BILLY TALENT: Game over?

Rock, den man vor wenigen Jahren mit gutem Gewissen noch unter der Rubrik „Emo“ einsortiert hätte. Wie das mit Trends so ist: Sie kommen und gehen und Zeiten ändern sich bekannterweise, doch die Welt, wie wir sie kennen, ist immer noch ein gefährlicher Ort. Ausgerechnet Billy Talent wollen das mit „Dead Silence“ passend bebildern, da sie mit den bestehenden Verhältnissen und Zuständen nicht einverstanden sind.

Es gibt Platten, die habe ich so oder ähnlich schon erwartet. Dass ausgerechnet Billy Talent sich jetzt sozialkritisch zeigen, ist zumindest eine Neuerung. Das weltweite Befinden ist nicht besser geworden und überall hört man von Krisen, Krieg, Globalisierungsproblemen, Ungerechtigkeit und steigender Gewaltbereitschaft. Außerdem steht uns gegen Ende des Jahres die Apokalypse (wieder mal) bevor. Inhaltlich hat das Quartett zumindest eine Reform vollzogen. Dieser Gedanke, dass morgen schon alles vorbei sein kann, spiegelt sich auch in den Songs wider.

„Evil has been blessed with praise, heroes end up in their graves“ – man könnte meinen, der Weltuntergang wäre beschlossene Sache. Titel wie „Stand Up And Run“, „Cure For The Enemy“ oder „Don’t Count On The Wicked“ sprechen eine deutliche Sprache. Bildlich gesehen mag die innerliche Gewaltigkeit, die in den Liedern steckt, vielleicht in „Swallowed By The Sea“ am Besten funktionieren.

Andererseits ist „Dead Silence“ formelhaft, ja, aber für den ein oder anderen Ohrwurm durchaus noch zu gebrauchen. Nachdem Intro „Lonely Road To Absolution“ geht es mit dem Doppel aus „Viking Death March“ und „Surprise, Surprise“ gut los. Der Sound ist angenehm druckvoll, nicht übermächtig aufgeplustert. Die bollernden Drums und die sägenden Gitarrenriffs ergänzen sich in bester Manier. Die Band hat diesmal selbst Hand angelegt und die Platte rund und trocken auf den Punkt produziert. Auch das folgende „Runnin‘ Across The Tracks“ ist ein flotter Feger, wie man es von Billy Talent gewohnt ist.

Abwechslungsreichtum stand bei den Kanadiern nie hoch im Kurs. Bei Billy Talent heißt der Leitgedanke: Straight forward & ohne Schnörkel. Ben Kowalewicz hat nach wie vor diese stimmliche Aufmüpfigkeit, die manche lieben, andere hassen. Es ihm verübeln? Tue ich nicht. Gehört einfach dazu. Neues Spiel, neues Glück: Ob Billy Talent inzwischen aus dem Blickfeld der Emo-interessierten Konsumenten verschwunden sind, wird sich über kurz oder lang herausstellen.

Facts:
Billy Talent – Dead Silence
Gesamtspielzeit: ca. 54 Minuten
Warner

Links & Webtips:
billytalent.com
facebook.com/billytalent
twitter.com/billytalentband

Foto: Dustin Rabin

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