JAKE BUGG: „Ich liebe Herausforderungen“

Jake Bugg, der neue britische Superstar, benimmt sich wie einer, der schon sehr lange im Musikgeschäft ist. Er hat seine Aufgaben gemacht, wurde von niemand geringeren als Noel Gallagher getätschelt und gelobt und darf sich inzwischen über ein Nummer 1-Album in Großbritannien freuen.

subtext.at hatte die Möglichkeit, mit dem jungen Songwriter ein Interview zu führen. Was sehr schnell klar war: Über mögliche Reaktionen der Medien möchte sich der junge Heranwachsende nicht allzu viele Gedanken machen – die Meinungen der anderen kann man ohnehin nicht beeinflussen.

Wie das bei den Briten manchmal so ist: Selbstüberschätzung und Großspurigkeit gehen oft Hand in Hand. Auch bei Jake Bugg ist das spürbar. Ein Gespräch über Beachtung und persönliche Errungenschaften. 

subtext.at: Jake, wie fühlt es sich an, wenn man sich selbst auf dem Cover eines Musikmagazin sieht?
Jake Bugg: (überlegt) Es ist schon toll, obwohl ich sagen muss, dass ich mir die Berichte und Storys über mich nicht durchlese. Ich weiß nicht, ob da Positives oder Negatives über mich drin steht.

subtext.at: Bist du ein klein wenig stolz?
Jake Bugg: Wenn mich die Leute da sehen wollen – es ist ihre Entscheidung. Damit möchte ich mich eigentlich nicht belasten, mit der Presse.

subtext.at: Warum nicht? Hast du Angst vor den Reaktionen?
Jake Bugg: Ach, ich weiß nicht. You can believe them too much. Leute werden immer verschiedene Meinungen über dich haben, was OK ist. Die Zeit, die ich dazu verwende, die Berichte über mich zu lesen, verwende ich lieber um Songs zu schreiben.

subtext.at: Trotzdem scheinst du bereits jetzt große Aufmerksamkeit auf dich zu lenken.
Jake Bugg: Klar, immerhin habe ich die Möglichkeit, in unterschiedliche Länder zu reisen und dort zu spielen. Das ist das, was ich möchte: Die Welt bereisen. Das liebe ich. Den Leuten scheint es ebenfalls zu gefallen, was ich mache.

subtext.at: Manchmal wird man von bestimmten Leuten, dem Management oder der Plattenfirma in eine bestimmte Richtung gedrängt. Hast du manchmal dieses Gefühl?
Jake Bugg: Das kann ich eigentlich nicht bestätigen. Ich habe ein wirklich gutes Team um mich herum. Wenn ich mit irgendeinem Scheiß nicht einverstanden bin, dann respektieren sie das. Ich spüre da keinen Druck von dieser Seite. (überlegt) Ich muss aber sagen, dass mir ein bisschen Druck durchaus gut tut. Ich liebe Herausforderungen. Das Label ist dazu da, dir zu helfen. Es soll dir nicht vorschreiben, wie du deine Songs zu schreiben hast oder wie sie klingen sollen.

subtext.at: Die meisten Leute mögen es, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Genießt du es auch?
Jake Bugg: Das ist eher nichts für mich. Ich bin ein entspannter Typ und ich bin eigentlich froh, wenn ich mein Ding durchziehen kann.

subtext.at: Magst du es, wenn du aus der Menge herausstichst oder hast du es lieber, wenn du ein bisschen im Hintergrund des Geschehens sein kannst?
Jake Bugg: Ich mag es einfach, eine gute Zeit zu haben und neue Leute kennenzulernen. Da bin ich wie jeder andere auch. Es ist mir kein Anliegen, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen.

subtext.at: Denkst du, dass es in der heutigen Zeit ein Singer/Songwriter aus dem Folk-Bereich leicht hat, die Leute zu überzeugen und deren Aufmerksamkeit auf sich zu lenken?
Jake Bugg: Wenn du wirklich ehrliche Songs schreibst, dann werden die Leute darauf reagieren. Davon bin ich überzeugt, egal, welche Sparte du als Musiker bedienst. Sicherlich ist es nicht so leicht, wie man es sich vielleicht vorstellt, egal für welchen Künstler, für welche Band.

subtext.at: Vieles, was heutzutage veröffentlicht wird, ist sehr club- und elektronisch-lastig. Hat es da nicht einer wie du besonders schwer, sich durchzusetzen?
Jake Bugg: Das sind aber zwei paar Schuhe. Die einen möchten vielleicht gerne so etwas hören, wenn sie ausgehen und in einem Club sind. Wenn ich mich entspannen möchte, höre ich dann eben etwas anderes. Es ist immer noch Musik. Es kommt auf die jeweiligen Präferenzen an.

subtext.at: Du bist noch relativ jung und neu dabei, aber welche wichtigen Dinge hast du bisher gelernt?
Jake Bugg: (überlegt) Von meinem Standpunkt jetzt aus? Zwei Schritte vorwärts sind ein Schritt zurück. It’s all about the songs.

subtext.at: Über welche Errungenschaft bist du am meisten stolz?
Jake Bugg: (sofort) Ein Nummer 1-Album zu haben. Ich hätte mir nie gedacht, dass das jemals passieren wird.

subtext.at: Hat dich das überrascht?
Jake Bugg: Ja, sehr. Es freut mich, dass das Album so gut ankommt.

subtext.at: Gibt es Dinge, über die du nicht schreiben magst?

Jake Bugg: Eigentlich nicht, nein. Es ist sehr wichtig, offen zu sein zu deinem Publikum, um nicht dein Werk und deine Arbeit zu verpfuschen. Always try things. Versuche, immer so viel Inspiration aufzusagen wie möglich.

subtext.at: Wie definierst du einen erfolgreichen Auftritt? Auf welche Art und Weise lässt sich die Bühne am besten verlassen?
Jake Bugg: Mir ist es wichtig, dass die Leute eine gute Zeit haben, wenn sie eines meiner Konzerte besuchen. Es soll ihnen gefallen. Sie sollen sich als Teil des Ganzen sehen. Es geht nicht um mich, es geht um sie. Das Adrenalin, das du spürst, wenn du auf die Bühne gehst, das ist schon ein unglaubliches Gefühl.

subtext.at: Ist es aufregender, die Bühne am Anfang zu betreten oder sie am Ende, nach getaner Arbeit, zu verlassen?
Jake Bugg: Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich mag das Erlebnis einfach als Ganzes.

subtext.at: Jemals daran gedacht, auf der Bühne deine Gitarre zu zertrümmern?
Jake Bugg: Bitte? (Manager lacht im Hintergrund) Oh nein, warum sollte ich das tun? Ich habe gutes Geld für diese Gitarre bezahlt und heutzutage sind sie auch alles andere als billig. Wenn mich jemand auf der Bühne attackieren würde, würde ich mich mit der Gitarre verteidigen. Das wäre die Ausnahme.

subtext.at: Du bist noch relativ jung, wirst nächsten Monat neunzehn Jahre alt. Hast du einen Tipp für unsere Leser, wie sich Eltern leichter überzeugen lassen, um eine Karriere als Musiker anzufangen?
Jake Bugg: Nun, eigentlich sollten sie nicht überzeugt werden müssen. Sie sollten dich immer unterstützen, bei dem, was tu tust oder vorhast. Sie sollten dir unterstützen, wenn du deinen Traum leben willst.

subtext.at: Bestimmt sind viele Eltern skeptisch, schließlich muss ihr Sohn oder ihre Tochter sich gewissen Risiken aussetzen.
Jake Bugg: Natürlich, das gehört auch dazu. Du musst viel üben. Heutzutage ist es für Bands ja besonders schwer, die Zeiten sind hart. Viele müssen Jobs annehmen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, daneben Zeit finden, um zu proben und zu üben. Das ist leider so. Das ist wahrscheinlich auf der Grund für den Aufschwung der Dance- und Dubstep-Szene, wo man nur ein Keyboard bedienen und paar Knöpfe drehen muss, überspitzt gesagt.

subtext.at: Du sprichst von Übung und vom Proben. Denkst du trotzdem, dass dir auch Talent in die Wiege gelegt wurde?
Jake Bugg: Ach nein, es ist alles eine Sache der Übung. Übe so viel du kannst, denn nur dadurch wirst du besser.

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