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Perspektivenwechsel: Wohnzimmersession – Dorinda Winkler, Fox and Bones, Worth

Für mich vom Backstagebereich ins Rampenlicht, für Fox and Bones und Worth ein Wiedersehen unter Freunden. Der Mittwochabend in der Damen- und Herrenstraße 5 war voll von (Glücks-)Gefühlen, magischen Momenten und großartiger Musik.

Normalerweise bin ich bei Qlash.at hinter den Kulissen tätig und kann mich zwischen Auf- und Abbau entspannt zurücklehnen und das Konzert genießen. Umso spannender war es für mich, einmal eine Wohnzimmersession von der anderen Seite der Bühne aus zu erleben. Mit einem Mix aus verschiedenen Covers von Eric Clapton über Mando Diao bis hin zu Stone Sour war mein ausgewähltes Programm wohl ein eher ruhiges – für die gemütliche Atmosphäre in der DH5 fühlte es sich aber passend an. Meine Nervosität erreichte ihren Höhepunkt, als ich mit meiner Gitarre ins Scheinwerferlicht trat und in die vielen erwartungsvollen Gesichter im gut gefüllten Veranstaltungssaal blickte. Für die Songs auf der Gitarre brauchte ich einiges an Mut und Übestunden, da ich als üblicherweise klassische Cellistin und Pianistin erst am Beginn meiner Gitarrenkarriere stehe. Nach ein paar zittrigen Takten aber schaffte es die Musik meine Nerven zu beruhigen. Ich konnte den Auftritt mehr und mehr genießen und mich der Musik hingeben. Während des Musizierens nahm ich erstaunlich wenig vom Geschehen um mich herum wahr – es fühlte sich so an als wäre ich in meiner eigenen, fast ein bisschen magischen Welt. Nur von der einen oder anderen kleinen Unsicherheit wurde ich manchmal in die Realität zurückgeholt. Morgan von Worth beschrieb diese Erfahrung sehr passend. In solchen Momenten gilt es als Musiker die Kunst zu besitzen, diese Magie des Moments sofort wieder zurückzuholen. Obwohl ich mich am Klavier sicherer fühlte als auf der Gitarre, war mein Lieblingsstück des Abends mit abstand meine letzte Nummer: Meine Schwester und ich sangen gemeinsam „Honig für mei Sö“ vom lokalen Künstler Hoizkopf – unser Herzensttück. Indem wir ganz viel Ehrlichkeit und Gefühl in diesen Song legten konnten wir das Publikum hoffentlich ein bisschen verzaubern und etwas von der besonderen Magie spüren lassen.

Nach meinem Auftritt und dem Schlussapplaus befand ich mich einerseits auf einer Achterbahn der Gefühle, letzendlich aber fühlte ich mich einfach unglaublich glücklich – daran könnte man sich glatt gewöhnen! Umso mehr konnte ich die nachfolgenen Artists genießen und die Musik auf mich wirken lassen. Das amerikanische Duo Fox and Bones, deren Musik live ganz neue Facetten aufzeigte, überzeugte neben ihren herzerwärmenden Songs vor allem mit viel Sympathie. Sarahs und Scotts Stimmen harmonieren unglaublich gut, ihre Musik transportiert Echtheit und Leichtigkeit und verleitet zum Träumen. Die Geschichten hinter den Songs, die das Paar zwischendurch erzählte, machten die Musik für das Publikum zugänglicher.

Der Auftritt von Worth war für mein Gefühl nicht von dieser Welt – und das definitiv auf positive Weise. Eingeleitet von mystischen Trommelklängen zog mich die Musik sofort in ihren Bann, sodass das Gefühl für Raum und Zeit beinahe verloren ging. In Christophers Stimme liegt so viel Ehrlichkeit, so viel Emotion, dass so manche Zuhörer sich heimlich eine Träne aus den Augen wischen mussten. Dass auf der Bühne zwei außerordentlich talentierte Musiker standen war vom ersten Moment an klar. Die faszinierenden Klänge, die Christopher seiner Gitarre entlockte, wurden kunstvoll von Morgan Quinn am Saxophon untermalt und bereichert. Der Song „Everybody dies“, den Worth seinem verstorbenen Großvater widmete, zählte für mich ohne Zweifel zu den emotionalsten Momenten des Abends.

Vielleicht lag es an dem Hoch nach dem ersten Soloauftritt, aber ich habe selten einen so harmonischen, gelungenen Konzertabend erlebt. Unter so grandiosen Musikern spielen zu dürfen war nicht nur eine Ehre, sondern auch eine große Inspiration und Motivation für mich!

Foto: Christoph Thorwartl

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Sängerin – Cellistin – Musikjunkie. Kunst- und Kulturliebhaberin. Sportskanone.

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