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AGAINST ME!: die neue Leichtigkeit des Seins

AGAINST ME!: die neue Leichtigkeit des Seins

Mit Shape Shift With Me haben Against Me ihre 2014 eingeleitete Renaissance verlängert und darüber hinaus bietet die neue Platte einen guten Anlass, um nach eineinhalb Jahren Abstinenz wieder einen Abstecher nach Linz zu machen. Wir waren am Montag beim letzten Posthof-Konzert des Jahres und haben die Show der US-Punk-Band für euch festgehalten. Als Supports waren die britische Neo-Grunge Band Milk Teeth und das weibliche Punk-Duo Mobina Galore aus Kanada dabei.

So kann ein Start in die Woche gerne öfter aussehen. Against Me, Milk Teeth und Mobina Galore bespielten am Montag ein letztes Mal für dieses Jahr den mittleren Saal des Posthofs und sorgten für einen mehr als würdigen Jahresabschluss. Den Startschuss dazu gaben um Punkt 20 Uhr die beiden Kanadierinnen Mobina Galore. Das „vocally aggressive power chord punk duo“ ist abseits ihres Heimatlandes noch ein unbeschriebenes Blatt. Mit Performances wie dieser sollte sich das aber hoffentlich bald ändern. Zwar müssen die Beiden ohne Bass auskommen, packen dafür aber umso mehr Energie in ihre Songs. Ihr Stil erinnert an Bands wie The Distillers oder auch RVIVR und bleibt vor allem durch die wunderbare Fusion aus kratzigen Leadvocals von Gitarristin  Jenna Priestner und eher lieblichem Backgroundgesang von Drummerin Marcia Hanson im Gedächtnis. Noch mehr Spaß würden die Beiden aber auf jeden Fall im Ambiente eines kleinen, verschwitzten Clubs machen. Man sollte Mobina Galore im Auge behalten!

Milk Teeth haben offenbar gefallen an Linz gefunden. Am endlosen Touren sowieso. Keine zwei Monate nach ihrem gemeinsamen Gastspiel mit Turnover waren sie nun also wieder in der Stadt. In Anbetracht zweier so kurz aufeinanderfolgender Konzerte ähnelte sich naturgemäß eins dem anderen. Die Setlist war ident mit jener vom Oktober und wurde eröffnet mit dem Joan Jett Cover „Bad Reputation“. Danach folgte ein schöner Querschnitt aus dem Debütalbum „Vile Child“ und den beiden zuvor veröffentlichten EPs. Dabei konnten Milk Teeth aber leider nicht ganz die Intensität des letzten Konzertes erreichen, wirkten zu Beginn (für ihre Verhältnisse) etwas ausgelaugt und müde und steigerten sich erst zum Ende hin. Besonders Gitarrist Chris und Schlagzeuger Oli werden auf der Bühne trotzdem immer wieder zum Tier und spielen sich in Rage. Milk Teeth sind eine Band, die besonders Fans des aktuellen Grunge Revivals ans Herz gelegt sei und die live meistens noch besser als auf Platte ist.

Against Me! sind momentan so erfolgreich wie nie zuvor. 2016 war nicht nur das Jahr der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Shape Shift With Me“, Frontfrau Laura Jane Grace hat auch mit ihrem Buch „Tranny“ von sich reden gemacht und zahlreiche Auftritte in US-Talkshows absolviert. Dass da nicht plötzlich wieder jemand laut „Sellout!“ ruft, liegt daran, dass Against Me! bzw. Laura Jane Grace zu einem Sprachrohr und Symbol für den Kampf gegen die Diskriminierung und für die Rechte von Transgender geworden sind. In einer Zeit, in der sich viele Punkbands den Vorwurf gefallen lassen müssen, keine Messages mehr zu haben, sind Against Me! eine Ausnahmeerscheinung und deshalb nach wie vor so relevant und eben auch zu recht gerade so erfolgreich. Am Montag tat die Band vor allem eines: sie lieferten richtig souverän ab! Ob Klassiker wie „T.S.R. (This Shit Rules)“, „Sink, Florida, Sink“ und „White People For Peace“ oder neuere Hits à la „Black Me Out“ und „Crash“, kaum etwas fehlte an diesem Abend. Sogar ein The Clash Cover („Train In Vain“) wurde zum Besten gegeben. Vom Anfang bis zum Ende herrschte ausgelassene Stimmung im gut gefüllten Konzertsaal und besonders das jüngere Publikum in den vorderen Reihen beteiligte sich gerne in Form des einen oder anderen Moshpits am Spektakel. Laura Jane Grace machte an diesem Abend zwar ungewöhnlich wenige Zwischenansagen, hatte aber beinahe durchgehend ein glückseliges Grinsen aufgesetzt. So einfach und befriedigend kann es sein, ein gutes Konzert zu spielen. Unzufrieden ging an diesem Abend, nachdem die letzten woah oh’s von „Sink, Florida, Sink“ verstummt waren, garantiert niemand nach Hause.

Fotos: Christoph Thorwartl

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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