Noppen Air 2023
Foto: Larissa Schöfl

25 Jahre Noppen Air

Nach drei Jahren Pause ging allen langjährigen Noppen Air-Fans das Herz auf, als feststand: Das Noppen Air kehrt 2023 auf den Noppenhof zurück und feiert seinen 25. Geburtstag. Wie es sich für das beliebte Fest im oberen Mühlviertel gehört war das Wochenende wie jedes Mal voll mit mitreißenden lokalen und internationalen Künstler:innen, ausgezeichneten regionalen Köstlichkeiten und guter Laune auf dem Tanzboden.

Zum 25. Jubiläum des Noppen Air gab es eine nennenswerte Veränderung: Der in den Vorjahren äußerst beliebt gewordene und höchstfrequentierte Campingplatz konnte aus mehreren Gründen nicht mehr gestemmt werden. Auch wir haben am Campingplatz nicht nur einmal in Bikini oder Haube gefeiert – manchmal sogar beides an einem Tag! Stattdessen wurde für die Festivalbesucher:innen ein Heimbringershuttle organisiert. Das hielt alteingesessene Noppen-Fans aber nicht davon ab, auf der Wiese vor dem Noppenhof die Campingsessel aufzustellen und sich vor Festivalbeginn ein paar Bierchen zu genehmigen.

Am Freitag, zum Auftakt des Festivals, war das Wetter leider nicht auf der Seite der Veranstalter, und so fand zeitgleich zu den Auftritten von z.B. Frinc, Kaffkiez, und den Headlinern Yukno am Parkplatz eine riesige Schlammschlacht statt. Den Freitag verbrachte unser Team noch in gemütlichen, trockenen Kinosälen am Crossing Europe. Am Samstag wagten aber auch wir einen Ausflug ins schöne und sogar sonnige Neußerling.

Beda mit Palme

Weil es in der Sonne noch direkt angenehm war, schmerzte es fast, sich in den überdachten Bühnenbereich zu begeben. Der nicht weniger strahlenden Beda und seine Palme waren es aber wert. Der Lokalmatador war zum ersten Mal auf der Noppen-Hauptbühne, um der noch etwas dünnen Noppen-Crowd einzuheizen.  Seinen Aufforderungen „den Stock ausn Oasch zu nehmen“ und zu „Daunzn“ wurde von den Besucher:innen nur teilweise Folge geleistet – es war noch früh und die meisten nüchtern. In Begleitung seiner Palme gab Beda seine selbsternannte Mühlviertler-Hymne zum besten, appellierte mit „Zeit für die Leid“ dafür sich Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu nehmen und rundete den Auftritt mit der „Quetschn Disco“ ab. Vom stressigen Wechsel zwischen Quetschn, Mandoline und Kazoo kam im Publikum nur gute Laune und Motivation für den Abend an. Ein sehr gelungener Auftakt für den Noppen-Samstag.

Resi Reiner

Der lebenslustigen Show des Openers folgte eine etwas ruhigere Stunde mit Resi Reiner und Indie-Pop aus Wien. Leider konnte die Band nicht wirklich von Beginn an überzeugen. Eine kaum hörbare Frontfrau und eine etwas müde wirkende Band ließen die kälter werdende Luft am Noppen wieder spürbar werden. Im Vergleich zur Frontfrau überzeugte die Keyboarderin mit positiver Ausstrahlung und einer wirklich starken Stimme. Die lauten Resi-Rufer im Publikum dürften wohl eher Fans des Namens gewesen sein und nicht der Musik, denn mit Fortdauer des Auftritts wurden die Leute eher weniger als mehr. Auch wenn der Sound im Laufe des Konzerts besser wurde, war der Gesamteindruck eher langweilig. Vielleicht hätte Resi in einem anderen Rahmen oder Slot im Timetable mehr von sich überzeugen können!

Mary Jane’S Soundgarden

Let’s get funky! So der Aufruf der dritten Band an die Crowd und damn meinten die das ernst. Von der ersten Nummer weg überzeugten Mary Jane’s Soundgarden mit abwechslungsreichen und energiegeladenen Songs. Kaum jemand in der Menge schaffte es ruhig zu stehen – wäre auch fehl am Platz gewesen, denn der Auftrag fürs Publikum war „shake everything you’ve got“. Die Band zeigte sich schwer motiviert und voller Dankbarkeit auf dem Noppen musizieren zu dürfen und zeigten ihr Freude sogar durch selbstgemacht Marmelade für die Fans. Mit Schlagzeug, Bass und Gitarre als Grundlage und dem verspielten Saxophonisten wurde der Auftritt schnell zu einer richtig Danceparty. Unbedingt erwähnen muss man die unbändigbare Stimme und unfassbar bewundernswerte vocal range von Tanja Peinsipp aka „Aunty“.
Mit dem Cover „Killing in the Name“ gab es ein fulminantes Ende des Auftritts, bei dem Band und Fans noch einmal alles gaben.

Unserer Meinung nach die beste Band des Abends mit Headliner-Qualitäten!

TTR Allstars

Auf den ersten Blick sah es ja fast aus wie ein Ausflug von ziemlich coolen Familienvätern. Mit dem ersten Beat wurde aber klar, dass die Allstars von Tontraeger Records nichts an Qualität verloren haben. Mit Average, Da Staummtisch, Kayo, Hinterland und Texta wurde die Bühne im alten Stadl schon ziemlich voll. Die TTR Allstars drückten nicht nur mit Nummern vom neuen Album „In unsam Haus“ drauf, sondern hauten auch alte Hits von den einzelnen Künstlern. Mittendrin war es dann Zeit mal die Bühne zu verlassen und sich zwischen den Fans zu battlen. Insgesamt eine gute Show der Hip Hop Supergroup, auch wenn die Texte aufgrund der Akustik nur schwer zu verstehen waren.

Während die TTR Allstars auf der Noppenstage mit ihrer Mundart-Performance die Hip Hop-Begeisterten unterhielten, fanden alljene Indiefans, die es gern etwas ruhiger haben, Zuflucht im Irish Pub. Dort bot Singer-Songwriter Yunger mit seinen melancholischen Songs und seiner weichen Stimme ein Kontrastprogramm. Dicht gedrängt genossen die am Irish Coffee oder Guinnes nippenden Gäste die gemütliche Stimmung und lauschten den verträumten Texten und fingergepickten Gitarrenklängen. Mit einem neu interpretierten Greenday-Cover bewies der Musiker aus Perg außerdem seinen guten Musikgeschmack.

Lola Marsh

Die Frau, auf den sich ein Großteil der Noppen-Besucher:innen schon den ganzen Abend freute, war Yeal Shoshana Cohen von Lola Marsh. Mit ihren vier Musikern hat uns die sympathische Sängerin aus Israel schon viele Male begeistert. Auch diesmal verzauberte ihre besondere, unverkennbare Stimme und sympathische Art das Publikum. Die bekanntesten Songs der Band, wie „Only For A Moment“, „Wishing Girl“ oder „Echoes“, schafften es wie immer, für Stimmung zu sorgen und zum Tanzen zu animieren. Allerdings hatten wir an diesem Abend das Gefühl, die Sängerin etwas reservierter als sonst zu erleben – unsere Ansprüche sind durch die Gute Laune versprühenden Performances, die wir bereits erleben durften aber hoch angesetzt!

TUMULT

Als letzter Act auf der Noppen Air Stage sorgte Tumult mit ihrem „Electronic Brass“ dafür, dass auch die letzten kalten Zehen wieder auftauten. Musikalisch angelehnt an MEUTE stehen die teilweise recht jungen, aber ausgezeichneten Musiker ihren Vorbildern in nichts nach, wenn es darum geht, auf der Bühne mit bemerkenswerter Power abzuliefern. Mit bekannten EDM Hits wie „You & Me“ von Flume, „Alors on danse“ von Stromae, oder „Booty Swing“ von Parov Stelar brachten die Musiker aus dem Bezirk Rohrbach die Festivalbesucher:innen zum tanzen, singen und feiern.

Was wir uns von Tumult gewünscht hätten wäre, den Fokus nicht bei allen Songs so sehr aufs Saxophon zu legen, auch wenn Michael Kneidinger ein begnadeter Saxophonist ist, und auch Trompeter Simon Hartl oder Philipp Plakolb an der Posaune öfter in den Fokus zu rücken. Tumult brachten den Festivalabend auf der Hauptbühne zu einem gebührenden Ende, und waren eigentlich auch die perfekte Überleitung zum sonntäglichen Frühschoppen!

Fest steht: Es lohnt sich auch, für einen Tagesausflug aufs Noppen Air nach Neußerling zu kommen – wir wurden herzlich aufgenommen, bestens versorgt und hatten das Gefühl, alle freuen sich, wieder hier sein zu dürfen. Hoffentlich werden wir noch viele weitere Noppen-Jubiläen gemeinsam feiern können!

Natur, Musik, Sport und Berge - also wenn Zeit dafür bleibt. Sonst Bier.