THE JEZABELS: Ineinander verschlungen

Schwelgerischer, ausgefuchster und stylischer Indiepop, der so klingt, als würde er aus einem Autoradio bei Nacht ertönen, während man selbst in einem imaginären Mustang steckt, an der australischen Küste entlang fährt und die Gedanken kreisen lässt. Vertrackte, manchmal aber auch lupenreine Popsongs im Schwebezustand. Ein Platte für neonbeleuchtete Nächte.

 

„The Brink“ ufert weit aus, verliert den Boden unter den Füßen jedoch nie. Cinemaskopisch wäre als Begriff durchaus angebracht, weil einem einige Filme einfallen, die mit Musik von den Jezabels untermalt werden könnten. Oder Prêt-à-porter-Schauen. Ein Meer an kunstvoll arrangierten Schichten und Klängen wird aufgeboten, in dem man hier versinkt. Die Entspannung lässt nicht lange auf sich warten, man lässt einfach laufen. Das war schon bei „Prisoner“ so, dem famosen Debütalbum der Australier, die inzwischen in London beheimatet sind.

Und wenn man droht, abzudriften, kommt ein Song wie die Single „The End“ daher. Mit seinem Drive und seinem himmelwärts strebenden Refrain reißt er alles mit. Auch der Titeltrack geht sofort in die Vollen und fackelt nicht lange herum. Schicht um Schicht wird die Soundwall ausgekleidet, verfeinert und erweitert. Sehr geschmacklich. Das nach den 80s klingende „Look Of Love“ (einem Spätzunder erster Güte), dass experimentelle „Psychotherapy“ oder das zaghafte, später umso mehr stampfende „No Country“ zaubern einem ein Lächeln ins Gesicht.

Manchmal sind es die um die Ecke denkenden Rhythmen, manchmal dieser wunderbar perlende Pop und manchmal die zackigen Wave-Gitarren, die einen bekehren. Wenn U2 eine weibliche Frontfrau anstatt Bono Vox hätten, viel anders als Sängerin Hayley Mary würde sie wohl nicht klingen.

Viel Liebe steckt in diesem Album. Geschichten von Trennungen und den Augenblicken, wenn man sich gefühlsmäßig am Abgrund stehen sieht. Was soll man tun? Weitermachen? Dem ein Ende setzen, neu anfangen? Darüber haben die Jezabels mehr denn je zu sagen. Und daran zu knabbern. Eine Versuchsanordnung der Gefühle. „Is this the end of life worth living? Is this the end of heart won’t give in? Is this the end? I wanna know, I wanna love, I want a new beginning“, fragt Mary in „The End“, derweil die Musik in andere Ebenen umherwandert und versucht, den Kontakt zur Wirklichkeit dennoch nicht zu verlieren.

Mit ihrer Stimme, die zuweilen schwindelerregende Falsetthöhen hinaufklettert, muss man sich weiterhin abfinden – oder eben nicht. Man muss auch genau hinhören, damit die kleinen Satzbausteine, die das ganze Große ausmachen, nicht ineinander verschwinden wie das Bild von dem Pärchen auf dem Cover. Pulsierend.

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