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Die Rauhnacht im Mühlviertel

Die Rauhnacht im Mühlviertel

Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid, die Herren hinter Da Billi Jean is ned mei Bua, haben am Freitag ihr neues Programm „Rauhnacht“ im Posthof Linz vorgestellt – Österreich-Premiere. Das neue Projekt ist anders als ihr vorgehendes, aber kein Stück schlechter. Die beiden begeistern im restlos ausverkauften Großen Saal mit Mimik, Gesang, Humor und einer der schönsten Geschichten aus dem Mühlviertel, die ich je gehört habe.

Die Rauhnächte, laut Wikipedia und altem Aberglauben „Nächte wo die Grenze zwischen Dieseits und Jenseits schwindet und Geister uns heimsuchen“. Eine Nacht, wo man die Wäsche lieber nicht draußen hängen haben sollte und Nächt,  wo selten etwas Gutes passiert. Um eine dieser Nächte im Mühlviertel dreht sich die Geschichte im neuen Programm der beiden Kabaretisten. Hauptprotagonisten sind hierbei die Schottergrubendynastie Röbelreiter, vertreten durch die Söhne Roman und Roland, die Tochter Doris, den Vater und Mutter Brigitte. Dazu kommen noch der Höllerbauer Erich und seine Tochter Nora. Mehr will ich auch nicht verraten, denn im Gegensatz zu „Da Billi Jean is ned mei Bua“ steht in Raunacht die Geschichte viel stärker im Vordergrund. Eigentlich sind die beiden Programme auch nicht miteinander zu vergleichen. „Rauhnacht“ ist viel mehr ein Theaterstück als ein Konzert, weniger politisch, dafür mit mehr gesellschaftlichen Anspielungen, die man selbst als Traunviertler hervorragend versteht und mehr als amüsant findet. Ein paar Mühlviertler Klischees werden da auch bedient. Aber Mühlviertler dürfen sowas über Mühlviertler sagen. Viel stärker kann Stefan Leonhardsberger im neuen Programm seine Fähigkeiten als Schauspieler ausspielen. Großartig verkörpert er mit perfekter Mimik und Gestik die verschiedenen Charaktere, lässt die speziellen Züge seiner Protagonisten markant hervortreten. Dazu die perfekte musikalische Untermalung von Martin Schmid. Selten zuvor hab ich jemanden nur mit Gitarre ausgerüstet so perfekt alltägliche Geräusche simulieren gehört. Diese Kombination strapaziert die Lachmuskeln und sorgt für Begeisterungsstürme im Saal. Jedoch auch klar_ sich berisseln lassen ist bei „Rauhnacht“ nicht möglich, man muss schon mitdenken um der Geschichte folgen zu können. Darum hat es wohl auch keine Pause gegeben, sicher eine sehr gute Entscheidung.

Nach eineinhalb Stunden und fast zehn Minuten durchgehendem Applaus ist der Abend dann auch wieder vorbei. Wer gedacht hat, dass „Rauhnacht“ eine Erweiterung von Billi Jean is ned mei Bua wird, wurde vielleicht etwas enttäuscht. Mit dieser Erwartungshaltung darf man sich nicht in den Saal setzen. Rauhnacht ist in der Aufmachung ein ganz anderes Werk, eben eigentlich ein Theaterstück, jedoch kein minder umwerfendes als der Vorgänger. Denn dieses Format hebt die Stärken von Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid noch viel stärker heraus, stellt die Mimik und Gestik, die ihresgleichen sucht, in den Vordergrund. Auch großes Lob and Regisseur Paul Klambauer dessen wichtiger Beitrag zu Rauhnacht nicht vergessen werden darf.Ein großartiges Theaterstück, Kabarett und großartige Mühlviertler-Geschichte mit starken, klischeehaften und umwerfend lustigen Charakteren, die man gesehen und gehört haben muss!

Fotos: Andreas Wörister (Facebook Page / Homepage )

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Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber

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