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Klangwolke 2019: Ikarus, Weltuntergang und Sonnenblumen

100.000 Besucher*innen fanden sich am Samstag im Linzer Donaupark ein und feierten gemeinsam mit Ikarus und 30.000 Sonnenblumen die 40. Klangwolke unter der Regie von David Pountney. 

Schon Tage vor dem Start der visualisierten Klangwolke gab es große Aufregung rund um die Klangwolke. Grund waren die beiden Urlaubsgäste, die ihren Auftritt im vierten Akt hatten. Manche Linzer Bürger*innen machten sich große Sorgen, ob denn die beiden überhaupt noch bekleidet werden. Die Dame und der Herr mussten während dem Aufbau leider ohne Badeequipment auskommen. Diese „nackte“ Tatsache war wohl nicht für alle tragbar.

Voll bekleidet hatten die beiden überdimensionalen Figuren am Samstag ihren großen Auftritt bei der 40. Linzer Klangwolke. Thematisch beschäftigte sich die heurige Klangwolke mit der Sonne und trägt den Namen „Solar“. Dazu wurde eine Sonne mit 20m Durchmesser mitten auf der Donau aufgehängt. In fünf Akten wurde dem Linzer Publikum die Geschichte rund um unsere größte Lichtquelle erzählt. Den Beginn machte Ikarus. Wie auch in der Sage flog der Linzer Ikarus zu nahe an die Sonne und verbrannte sich die Flügel, was mit einem atemberaubenden Sprung in die Donau endete. Ein gewaltiges Bühnenbild gepaart mit vielen Fakten rund um die Historie der Sonne brachte nicht nur uns ins Staunen. Neben den vergangen Tatsachen wurden von dem britischen Regisseur David Pountney und seinem Co-Regisseur Robert Innes Hopkins auch das aktuelle Thema „Klimawandel“ aufgenommen. Hier hatten die schon vor der Klangwolke heiß kritisierten Badegäste ihren Auftritt. Und die Geschehnisse auf der Donau bildeten eine Metapher für der uns bevorstehenden Zukunft – wenn wir nicht bald handeln. Dass die Menschheit noch eine Chance hat, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, wurde im fünften und letzten Akt dargestellt. Symbolisiert wurde dies von rund 30.000 Sonnenblumen, welche vom Publikum gen Himmel gestreckt wurden.

Auch wenn das Thema älter ist als die Menschheit, hat es David Pountney geschafft, eine großartige Performance mit aktuellen Bezügen zu gestalten. Wir sind der Meinung, dass ein so großes Event mit rund 100.000 Besucher*innen eine perfekte Bühne für Weltthemen wie den Klimawandel bietet. Leider zählt für so manche Besucher*innen das Feuerwerk am Ende der Show mehr als der Inhalt. Dies aus ökologischen Gründen wegzulassen, hätte wahrscheinlich so manch Besucher*innen ziemlich vergrämt.

Wer aber nach dem Feuerwerk noch Lust auf mehr Kultur hatte, konnte sein Bedürfnis bei Cesár Sampson im Rahmen der Nachklangwolke stillen. Der Oberösterreicher wurde durch seine Teilnahme beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon mit dem Song „Nobody But You“ bekannt.

Am Sonntag ging es mit der Kinderklangwolke für die Kleinen unter uns weiter. Gemeinsam mit dem Kinderulturzentrum Kuddlmuddl präsentierte das Brucknerhaus das Stück „Der kleine Prinz“. Um die Kids auf die Reise durch die Planeten vorzubereiten, gab es bereits im Vorfeld eine Rallye durch den Donaupark, wo fleißig gebastelt, getanzt und gerutscht wurde. Um 16.00 Uhr machte der kleine Prinz dann einen Zwischenstopp in Linz. Knapp eine Stunde wurden hier Kinder und Erwachsene verzaubert. Christoph Bochdansky inzinierte das Stück von Antoine de Saint-Exupéry auf sehr gelungene Art und Weise, wie wir meinen.

Wer noch nicht genug hat von den Klangwolken hat am 28.9 die Chance, bei der klassischen Klangwolke dabei zu sein.

Fotos: Christoph Thorwartl, Lisa Trost, Lisa Leeb

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Konzerte - Filme - Bücher - Musik - Kunst // Sozialarbeiterin - Veranstalterin - Redakteurin - Fotografin

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