern auch nach anfänglichen Zögern sogar die in der Galerie sitzenden Laute dazu bewegte, sich von ihren Plätzen zu erheben und ausgiebig das Tanzbein zu schwingen.

Musikalisch zeigte sich die Band wie gewohnt von ihrer besten Seite, der Rock’n’Roll liegt den Musikern im Blut wie dem King Elvis höchstpersönlich, und ganz ehrlich: mit Publikumsliebling Nico am Saxophon konnte schon gar nichts mehr schiefgehen. Die Bandbreite ihrer Titelauswahl umfasste ihr gesamtes aktuelles Album, allem voran der Titeltrack „Hit me Baby one more Time“, der Country-Version vom Spice Girls Klassiker „Wannabe“, – dekorativ untermalt mit einem stimmigen Bühnenbild aus Heuballen und Westerngitarren – sowie das verruchte und die Frauen (und Männer) in Ekstase versetzende „Let’s Talk about Sex“. Nichtsdestotrotz durfte auch auf die berühmten Klassiker der Baseballs nicht verzichtet werden, ohne die 50’s Interpretation von „Umbrella“ und „Hot’n’Cold“ wäre die Setlist nie und nimmer komplett gewesen. Ein weiteres Urgestein in ihrer Cover-Collection wurde schließlich per Glücksrad von einer aus dem Publikum geholten Glücksfee ermittelt, welcher wir es zu verdanken haben, eine interessante Darbietung von „Crazy in Love“ zu Gesicht zu bekommen.

Was wurde an diesem Abend zusätzlich noch geboten? Eine geballte Portion Humor und massenweise Genderklischees von den frechen Berlinern, sowie mindestens ein Kilo Haarspray live in Anwendung, wie man es von Vertretern dieses Genres wohl gewohnt ist. Zusammenfassend gesagt war dieses Konzert ein Erlebnis für sich, wem nach dieser hervorragenden Performance die gute Laune nicht ins Gesicht geschrieben steht, dem empfehle ich wärmstens, die Herren von The Baseballs doch demnächst wieder einmal live zu erleben und sich von deren Können erneut zu überzeugen. Ansonsten bleibt als Schlusswort nur zu sagen: Die Stahlstadt ist begeistert, und freut sich über ein baldiges Wiedersehen eures erfrischenden Rock’n’Roll-Flairs.

Fotos: Andreas Wörister

Share This Articles
Written by

Musikliebhaberin | Konzert- und Festivaljunkie | Mediendesigner | Catlady

Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen