Einheitliche Vielfalt: EMMA-MO und ihr Debütalbum „Facetten“

Die wahren Gefühle, die Newcomerin Emma-Mo beschäftigen, sind von dem Kaliber, die auch schon Christina Stürmer gefühlt haben muss, als sie vor 17 Jahren ihr Debütalbum in Österreich veröffentlicht hat. Die 22-jährige Kottingbrunnerin macht gefälligen, unkomplizierten Deutsch-Pop und das Debütalbum „Facetten“ enthält zehn Stücke, die allesamt eingängig und radiotauglich produziert sind.

© Kidizin Sane

Unser Inneres ist manchmal nicht leicht zu verstehen. Mal wollen wir etwas, sind uns dessen sicher und bewusst, dann sind wir genervt davon und stellen es in Frage. Emma-Mo scheint dieses Gefühl gut zu kennen. Sie will diese Gedanken, die wahrscheinlich bei jedem irgendwann aufblitzen, facettenreich mit Konsens-Pop zum Leben erwecken, der sich dann allzu einheitlich mit der Leichtigkeit eines Schmetterlings an einen anschmiegt. Weil im jeden Leben der Einzelne immer auch unweigerlich Teil großer Zusammenhänge ist, werden diese Gesten von ihr mit dem Blick aus der privaten Perspektive traumtänzerisch zusammengeführt.

Nach den ersten paar Songs (die wirklich schnell ist Ohr gehen) ist relativ klar, wohin die Reise geht. „Facetten“ ist kein Album für Liebhaber, es sollen stattdessen so viele wie möglich mit an Bord kommen. Emma-Mo sucht einen gemeinsamen Nenner, auf den sich alle einigen können. Sie hat ihren Pop-Pilotenschein gemacht und manövriert den Flieger auf „Facetten“ fachmännisch durch malerische Song-Wolken. Mit der Nonchalance des lässigen und doch disziplinierten Mädchens von Nebenan werden Binsenweisheiten und Kalendersprüche programmatisch aufgegriffen. Für das Album hätte man sich eine schärfere, weniger bequeme Lösung gewünscht.


Obwohl es auf den Namen „Facetten“ hört, offenbart sich das Album als Einheit. Das Material schwingt auf derselben Frequenz, ist ähnlich gefärbt und hat bodenständiges Songwriting zu bieten – ohne großen Schnickschnack. Wenn in „Alle Dinge“ die pessimistische Seite von Emma-Mo inhaltlich aufgegriffen wird, klingt das nicht schwarzmalerisch und hoffnungslos, sondern positiv und lebensbejahend wie bei den restlichen Liedern. Ist es Liebeskummer wie in „16:9“, um den es geht, sieht es nicht anders aus. Was fehlt, ist eine passendere musikalische Untermalung zum Inhalt. „Facetten“ befindet sich in einem Drahtseilakt zwischen eigenem Anspruch, Wohlklang und Massenkompatibilität. Zumindest besitzt ein Lied wie „Tagtraum“ etwas Tröstliches und auch sonst klingt die Platte immer angenehm. Für ein Debüt muss das erst mal reichen.

Tracklist:
01. Ein Wort
02. 16:9
03. Tagtraum
04. Alle Dinge
05. Flash Mich
06. Ich schieb mir die Wolken
07. Homeboy
08. Hollywood
09. Lüg mich an
10. Laut
11. Ich schieb mir die Wolken (Acoustic)
12. Tagtraum (Acoustic)

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Fotos: Kidizin Sane

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