Schandfleck Linz

Schandfleck Linz
Seit mehreren Wochen kampagnisiert die Linzer Regionalausgabe der TIPS gegen Schandflecke in Linz und ist unterschwellig jugendfeindlich. Die Lokalpolitik begrüßt die Kampagne. Ein Wechsel des Blickwinkels.

Die Wogen gehen hoch in den Leserbriefen. In Dank ergebene LeserInnen der Gratis-Zeitung teilen mit, dass sie den Kampf der Redakteurin unterstützen. Der zuständige Politiker ist auch froh, dass sich endlich jemand darum annimmt und wirkt um Konsens bemüht. Man fragt sich: „Haben wir wirklich keine anderen Probleme?“.

Touristen bringen Geld
Betrachtet man die Argumente genauer, dann liest man immer wieder davon, dass die Touristen ein negatives Bild der ehemaligen Kulturhauptstadt bekommen könnten. Touristen bringen Geld, und den Dreck, den Dreck machen Jugendliche und die bringen kein Geld. Schlechte Karten also.

Das Zahlenmaterial rund um den ersten Einsatzmonat der Linzer Stadtwache zeigt, dass – 152 Amtshandlungen wegen illegaler Müllablagerung behandelt wurden. Man könnte also den Eindruck gewinnen, dass Linz eine „Ghetto-Stadt, das härteste was Österreich zu bieten hat“ (Urheber Bushido) ist. Die Initiative „Kritische Plattform Stadtwache Linz“ hat errechnet, dass eine Amtshandlung der Stadtwache € 350,– kostet. Das heißt, der Anruf bei der städtischen Entsorgung kostet etwas weniger als ein Viertel des durchschnittlichen Nettoeinkommens eines Österreichers. Was wäre also wenn sich die Stadtwachebeamten gleich höchstselbst um die Entsorgung der Schandflecke kümmern.

Flucht nach vorne
Ein – beliebtes Thema im Zusammenhang mit Müll im öffentlichen Raum ist die Linzer Donaulände, gut frequentierter Treffpunkt von Jugendlichen. Vor allem am Wochenende trifft man hier junge Menschen, die seit Jahren ohne gröbere Zwischenfälle feiern. Feiern ohne Konsumzwang. Nachdem die Verschiebung dieses Treffpunkts Richtung des eigens erschaffenen „Jugendpoints“, als gescheitert bewertet werden kann – kaum jemand nutzt die Betontreppe unter der Eisenbahnbrücke als Treffpunkt – bleibt den Verantwortlichen nur die Flucht nach vorne, eine Kampagne.

Die Argumente sind klar: Schiffreisende sollen beim Anlegen nicht feiernde Jugendliche sehen, sondern Lentos, Brucknerhaus und AEC. Schließlich hat man es sich ja auch etwas kosten lassen und das Kulturhauptstadt-Image soll noch eine Zeit lang für wirtschaftliche Impulse sorgen. So weit so verständlich.

Von Gummistiefeln und Gasmasken
Allein der Ton macht die Musik, draufhauen und Probleme groß machen schafft Unmut. Denn die Verursacher des Mülls sind schnell gefunden: Jugendliche. Natürlich soll ihnen kein Freibrief für Umweltverschmutzung ausgestellt werden, und natürlich wären die jungen Menschen gut beraten ihren Scheiß selbst wegzuräumen. Wenn man aber €350,– für eine einzelne Amtshandlung leisten kann, dann wird eine regelmäßige Reinigung der sogenannten „Schandflecke“ im Stadtbuget gerade noch drinnen sein.

Abschließend die wohl bisher haarsträubenste Aussage. Folgt man den Ausführungen von Fremdenführer Johann Gutenbrunner in der Tips, wäre es somit sogar erforderlich sich mit Gummistiefeln und Gasmaske auszustatten um an den vermüllten Flächen vorbei zu kommen. Da bleibt nur noch zu eines zu sagen: „Linz you’re officially ghettoed!“

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