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Auf der Suche nach der Freude: Die Wiener Emo Band YOUTH hat Anfang Dezember ihre zweite EP mit dem Titel „Joy“ veröffentlicht. Pastellfarbene Melancholie zum Dahinschmelzen.

Fast zwei Jahre ist es her, da machte die Wiener Band (mit Wurzeln in Oberösterreich – wie so oft) auf sich aufmerksam. „The Difference In Us“ mit der herausragenden Single „Sleep Patterns“ wies ungefähr so jedes Charakteristikum auf, das eine Band dieses Genres auszeichnet. Einprägsam in Ohr gebrüllte Hooks übers Verlorensein in der Welt, ein paar simple Akkorde und schöne Gitarrenakzente – YOUTH hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Es ging ab auf Tour nach Deutschland und durch Österreich, es gab einen Besetzungswechsel am Schlagzeug und irgendwann war es dann so weit, dass man sich ins Schall & Wahn Studio in Salzburg schloss, um neues Material aufzunehmen.

Anfang Dezember erschien dann das neue Werk „Joy“ über zwei deutsche DIY Labels namens Dingleberry Records & iwishicouldstay. In erster Linie machen YOUTH hier da weiter, wo sie mit EP Nummer eins aufgehört haben. Die Veränderung wohnt im Detail. Zum einen ist da der neue Herr am Schlagzeug, der gekonnt Akzente und Trommelwirbel setzt, wo es passt und so den Sound der Band auf Rhythmusebene einen neuen Anstrich verpasst. Dann ist da noch das Songwriting an sich, das sich weiterentwickelt hat. Als hätte man zwischendurch nochmal mit einem Stück feinem Schleifpapier bearbeitet. Der etwas sanfter (und strukturierter) gewordene Zugang steht der Gruppe gut zu Gesicht und schließt direkt eine kleine Lücke, die sich in der österreichischen Musiklandschaft aufgetan hat. „Silhouettes“ tritt etwa in die Fußstapfen, die New Native zuletzt hinterlassen haben und ein „Wear Thin“ stünde auch dem FM4-Nachmittagsprogramm sicher nicht schlecht zu Gesicht.

„Grey“ ist der überaus catchy Vorbote, der bereits im September veröffentlicht wurde und damals schon richtig Lust auf neues Material gemacht hat. „Another Self“ erinnert deutlich an Genre-Helden à la Basement und Title Fight und ist der am meisten nach vorne gehende Song der Platte, während „Ever“ wie eine Verschmelzung auf YOUTH anno 2018 und 2019 klingt. Das abschließende „Dry Lungs“ baut sich lange zu einem melancholischen Sturm auf, erreicht dann im letzten Abschnitt aber nie ganz die gewünschte Wucht (oder Windstärke) – was damit schon das einzige Manko ist, dass ich diesen sechs Stücken attestieren kann.

Wer Musik in der Schnittmenge Emo / Pop-Punk / Indie liebt und schätzt, kann mit YOUTH auch weiterhin absolut nichts falsch machen. „Joy“ ist bittersüße, kurzweilige Alltagsflucht, Medizin für gebrochene Herzen und der perfekte Soundtrack für Busfahrten an verregneten Februartagen.

 

TRACKLIST

01. Ever
02. Grey
03. Another Self
04. Silhouettes
05. Wear Thin
06. Dry Lungs

VÖ: 06.12.2019, Dingleberry Records & iwishicouldstay
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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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